Wegen Niedrigzins Versicherer bauen auf Aktien und Alternatives

Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des GDV

Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des GDV: Die Analyse macht unter anderem deutlich, dass Versicherer immer wichtiger als Geldgeber für andere Unternehmen werden Foto: GDV

Die deutschen Versicherungsgesellschaften, ohne Rückversicherer, haben in den vergangenen Jahren ihre Kapitalanlagen zunehmend an das Niedrigzinsumfeld angepasst. So hat sich der Anteil von Aktien, Beteiligungen oder Immobilien seit 2011 von 9,8 auf 17 Prozent fast verdoppelt. In absoluten Zahlen lag das Volumen dieser Anlageklassen Ende 2020 bei 256,1 Milliarden Euro, Ende 2001 waren es 104 Milliarden Euro, wie eine aktuelle Analyse der Kapitalanlagen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zeigt.

Unter anderem nahm das Volumen bei Aktien um 46,3 auf 76,5 Milliarden Euro zu, das Volumen von Immobilien um 26 auf 62,1 Milliarden Euro. Die gesamten Kapitalanlagen der Versicherer legten zwischen 2011 und 2020 von etwas mehr als einer Billion Euro auf 1,5 Billionen Euro zu. Demgegenüber ist der Anteil von Anleihen in den Portfolios gesunken – von 88,7 Prozent vor knapp zehn Jahren auf 81,8 Prozent. Wegen des insgesamt gestiegenen Anlagevolumen steckten Ende 2020 jedoch mehr als 1,2 Billionen Euro in Rentenpapieren. 2011 waren es noch 950 Millionen Euro.


Auch innerhalb der Rentenanlagen gibt es Umschichtungen, mit denen die Unternehmen auf die schwierigen Marktbedingungen reagieren. So hat sich der Wert der über Fonds gehaltenen Rentenpapiere seit Ende 2011 auf fast 450 Milliarden Euro verdoppelt. 2011 lag der Wert noch bei 220,3 Milliarden Euro. Versicherer nutzen Fonds für Investitionen in alternative Anlagen und regionale Diversifizierung, um Risiken besser zu streuen.

Auch als Kreditgeber für Firmen treten Versicherer verstärkt auf. Etwa 19 Prozent ihrer Kapitalanlagen entfielen Ende 2020 auf Unternehmensanleihen. Die Versicherer betreiben das Geschäft neben den Banken, von denen sich einige aufgrund regulatorischer Auflagen aus Teilen der Unternehmensfinanzierung zurückgezogen haben. Auch der Kauf von Anleihen mit längeren Laufzeiten ist eine Strategie, mit der die Versicherer auf die extrem niedrigen Zinsen reagieren.