Im Fixed-Income-Markt ist zusätzliche Rendite meist mit einem deutlichen Mehr an Kreditrisiko verbunden. Restricted Tier 1-Anleihen (RT1) europäischer Versicherer bieten eine interessante Alternative: Attraktive Spread-Prämien treffen auf einen fundamental robusten Versicherungssektor, der historisch zu den Sektoren mit den niedrigsten Ausfallraten zählt, und ein weiterhin überwiegend im Investment Grade-Bereich angesiedeltes Anlageuniversum.
Seit den ersten großen Emissionen 2017 haben sich RT1 zunehmend als Bestandteil der Kapitalstruktur europäischer Versicherer etabliert. Allein im ersten Halbjahr 2026 wuchs das ausstehende Marktvolumen um 4,2 Milliarden Euro auf rund 35 Milliarden. Gleichzeitig bleibt erhebliches Wachstumspotenzial: Mehr als die Hälfte der Tier 2-Emittenten im Versicherungssektor hat bislang keine RT1-Anleihe begeben. Zusätzliche Impulse kommen von der zunehmenden Etablierung von RT1-Anleihen als Anlageklasse. Die wachsende Vertrautheit von Emittenten und Investoren erleichtert Neuemissionen, während Versicherer RT1-Kapital zunehmend nutzen, um regulatorische Spielräume effizienter auszuschöpfen und ihre Kapitalstruktur flexibler zu gestalten.
Attraktive Prämie für strukturelles Risiko
Für institutionelle Investoren liegt der Reiz insbesondere in der relativen Bewertung. RT1 bietet derzeit einen zusätzlichen Spread von rund 100 bis 150 Basispunkten gegenüber Tier 2-Versicherungsanleihen. Gleichzeitig präsentieren sich die Fundamentaldaten der Branche robust. Die Solvenzkapital-Quoten europäischer Versicherer bewegen sich nahe historischen Höchstständen und liegen deutlich über 200 Prozent der regulatorischen Kapitalanforderungen. Auch die Ergebnisse der (Rück-)Versicherer zeigten sich zuletzt robust, unterstützt durch die breite Diversifikation ihrer Geschäftsmodelle.
Hinzu kommt ein Diversifikationseffekt. Versicherungsanleihen weisen andere Risikotreiber auf als klassische Unternehmens- oder Bankanleihen. Gerade für Investoren mit bestehenden Positionen in Bank AT1 (AT1-Anleihen sind nachrangige, eigenkapitalähnliche Anleihen von Banken) kann RT1 daher eine interessante Ergänzung darstellen, bei tendenziell höherer durchschnittlicher Kreditqualität. Damit kann die Anlageklasse nicht nur zusätzliche Ertragsquellen erschließen, sondern auch die Diversifikation innerhalb eines bestehenden Rentenportfolios verbreitern.
Selektion macht den Unterschied
Mit dem Wachstum des RT1-Marktes nimmt auch die Vielfalt der verfügbaren Strukturen zu. Für Investoren eröffnet dies zusätzliche Chancen, erhöht aber zugleich die Bedeutung einer sorgfältigen Einzeltitelauswahl. Entscheidend sind insbesondere Reset Spreads, Verlängerungsrisiken und die Wahrscheinlichkeit einer Rückzahlung zum ersten Kündigungstermin. Diese strukturellen Merkmale können dazu führen, dass selbst Anleihen desselben Emittenten unterschiedliche Risiko-Rendite-Profile aufweisen. Ein tiefes Verständnis der jeweiligen Instrumentenstruktur ist daher zentral, um attraktive Renditeprämien gezielt zu nutzen und angemessen für die eingegangenen Risiken kompensiert zu werden.
Mit zunehmender Marktgröße erweitert sich nicht nur das investierbare Universum, sondern auch die Möglichkeit, über Emittenten, Regionen, Geschäftsmodelle und unterschiedliche Strukturen hinweg zu diversifizieren. Gleichzeitig bleibt RT1 ein vergleichsweise spezialisierter Markt, in dem aktive Selektion einen wesentlichen Unterschied machen kann. Für institutionelle Investoren entwickelt sich die Anlageklasse damit zu einem zunehmend relevanten Baustein im Rentenportfolio: mit attraktiven laufenden Erträgen, robusten Fundamentaldaten und einer Renditeprämie, die das strukturelle Risiko angemessen kompensieren kann.
Die in dieser Publikation enthaltenen Informationen dienen ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und stellen weder ein Angebot noch eine Aufforderung zur Investition dar. Jede Kapitalanlage ist mit Risiken verbunden, einschließlich des möglichen Verlusts des eingesetzten Kapitals. Frühere Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse.