Vermögensverwalter und Family-Office-Angebote Außer Spesen nichts gewesen?

Stefan Kolb leitet das rund fünfzigköpfige Private-Port-Team der Deutschen Bank

Stefan Kolb leitet das rund fünfzigköpfige Private-Port-Team der Deutschen Bank

Es war ein Plädoyer, das ich nie vergessen habe. Um die Jahrtausendwende sagte mir einer der ersten Vermögensverwalter und Family-Office-Anbieter, mit dem ich zusammenarbeiten konnte, und ein sehr erfolgreicher dazu: „Mein Team soll sich mehr auf unsere Kunden konzentrieren und weniger EDV machen.“ Mit dem Begriff „EDV“ meinte er Vermögenscontrolling-EDV – eine Aufgabe, die ihn nach seinem Geschmack auch viel zu sehr vom eigentlich Wichtigen abhielt.

Das blieb kein Einzelfall, im Laufe der Jahre habe ich diesen Tenor häufiger gehört. Dabei gab es immer wieder auch Situationen, in denen es bei Vermögensverwaltern mit angeschlossenen Family Offices intern zu Reibereien zwischen den Managern und den Controllern gekommen war. Warum? Die Antwort ist einfach: Die eine Gruppe ist der Meinung, die andere liege ihr auf der Tasche.

Lassen Sie uns also eine einfache Frage stellen: Ist es eine gute Idee, ist es ein tragfähiger Geschäftsansatz, ein unabhängiges Vermögens-Controlling mit unabhängiger Vermögensverwaltung zusammenzubringen? Werden im Vermögens-Controlling tatsächlich hauptsächlich Kosten produziert, die spätestens nach einigen Jahren zu solch starken Spannungen führen, dass die einst mit langfristigem Vertrauen und Versprechen angetretenen Partner sich trennen, und der Kunde sich entnervt nach einer anderen Adresse seines Vertrauens umsehen muss?

Zur Einordnung: Family Office ist selbstverständlich mehr als nur Vermögens-Controlling. Andere Dienstleistungen im Family Office, wie beispielsweise die strategische Vermögensaufteilung (Asset Allocation) oder die Verwalter-Auswahl (Manager Selection), haben eine engere Verwandtschaft zur Vermögensverwaltung. Andererseits gibt es wohl aus guten Gründen kaum Family-Office-Angebote ohne Vermögens-Controlling.

Kleine bleiben auf der Strecke


Für einen Vermögensverwalter kann es grundsätzlich attraktiv sein, in die von vielen als höherwertig empfundenen Family-Office-Dienste einzusteigen. Sei es, um die eigene Unabhängigkeit zu unterstreichen oder um großvolumigen, attraktiven Kunden ein breiteres Angebot machen zu können.

Nun gibt es aus der Sicht der Geschäftssteuerung einen einfachen, aber relevanten Unterschied zwischen Vermögensverwaltung und Vermögens-Controlling:

  1. Die Ertragskraft von Anlagen im Vermögens-Controlling ist günstigstenfalls ein Fünftel so hoch wie von Anlagen in der Vermögensverwaltung.

  2. Die Kosten für Vermögens-Controlling sind aber wesentlich höher als ein Fünftel der Vermögensverwaltungskosten.
Deswegen muss das Geschäftsfeld Vermögens-Controlling geschäftlich auch ganz anders gesteuert werden als das Geschäftsfeld Vermögensverwaltung. Das Controlling-Geschäft benötigt ganz andere Größenordnungen. Selbst große deutsche Vermögensverwalter waren in den vergangenen Jahren nicht groß genug, um Vermögens-Controlling für sich attraktiv zu machen. Nur bei den größten ist die Basis für ein nachhaltig produzierbares Angebot gegeben. Das ist die klare und unmissverständliche Botschaft, die Anbieter im eigenen Interesse nicht verklären sollten.

Wer dennoch Family-Office-Dienstleistungen als Geschäftsergänzung anbieten möchte, vielleicht auf Wunsch seines Kunden sogar muss, sollte sich ganz genau anschauen, wie genau er das produzieren will. Was wird selbst gemacht, und was kann eingekauft werden?

Außerdem: Bei welcher Adresse soll das Vermögen-Controlling eingekauft werden? Wer hat eine moderne und leistungsfähige IT und die Kraft, um zu investieren – jetzt, aber vor allem auch in der Zukunft? Diese Frage ist wichtig, damit einem das eigentliche Problem – trotz Auslagerung – nicht doch wieder auf die Füße fällt.

Eine Bitte habe ich zum Schluss: Lassen Sie sich nicht einreden, viel Reporting schaffe auch viel Wert. Das gilt für fast alle Kunden nämlich sicher nicht. Tatsächlich gilt ansonsten mit guter Wahrscheinlichkeit recht schnell: außer Spesen nichts gewesen.