Deutsche Vermögensverwalter bauen ihre Portfolios um. Der Aktienboom legt eine Pause ein, zugleich setzen Vermögensverwalter mehr auf Anleihen. Auch innerhalb der Aktienportfolios verschieben sie die Gewichte: Statt den KI-Trend pauschal weiter hochzufahren, setzen Anlageprofis eher auf ausgewählte Technologietitel und wieder stärker auf deutsche und europäische Standardwerte.
Das zeigt der neue Trendmonitor Vermögensverwaltung 2026 vom Institut für Vermögensaufbau (IVA) und dem Wealthtech-Unternehmen Qplix. Die Analyse basiert auf knapp 56.000 Kundenportfolios von 121 unabhängigen Vermögensverwaltern und zählt zu den größten Auswertungen von Portfoliostrukturen im deutschsprachigen Raum. Der Median des Depotvolumens lag 2025 bei rund 178.000 Euro, der Durchschnitt bei 546.000 Euro. Rund 10,9 Prozent der untersuchten Portfolios wiesen ein Volumen von mehr als einer Million Euro auf.
Aktienboom pausiert, Anleihen feiern Renaissance
Im Vergleich zum Vorjahr markiert die Entwicklung bei den großen Anlageklassen eine Trendwende. Im Jahr 2024 hatte der Aktienanteil mit 62,8 Prozent noch einen Höchststand erreicht, während der Rentenanteil bei 21,2 Prozent lag. 2025 sank die Aktienquote auf 59,7 Prozent, während Anleihen auf 23,2 Prozent zulegten. Zusammen mit einer Liquiditätsquote von 11,6 Prozent machen Renten und Cash wieder mehr als ein Drittel eines durchschnittlichen Portfolios aus, so die Studienmacher.
„Vermögensverwalter haben Aktien zwar nicht grundsätzlich infrage gestellt, aber sie haben die starke Gewichtung der Vorjahre nicht einfach fortgesetzt. Für 2026 bleibt daher weniger die Frage entscheidend, ob Aktien oder Anleihen gewinnen, sondern wie flexibel Portfolios zwischen Renditechancen, laufenden Erträgen und Liquidität austariert werden“, sagt Qplix-CEO Kai Linde.
Grafik 1: Allokation Vermögensverwalter
USA verlieren an Gewicht, Deutschland feiert sein Comeback
Auch innerhalb der Aktienallokation kam es 2025 zu deutlichen Verschiebungen. Der Anteil US-amerikanischer Titel in den Einzelaktiendepots sank temporär von 41,2 auf 35,5 Prozent. Gleichzeitig legten deutsche Einzelaktien um 3,3 Prozentpunkte zu. In den Ranglisten der beliebtesten Einzeltitel rückten mehrere Dax-Konzerne nach vorn, insgesamt stammen 14 der 20 beliebtesten Einzelunternehmen aus Europa.
Damit dreht sich ein Trend des Vorjahres zumindest zeitweise um, denn 2024 hatten US-Aktien und US-Dollar-Anlagen noch deutlich dominiert. „Gerade nach Jahren wachsender US-Dominanz wird regionale Diversifikation wieder stärker verhandelt. Ob das ein dauerhafter Strukturbruch ist, lässt sich aus den Daten nicht ableiten. Klar ist aber: Der Heimatmarkt lieferte 2025 wieder deutlich bessere Argumente für die Portfoliokonstruktion“, meint Linde.
Technologie bleibt führend, doch der KI-Hype wird selektiver
Die Technologiebranche baut ihre Spitzenposition weiter aus und erreicht 2025 einen Anteil von 20,4 Prozent im durchschnittlichen Aktienportfolio, nach 19,9 Prozent im Jahr 2024. Gleichzeitig zeigt die Detailanalyse, dass der KI-Boom im Wandel ist. Nachdem KI- und Big-Data-Investments Mitte 2024 ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht hatten, fiel ihre Allokation im ersten Quartal 2025 zunächst auf 16 Prozent zurück. Bis Herbst erholte sich der Anteil wieder auf 17,6 Prozent.