Die Luft wird dünner: In einer aktuellen Studie schätzt PwC, dass einer von sechs Vermögensverwaltern bis zum Jahr 2027 vom Markt verschwinden wird – laut den Autoren doppelt so viele wie in der Vergangenheit. Aus dem gleichen Papier geht hervor, dass drei von vier Häusern eine strategische Konsolidierung mit einem Wettbewerber erwägen. Also „go big or go home“? In der Tat profitieren große Vermögensverwalter maßgeblich von Skaleneffekten durch den Einsatz digitaler Technologien. Doch auch kleinere und mittelständische Vermögensverwalter können ihre Prozesse durch den Einsatz moderner Portfoliomanagement-Systeme (PMS) optimieren und sich im Wettbewerb behaupten.
Wir beleuchten in diesem Beitrag Digitalisierungspotenziale einer Kernaktivität im operativen Betrieb eines jeden Finanzportfoliodienstleisters: dem Wertpapierhandel. Auch wenn – oder gerade weil – immer mehr Depotbanken eigene Ordering-Tools anbieten, lohnt ein kritischer Abgleich mit dem eigenen Anforderungskatalog: Welche Aspekte gilt es bei der Tool-Auswahl zu berücksichtigen? Und was versprechen moderne Softwarelösungen?
Ordermanagement – aber bitte vollständig!
Ein modernes Portfoliomanagement-System bildet zunächst die Prozesskette einer Order vollständig ab. Wir teilen diese in fünf Schritte auf:
- Erzeugung: Je nach Anlagestrategie erstellt entweder die Software automatisch Orders, oder der Portfoliomanager gibt selbst Aufträge ein. Dabei werden Orders im besten Sinne des Mandanten mit Handelsplatz, Gültigkeit, Limit und anderen Orderzusätzen parametrisiert. Einzelorders für geeignete Gattungen werden zu Blockorders zusammengefasst. Wird ein Portfolio häufig gehandelt, werden schwebende Orders in der Betrachtung des Ist-Bestands gesondert berücksichtigt.
- Validierung: Nach Erzeugung von Orders für ein oder mehrere Portfolios werden die Zielbestände simuliert und geprüft. Neben der Validierung von Kaufkraft und Leerverkäufen erfolgt auch ein Abgleich mit individuellen Anlagerichtlinien, beispielsweise hinsichtlich ESG-Score, Branchen oder Regionen.
- Übermittlung: Nach erfolgter Validierung übermittelt das System die Orders im passenden digitalen Format in Echtzeit an beliebig viele Depotbanken oder Broker. Dabei werden Compliance-Verfahren wie 4- oder 6-Augen-Prüfungen selbstverständlich unterstützt.
- Überwachung: Nach Übermittlung der Orders überwacht das System deren Ausführung in Echtzeit, und zwar bis zum Abschluss, auch bei langen Settlement-Zeiten. Stornos und fehlgeschlagene Orders sind unmittelbar zu erkennen und können sofort bearbeitet werden.
- Auditierbarkeit: Orders werden nach Ausführung revisionssicher gespeichert und sind für das Backoffice und Wirtschaftsprüfer abrufbar.
Im besten Falle wird der gesamte Prozess einer Order digital abgebildet: Analoge Sollbruchstellen gehen stets mit Effizienzeinbußen und dem Risiko von Eingabefehlern einher.
Wer „Order“ sagt, muss auch „Portfolio“ sagen!
Aber nicht nur das Ordermanagement kann digitalisiert, sondern auch ein Portfolio kann in seinem gesamten Lebenszyklus abgebildet werden: von Depoteröffnung bis -liquidierung. Nach Eingang der Initialeinlage kann oder muss allokiert werden. Ist ein monatliches Rebalancing vorgesehen, sollte nicht immer bis dahin gewartet werden. Nach Erstallokation sollte es Mandanten jederzeit möglich sein, weitere Summen einmalig oder als Sparplan einzuzahlen, Teilauszahlungen anzufordern oder sich für eine andere Strategie zu entscheiden.
Alle diese Kundenanfragen lösen potenziell Wertpapier-Orders und Zahlungen aus, die Vermögensverwalter zeitnah und diszipliniert bedienen müssen – wie unangenehm wäre es, wenn die Mandantschaft Wochen auf eine Auszahlung warten müsste, weil die soeben gewonnene Liquidität vor Auszahlung durch den regelmäßigen Rebalancing-Lauf wieder investiert wurde? Oder wenn eine Einzahlung unbemerkt bis zum nächsten Handelsstichtag auf dem Depotkonto verbleibt und den Markt nur von der Seitenlinie beobachten darf? Vollliquidierung und anschließende Kontoschließung dürfen natürlich nicht fehlen.
Um die letzte Lücke im Zyklus zu schließen, muss das System auch die Zahlungsprozesse digital abbilden: So können Einzüge vom sowie Auszahlungen auf das Referenzkonto bequem via Sepa-Lastschrift oder Überweisung getätigt werden. Moderne Portfoliomanagement-Systeme stimmen obendrein Wertpapierhandel und Zahlungsaufträge perfekt aufeinander ab.
Wann immer wir von einem Portfolio sprechen, darf die Kundenbetreuung nicht fehlen: Portfoliomanagement-Systeme lassen sich bestenfalls mit gängigen Customer Relationship Management Systemen (CRMs) verbinden und bringen Beratung und Portfoliomanagement somit in Einklang.
Eine zuverlässige Abbildung des gesamten Lebenszyklus eines Portfolios zahlt nicht nur unmittelbar auf die Servicequalität ein: Ein fehlerhafter Umgang mit Kundenanfragen führt im schlimmsten Fall zu direkten Schadensfällen. Die Digitalisierung von Prozessen minimiert das Risiko menschlichen Versagens und führt zu einer höheren Servicequalität und Reputation.
Denken Sie groß!
Die Digitalisierung der eigenen Handelsprozesse ermöglicht es Vermögensverwaltern nicht nur, die Qualität ihrer Dienstleistung zu verbessern, sondern ebenso, Skaleneffekte zu erzielen. Dies verschafft ihnen die notwendigen Ressourcen, um sich verstärkt auf Neugeschäft zu konzentrieren und zu wachsen. Nicht zuletzt können Vermögensverwalter durch den gezielten Einsatz eines eigenen Portfoliomanagement-Systems ihre Abhängigkeit von einzelnen Banken drastisch reduzieren.
Durch eine effektive Nutzung digitaler Technologien positionieren sich Vermögensverwalter für langfristigen Erfolg und Wettbewerbsfähigkeit in einem angespannten Marktumfeld – 2027 selbstsicher im Blick.
Das dazugehörige Whitepaper können Sie hier lesen.
Über den Gastautor:
Philip Schäfer verantwortet bei der Qplix als Direktor für Kundenlösungen (Director Client Solutions) die Entwicklung neuer Teilprodukte. Er gestaltet die Software Qplix Q bereits seit 2014 mit und hält einen Master of Science in Software Engineering von den Universitäten Augsburg, TU München und LMU München.
