Christina Volkmann von Invesco „Ich halte Aktienstrategien für eine langfristige Alternative“

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Invesco arbeitet mit Anlagechefs in Versicherungsgesellschaften zusammen und will, so steht es in einer Mitteilung, „differenzierte Mehrwertlösungen für den kompletten Investmentzyklus“ entwickeln. Was heißt das konkret?

Volkmann: Der Versicherungsbereich steht bei uns ganz klar im Fokus. Wir verantworten weltweit zirka 100 Milliarden Euro an Strategien für Versicherungsunternehmen. In den letzten Monaten haben wir den Bereich vor allem inhaltlich stark ausgebaut, wobei wir sozusagen im Tandem arbeiten. Wir betreuen die Kunden direkt vor Ort und kennen ihre Bedürfnisse und Anforderungen, werden dabei aber permanent von unserem globalen Team für Versicherungslösungen unterstützt.

Wie setzt sich dieses Team zusammen? 

Volkmann: Das mehr als 70-köpfige Team besteht aus Aktuaren und ehemaligen Investmentchefs von Versicherungsunternehmen und kann so auf ein profundes Wissen und Erfahrung zurückgreifen. Ziel ist es, die individuellen Ziele, Bedürfnisse und Beschränkungen unserer Kunden zu verstehen, um so gemeinsam maßgeschneiderte Anlagekonzepte zu entwickeln.

Wie viel Freiraum geben Ihnen die Großanleger?

Volkmann: Das ist individuell sehr unterschiedlich und verändert sich auch oftmals innerhalb des Prozessablaufs. Beispielsweise haben wir vor rund einem Jahr den ersten synthetisch replizierenden und nachhaltig ausgerichteten ETF auf den S&P 500 aufgelegt. Am Anfang dieses Prozesses, der von der ersten Idee bis zur Auflegung rund ein Jahr gedauert hat, stand die Frage eines Versicherungskunden, ob man US-Aktien über einen synthetischen ETF abbilden könne. Der Freiraum war anfangs enorm, hat sich innerhalb dieses Prozesses dann aber stark verringert. Letztlich mussten wir sogar in Bezug auf die Aufnahme von CO2-intensiven Titeln auf den Indexanbieter einwirken, weil der Kunde diesbezüglich sehr konkrete Vorstellungen hatte. Generell lässt sich sagen, dass die Ziele und Beschränkungen der Versicherungsgesellschaften häufig sehr konkret sind, der Weg zum Ziel dann aber oft mit einem großen Freiraum verbunden ist.

Wie gehen Versicherungen heute an die Planung ihrer Kapitalanlagen heran? Und hat sich der Ansatz in den vergangenen zehn Jahren verändert?

Volkmann: Die Kapitalanlagen der Versicherer – und der institutionellen Anleger generell – unterliegen stets einem Wandel und werden von Themen und Trends begleitet. Drei maßgebliche Ereignisse der letzten zirka zehn Jahre haben zu einem veränderten Ansatz geführt: die Finanzkrise, die für die aktuelle Niedrigzinspolitik verantwortlich ist, der demografische Wandel und der sich beschleunigende Digitalisierungstrend. Diese Entwicklung sorgt dafür, dass die Versicherungsgesellschaften unter Druck stehen, risikoreicher zu investieren.

Je länger die Niedrigzinsphase anhält, desto mehr Geld wird von sicheren Anlagen in risikoreichere Papiere wie Aktien fließen. Auch wenn es sich dabei nur um einen kleinen Anteil des Kapitals handelt, führt eine solche Kapitalumschichtung natürlich auch dazu, dass sich die Preise dieser risikoreicheren Assets noch weiter erhöhen. Das gilt besonders, wenn mehr Geld in kleinere Märkte fließt. 

Welche Folgen hat der demografische Wandel für die Versicherer?

Volkmann: Der demografische Wandel führt dazu, dass die Bevölkerungspyramide kippt. Dieser Zustand wird die Versicherungsgesellschaften nicht unberührt lassen. Die Unternehmen werden zunehmend mit den Auswirkungen zu kämpfen haben. Die Geburtenrate sinkt bei steigender Lebenserwartung. Besonders im Gesundheitswesen wird man hier an Grenzen stoßen. Und die Spitzenbelastungen der demografischen Entwicklung stehen uns noch bevor. Die wachsende Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben führt dazu, dass die nächsten Generationen massiv von steigenden Beiträgen und Steuern belastet werden.

Sie erwähnten auch den sich beschleunigenden Trend zur Digitalisierung. Welche Rolle spielt dieser für Versicherungsgesellschaften?

Volkmann: Der schnelle technologische Fortschritt und das damit einhergehende veränderte Kundenverhalten wird das Geschäftsmodell von Versicherungen verändern. Eigene Prozesse für die Entscheidungsfindung und ein digitales Kundenerlebnis sind hier die wichtigen Schlagworte.


Über die Interviewte:
Christina Volkmann leitet seit Anfang 2020 die Abteilung Versicherungskunden bei Invesco Deutschland. In ihrer beruflichen Laufbahn hat die Diplom-Betriebswirtin bereits für Fidelity Investments sowie die Banken Credit Suisse und BNP Paribas gearbeitet. 2013 wechselte Volkmann zu Invesco. Dort arbeitete sie in den vergangenen Jahren im institutionellen Vertrieb.

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