Mit dem Abschied von Thomas Müller vom FC Bayern München verlässt einer der beliebtesten Fußballer Deutschlands die Bundesliga. Sportlich hat er fast alles erreicht: Fußball-Weltmeister, Champions-League-Sieger, zahlreiche Titel als deutscher Meister und Pokalsieger. Auch finanziell gehörte Müller mit einem Jahresgehalt von 15 Millionen Euro zu den Topverdienern in der Bundesliga.
Nun lässt er seine Karriere in Kanada ausklingen und beginnt bereits seine zweite Laufbahn. Er beteiligt sich als Investor beim österreichischen Start-up Poptop, das nachhaltige Kindermöbel herstellt. Ein Markt mit Potenzial.
Müller ist in guter Gesellschaft. Philipp Lahm und der noch aktive Fußballprofi Mario Götze stehen für eine neue Generation von Spitzensportlern, die nach der Karriere unternehmerisch arbeiten. „Mario Götze hat frühzeitig die Herausforderungen der relativ kurzen aktiven Laufbahn erkannt und sein Vermögen entsprechend ausgerichtet“, sagt Helmut Quast, der als Managing Partner beim Family Office HQ Trust den Profifußballer berät. Götze hat eine klare Vorstellung davon, was er nach seiner aktiven Zeit als Profisportler machen möchte, und arbeitet konsequent darauf hin.
Frühzeitige Vermögensplanung
Sich so früh wie möglich mit dem Vermögensaufbau zu beschäftigen, ist für Spitzensportler unerlässlich. Schließlich ist die aktive Karrierephase kurz. In dieser Zeit werden hohe, aber zeitlich begrenzte Einkünfte erzielt. „Wir setzen genau hier an, um bereits während der aktiven Laufbahn ein tragfähiges Fundament für die Zeit nach der Karriere aufzubauen“, sagt Mathias Jauch, Mitgründer und CEO von Finvia Sports. Das Unternehmen hat sich auf Sportler spezialisiert.
Dabei ist Finvia Sports kein Vermögensverwalter im klassischen Sinn, sondern versteht sich als unabhängiges Multi Family Office. Das Haus wählt für die Mandanten produkt- und institutsunabhängig die besten Vermögensverwalter aus und entwickelt eine Vermögensstruktur, abgestimmt auf Karriereverlauf, Einkommensdynamik, steuerliche Rahmenbedingungen und persönliche Ziele.
Im Gegensatz zu anderen Topverdienern erzielen Spitzensportler bereits im jungen Alter sehr hohe Einkünfte in einem kurzen Zeitraum. „Es ist daher dringend erforderlich, die Überschüsse für die Zukunft anzulegen, um Vorsorge für die sportlich passive Phase zu betreiben“, sagt Maximilian Kleyboldt, Certified Financial Planner und seit 2014 als Senior Wealth Planner bei der Bethmann Bank tätig.
Hier helfen insbesondere die individuelle Finanzplanung und eine Separierung liquider Vermögenswerte. Kleyboldt rät, die monatlichen Bezüge direkt auf das Konto eines professionellen Vermögensverwalters überweisen zu lassen. Von dort wird der monatliche Liquiditätsbedarf entsprechend einem festen Budget auf das laufende Konto bei einer örtlichen Bank überwiesen. Der Rest wird angelegt.
In welche Anlagen erfolgreiche Profisportler investieren sollen, lässt sich pauschal nicht sagen. „Entscheidend sind die individuelle Lebenssituation, der Zeithorizont und die persönlichen Ziele“, sagt Alexander Felber, der als Managing Partner beim Salzburger Smart Family Office Sports Spitzensportler betreut. Grundsätzlich setzt er bei seinen Kunden auf einen ausgewogenen Mix aus liquiden und illiquiden Anlageklassen, der Stabilität, Flexibilität und Wachstum ermöglicht.
Risiken absichern
Erfolgreiche Sportler kommen in jungen Jahren zu Erfolg, Ruhm und Geld. Umso wichtiger ist ein seriöser Berater, der sie begleitet. Am Anfang jeder Beratung sollte immer eine gründliche Bestandsaufnahme stehen. „Einnahmequellen, laufende Ausgaben, die Laufzeit von Werbeverträgen und die finanzielle Absicherung gehören zu dieser Analyse“, sagt Ralph Früh, Vorsitzender der Geschäftsführung der Liechtensteiner Vermögensverwaltung Früh & Partner.
Das gilt umso mehr, als eine Sportlerkarriere mit erheblichen Unsicherheiten verbunden ist. „Eine Karriere als Fußballprofi kann schon beim nächsten Foul vorbei sein. Darum ist es wichtig, finanzielle Rücklagen zu bilden und sich auch gegen die Folgen einer Spielunfähigkeit abzusichern“, sagt Ulf Baranowsky, Geschäftsführer der Spielergewerkschaft VDV.
Wie Sportler ihren finanziellen Erfolg während ihrer aktiven Zeit auch nach der Sportkarriere fortführen können, dafür gibt es Erfolgsbeispiele. Allen voran Cristiano Ronaldo, der mit einem Jahreseinkommen von 275 Millionen Euro der bestbezahlte Sportler der Welt ist.
Mit seinen 39 Jahren gilt er auch im hohen Fußballeralter als Musterprofi. Und er ist Fachmann in Sachen Selbstmarketing. Er betreibt eine eigene Modelinie und Parfümreihe unter dem weltweit bekannten Kürzel CR7. Auch nach dem Ende seiner Karriere wird er von seinem internationalen Ruf mit seinen Unternehmen profitieren.
Ähnliches gilt für Philipp Lahm, den ehemaligen Kapitän der deutschen Fußballnationalmannschaft. Er arbeitet heute als Investor und Unternehmer. Eines seiner Projekte: der bekannten Marke Schneekoppe aus der Krise zu helfen. Eine Marke, bei der die Bekanntheitswerte und Geschäftszahlen auseinanderklaffen. Das Unternehmen profitiert vom Ruf Lahms, der für Persönlichkeit, Bescheidenheit, langfristiges Denken und soziale Verantwortung steht.
Eines der Erfolgsgeheimnisse von Philipp Lahm: Er wird von erfahrenen und seriösen Beratern unterstützt – darunter auch renommierte Münchener Privatbanken. Mit Spannung bleibt abzuwarten, wie Thomas Müller, der im deutschen Fußball ebenfalls als Sympathieträger gilt, der Sprung ins Berufsleben nach dem Sport gelingt.
Topsportler scheitern oft finanziell
Sportliche Höchstleistungen bedeuten nicht automatisch, finanziell ausgesorgt zu haben. Das zeigt Boris Becker, der in seiner aktiven Zeit angeblich mehr als 100 Millionen Euro verdient haben soll. Teure Scheidungen, Fehlinvestments und ein luxuriöser Lebensstil nach dem Ende der Sportkarriere, der durch Einnahmen nicht mehr gedeckt war, führten ihn ins finanzielle Chaos. Becker wurde wegen Insolvenzverschleppung zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt.
Becker hatte, wie er selbst in Interviews einräumte, den Überblick über sein Vermögen verloren. Kein Einzelfall: Jeder vierte Fußballprofi steht nach dem Ende der Karriere mit leeren Händen da. Das ist kein Zufall, sagt Felber: „Ein zentraler Fehler ist das Fehlen einer übergeordneten Strategie. Viele Athleten investieren impulsiv – in Autos, Immobilien oder Beteiligungen –, ohne langfristigen Plan und ohne klare Zielsetzung.“
Ein weiterer häufiger Stolperstein ist das starke Vertrauen ins persönliche Umfeld – Freunde, Familie, Bekannte –, das jedoch oft nicht über die Kompetenz verfügt. Nicht selten werden private und geschäftliche Beziehungen vermischt. „Wer gut gemeinte Ratschläge ungeprüft übernimmt, läuft Gefahr, Fehlinvestitionen zu tätigen oder sich langfristig zu binden, ohne die Konsequenzen zu überblicken“, sagt Felber. Viele Fußballvereine bieten zwar lukrative Verträge, lassen die Spieler in finanziellen Fragen jedoch allein. Ihr Argument: Sie seien für dieses Thema nicht zuständig.
Viele junge Athleten sind medial stark präsent, verdienen früh viel Geld und stehen unter hohem Erwartungsdruck – von außen sowie innen. Lifestyle, Selbstdarstellung, schnelle Erfolge und kurzfristige Anerkennung beeinflussen Entscheidungen stärker als nachhaltige Vermögensziele. „In diesem Spannungsfeld braucht es unabhängige, erfahrene Begleitung – mit einem klaren Blick für das Wesentliche“, sagt Felber.
Umso wichtiger sind seriöse Berater, die junge Sportler frühzeitig begleiten. Schließlich haben nur wenige Erfahrung im Umgang mit Geld und gelangen bereits in jungen Jahren zu großem Reichtum. Wie wichtig Beratung ist, zeigt sich auch am Beispiel von Ex-Nationaltorwart Eike Immel, der durch ein misslungenes Bauherrenmodell einen Teil seines Vermögens verlor. Im Umfeld von Profisportlern sind bis heute Berater aktiv, die am wirtschaftlichen Erfolg junger Talente mitverdienen wollen – oft nicht zu deren Vorteil.
Auch der Blick in die Zukunft fehlt häufig: „Aus unseren Erfahrungen und eigenen Erhebungen wissen wir, dass es für viele ehemalige Profis leider nicht leicht ist, einen Weg in die nachfußballerische Berufslaufbahn zu finden“, sagt Baranowsky. Daher empfiehlt die Spielergewerkschaft, sich frühzeitig auf die Karriere nach der Karriere vorzubereiten. Dies sei insbesondere durch Fernstudiengänge parallel zur aktiven Laufbahn möglich. Auf der folgenden Seite finden Sie eine Übersicht der bestbezahlten Sportler 2025.
