Versicherungsmathematiker warnt Pensionskassen benötigen mehr Eigenmittel

Der Versicherungsmathematiker Friedemann Lucius sieht die Trägerunternehmen in der Pflicht, angeschlagenen Pensionskassen unter die Arme zu greifen.  | © Deutsche Aktuarvereinigung

Der Versicherungsmathematiker Friedemann Lucius sieht die Trägerunternehmen in der Pflicht, angeschlagenen Pensionskassen unter die Arme zu greifen. Foto: Deutsche Aktuarvereinigung

Viele Pensionskassen benötigen mehr Risikotrag­fähigkeit, um die anhaltende Niedrigzinssituation und die beständige Verlän­gerung der Lebenserwartung bewältigen zu können. Diese Einschätzung vertritt Friedemann Lucius, Vorstandssprecher der für ihre sogenannten Sterbetafeln bekannten Heubeck AG. Ferner engagiert sich der promovierte Mathematiker als Vorstandsvorsitzender des Instituts der Versicherungsmathematischen Sachverständigen für Altersversorgung (IVS) und ist vom IVS entsandtes Vorstandsmitglied der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV).

Lucius verweist in einer aktuellen Mitteilung der Aktuarvereinigung auf das Geschäftsmodell der Pensionskassen, um die verfahrene Lage der Kassen zu verdeutlichen: Das Geschäftsmodell sei immer darauf ausgerichtet gewesen, aus den Beiträgen des Kollektivs möglichst effizient hohe Leistungen mit der erforderlichen Sicherheit für das Kollektiv zu finanzieren. Gewinne seien eher zugunsten von Leistungserhöhungen verwendet worden als zum Aufbau freier Eigenmittel. Nun mangelt es den Kassen an Eigenmitteln. 

Vor dem Hintergrund dieser Ausgangslage skizziert Lucius zwei Optionen für eine mögliche Lösung: „Entweder die Pensionskassen senken ihre Annahmen darüber, was sie künftig am Kapitalmarkt erwirtschaften können. Dann müssen sie zwangsläufig die Reserven für die vorhandenen Garantiezusagen in erheblichem Umfang anheben. Oder sie gehen in den Kapitalanlagen höhere Risiken ein, um dauerhaft Erträge erwirtschaften zu können, wie sie in der ursprünglichen Tarifkalkulation einmal unterstellt worden waren.“

Um die damit verbundenen Schwankungsrisiken aufzufangen, benötigen die Pensionskassen nach Einschätzung des Mathematikers freie, unbelastete Eigenmittel. „Wenn diese nicht vorhanden sind, müssen sie von außen bereitgestellt werden. Beide Varianten kosten Geld“, so Lucius.

Diese zusätzlichen Mittel müssten letztendlich von den Trägerunternehmen aufgebracht werden, da sie als Arbeitgeber für die Zusagen der Pensionskassen einstehen. „Aus aktuarieller Sicht kann ich den Trägerunternehmen nur dringend empfehlen, dem Beispiel vieler Firmen zu folgen, die sich bereits zu dieser Verantwortung bekannt und für ihre Pensionskassen zusätzliche Mittel bereitgestellt haben“, betont Lucius und wiederholt damit Forderungen aus dem vergangenen Jahr. 

Die Trägerunternehmen seien nicht gut beraten, es auf eine Sanierung durch Leistungskürzungen ankommen zu lassen. „Dieser letzte Ausweg geht in der Regel mit einem vollständigen Verbrauch der Eigenmittel und damit einem weitgehenden Verlust der Risikotragfähigkeit der Kasse einher. Im schlimmsten Fall folgen ein Neugeschäftsverbot und die Abwicklung der Einrichtung. Das ist am Ende die teuerste Lösung für die Arbeitgeber“, so Lucius. „Und wo es beispielsweise aufgrund von Insolvenzen keinen einstandspflichtigen Arbeitgeber mehr gibt, muss künftig der Pensions-Sicherungs-Verein einspringen“, führt der IVS-Chef aus.