Ein Krisenszenario würde die deutsche Vermögensverwaltungsbranche hart treffen. Sollten die Umsätze um 33 Prozent einbrechen, würden 98 Prozent der unabhängigen Vermögensverwalter rote Zahlen schreiben. Das ist das Ergebnis der elften Branchenstudie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft App Audit.
Die Analyse von mehr als 50 Vermögensverwaltern zeigt: Die Branche ist verwundbarer geworden. Bereits bei einem moderateren Umsatzrückgang von 20 Prozent würden 15 Unternehmen in die Verlustzone rutschen. „Die hohe Abhängigkeit von stabilen Provisionserträgen macht die Branche anfällig für Marktrückgänge“, warnen die Studienautoren.
Ertragslage verschlechtert sich
Die aktuellen Zahlen stimmen ebenfalls nachdenklich. Die Cost-Income-Ratio der untersuchten Vermögensverwalter stieg von 75 auf 79 Prozent. Das bedeutet: Vier von fünf Euro Umsatz fließen in die Kosten. Der durchschnittliche Jahresüberschuss halbierte sich auf 455.000 Euro. 13 Unternehmen schrieben bereits 2023 Verluste.
Es gibt große Effizienzunterschiede in der Branche. Das Provisionsergebnis je Mitarbeiter schwankt zwischen 130.000 und über eine Million Euro. Der Durchschnitt liegt bei 325.000 Euro pro Kopf. „Die Bandbreite zeigt unterschiedliche Geschäftsmodelle und Skalierungsmöglichkeiten“, erklären die Studienleiter.
Flossbach von Storch dominiert
Bei den größten Anbietern führt Flossbach von Storch das Feld klar an. Mit 397 Millionen Euro Provisionsergebnis und 309 Mitarbeitern erwirtschaftet das Kölner Unternehmen rund 1,3 Millionen Euro je Mitarbeiter. Die Cost-Income-Ratio liegt bei nur 24 Prozent.
Fisher Investments folgt mit 117 Millionen Euro Umsatz, hat aber eine deutlich schlechtere Kostenstruktur. Die Cost-Income-Ratio erreicht 96 Prozent. DJE Kapital liegt bei 69 Millionen Euro Provisionsergebnis und einer Cost-Income-Ratio von 58 Prozent.
Mehrere Herausforderungen gleichzeitig
Die Vermögensverwalter kämpfen an mehreren Fronten. Regulatorische Anforderungen nehmen zu. Viele Firmengründer müssen Nachfolgelösungen finden. Der Fachkräftemangel verschärft die Situation zusätzlich.
Verschiedene Anbieter haben deshalb die Branchenkonsolidierung als Geschäftsmodell entdeckt. Die Modelle reichen von der Übernahme einzelner Teams bis zur Gründung von Holdinggesellschaften. Mehr als die Hälfte der untersuchten Unternehmen hat bereits eigene Fonds aufgelegt.
Eigenkapital unter Druck
Die Stresstest-Ergebnisse alarmieren auch mit Blick auf die Eigenkapitalausstattung. Bei einem Umsatzrückgang von 20 Prozent würde das Eigenkapital von sechs Instituten negativ. Im Extremszenario mit 33 Prozent Minus wären es zwölf Unternehmen – das entspricht 24 Prozent der untersuchten Firmen.
Gemäß Aufsichtsrecht müssen Wertpapierinstitute Eigenkapital vorhalten, das mindestens 25 Prozent der Gemeinkosten abdeckt. Die Studie warnt jedoch vor einer Überzeichnung der negativen Folgen. Variable Vergütungen und andere Kostensenkungsmaßnahmen könnten die Auswirkungen abfedern.
Die Ergebnisse basieren auf den Jahresabschlüssen 2023 von Mitgliedern des Verbands unabhängiger Vermögensverwalter. Die größten drei Institute – Flossbach von Storch, Fisher Investments und DJE Kapital – wurden separat betrachtet, da sie die typischen Strukturen mittelständischer Vermögensverwalter überschreiten.
Die vollständige Studie können Sie hier abrufen.