Es war kein einzelner Moment. „Das Thema, die Bank zu verlassen, war ein schleichender Prozess“, sagt Victor Lutz. Zehn Jahre arbeitete er bei der Hypovereinsbank, die letzten viereinhalb davon im Private Banking. Er betreute Familien ab einem Vermögen von einer Million Euro. Verbesserungspotential sah er vor allem bei „der Einhaltung von Versprechen und der Wertschätzung individueller Leistung sowohl im nicht-monetären Bereich als auch durch ein entsprechendes Bonussystem“, sagt der heute 30-Jährige.
Warum ein Wechsel zu einer anderen Bank nicht infrage kam
Angebote anderer Banken hatte er. Diese lehnte er alle ab. „Die Herausforderungen hat nicht nur die HypoVereinsbank derzeit, sondern die gesamte Branche“, erklärt er. Überall dasselbe Bild: Kunden, die eigentlich im Mittelspunkt stehen sollten, stehen es größtenteils leider nicht mehr. Maßgeschneiderte Beratung weicht immer mehr dem Produktverkauf, egal bei welcher Bank.
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Es war kein einzelner Moment. „Das Thema, die Bank zu verlassen, war ein schleichender Prozess“, sagt Victor Lutz. Zehn Jahre arbeitete er bei der Hypovereinsbank, die letzten viereinhalb davon im Private Banking. Er betreute Familien ab einem Vermögen von einer Million Euro. Verbesserungspotential sah er vor allem bei „der Einhaltung von Versprechen und der Wertschätzung individueller Leistung sowohl im nicht-monetären Bereich als auch durch ein entsprechendes Bonussystem“, sagt der heute 30-Jährige.
Warum ein Wechsel zu einer anderen Bank nicht infrage kam
Angebote anderer Banken hatte er. Diese lehnte er alle ab. „Die Herausforderungen hat nicht nur die HypoVereinsbank derzeit, sondern die gesamte Branche“, erklärt er. Überall dasselbe Bild: Kunden, die eigentlich im Mittelspunkt stehen sollten, stehen es größtenteils leider nicht mehr. Maßgeschneiderte Beratung weicht immer mehr dem Produktverkauf, egal bei welcher Bank.
Wie Lutz auf Netfonds aufmerksam wurde
Auf Netfonds kam Lutz durch einen ehemaligen Hypovereinsbanker. Was ihn überzeugte: Transparenz – im Gespräch und im Modell. Als vertraglich gebundener Vermittler nach Paragraf 3 Absatz 2 Wertpapierinstitutsgesetz (WpIG) arbeitet er nun unter dem Haftungsdach von Netfonds, eingetragen im Bafin-Register. Der Zugang zu allen Anlagemöglichkeiten am Markt war für ihn ein entscheidendes Argument. „Bei Großbanken wird das leider immer weniger. Kooperationen mit Fondsanbietern werden zunehmend gekündigt, hauseigene Produkte werden bevorzugt.“ Die Qualität dieser Produkte reiche im Wettbewerb schlicht nicht aus. Hinzukommt für ihn, dass man selbst im Private Banking keinen Zugriff auf die Fondspalette der kompletten Unicredit hatte.
Die Entscheidung war trotzdem nicht einfach. Victor Lutz verdient gut, hat eine Frau und eine Tochter. Er stellte sich eine Frage: Will ich das mit voller Überzeugung die nächsten 30 oder 40 Jahre machen? „Die Antwort war ganz klar: Nein.“
Digitale Abwicklung statt Papierberge
Was ihn nach dem Start überraschte: die Einfachheit der digitalen Abwicklung bei Netfonds. „Das kannte ich aus der Bank nicht. Dort war vieles noch mit Papier verbunden und sehr langsamen Prozessen.“ Auch die Erreichbarkeit des Haftungsdachs war neu: schnelle Telefonate, gemeinsame Problemlösung. „Das habe ich so lange nicht mehr erfahren. Auch wenn Probleme nicht in den Aufgabenbereich handelnder Personen fällt, wird sich trotzdem gekümmert.“
Mitteldeutsche Werteinvest: Beratung ab einer Million Euro
Unter dem Namen Mitteldeutsche Werteinvest berät er in Leipzig Kundenfamilien ab einem Vermögen von einer Million Euro. Viele ehemalige Kunden kamen von sich aus auf ihn zu und wollten die Zusammenarbeit fortsetzen. Ein Büro hat er nicht fest gemietet – er besucht seine Kunden bei sich zu Hause oder in den Firmen, gelegentlich mietet er sich tageweise einen Raum. Ein zweistelliges Millionenvermögen hat er bereits akquiriert.
Das Vergütungsmodell ist bewusst transparent gehalten: eine Vermögensverwaltungspauschale von rund einem Prozent pro Jahr, dafür keine Ausgabeaufschläge auf Transaktionen. Bestandsvergütungen werden vollständig an die Kunden ausgeschüttet. „Transparenz ist mir extrem wichtig – der Kunde soll genau wissen, wohin welche Zahlungsströme gehen.“
Alle Teile der Serie „Raus aus der Bank“ im Überblick:
- Teil 15: „Wechsel hätte nichts verändert“ – Private-Banking-Duo macht sich selbstständig
- Teil 14: Wie zwei langjährige Warburg-Banker in die Selbstständigkeit wechseln
- Teil 13: Ex-Deutsche-Bank-Berater schließen sich Multi Family Office an
- Teil 12: Ex-Bereichsleiter Private Banking: „Ich arbeite nur noch aus Leidenschaft“
- Teil 11: Ex-Private-Wealth-Beraterin: „Selbstständig arbeiten, so lange wie ich kann“
- Teil 10: „Rückblickend hätte ich früher den Mut fassen sollen“
- Teil 9: Duo wechselt aus der Apobank in die Selbstständigkeit
- Teil 8: Ehemalige Private Banker der Hypovereinsbank beraten in Flensburg
- Teil 7: Langjährige Wealth Manager wechseln aus der Commerzbank in die Selbstständigkeit
- Teil 6: Langjähriger Private Banker der Apobank wählt unternehmerischen Weg
- Teil 5: „Gefunden, wonach ich schon immer gesucht hatte“
- Teil 4: „Bis heute erläutere ich in Erstgesprächen genau diese Punkte“
- Teil 3: „Wir verstehen uns als externer Partner außerhalb der Bank“
- Teil 2: „Wir wollen die Finanzanwälte unserer Kunden sein“
- Teil 1: „Kunden sollen ein Verständnis für ihr modernes Portfolio bekommen“
Gesamtvermögen im Blick – von Aktien bis Immobilien
Was ihn an seinem neuen Modell besonders überzeugt: der Blick auf das Gesamtvermögen. Lutz arbeitet mit Programmen, welche seiner Empfindung nach, deutlich näher am Endkunden sind als vorher. Portfolios werden genau so detalliert in alle Bestandteile aufgeschlüsselt – wie in der Bank. Zudem werden Szenarioanalysen durchgeführt und auch externe Depots können eingebunden werden. Schließlich hat auch der Kunde Zugriff auf dieses Programm und entscheidet selbst, ob und wann er seinem Berater Einblick auf Fremdbankwerte gewährt. Unternehmerische Beteiligungen, Immobilien und weitere Vermögenswerte lassen sich ebenfalls einbinden. „Das ist in meinen Augen echtes Private Banking“, so Lutz. Für Themen, die über die reine Geldanlage hinausgehen – Vermögensnachfolge, Finanzierungen, Immobilienbewertung – arbeitet er mit Kooperationspartnern zusammen.
Finanzbildung für Kinder ab 13
Neu im Angebot ist außerdem Finanzbildung für Kinder – maßgeschneidert, wie alles andere. Ab einem Alter von etwa 13 Jahren sollen Kinder verstehen, wie Finanzmärkte funktionieren und welche Anlageformen für sie sinnvoll sein können. Vor allem aber sollen sie eines lernen: „Dass ihre Bedürfnisse und nicht die des Beraters an erster Stelle stehen.“
100 Millionen Euro in drei Jahren
Seine Wachstumspläne sind konkret: 100 Millionen Euro verwaltetes Vermögen in drei Jahren und weitere Berater mit demselben Anspruch möchte er an Bord holen. Und wenn es eine Mitteldeutsche Werteinvest in Leipzig gibt – warum nicht auch eine in Nord-, Süd- und Westdeutschland?
Was er von der Bank vermisst? „Lediglich ein paar Kollegen.“ Als er kündigte, sagte ihm die Vielzahl, es sei der richtige Schritt, die Bank zu verlassen. Viele meinten, dass sie sich selbst auch mit diesem Gedanken schon länger beschäftigen. Sein Rat an alle, die ähnlich denken: „Geht euren Weg des Lebens und übernehmt für das eigene Leben Verantwortung.“