Verkannt und vernachlässigt Die Erfolgsmerkmale von Small Caps

Christoph Benner (r.) und Benedikt Kirsch | © Chom Capital

Christoph Benner (r.) und Benedikt Kirsch Foto: Chom Capital

Das Jahr 2018 und die vergangenen Wochen bieten rückblickend für Aktieninvestoren und insbesondere für Small-Cap-Enthusiasten keinen Grund zur Freude. Wir haben mit diesem Beitrag in der aktuell krisengeprägten Marktsituation bewusst eine langfristige Sicht eingenommen. Blenden wir für einen Moment die rot und grün tickernden Real-Time-Kurse der Aktien aus, so haben wir langfristig operierende Geschäftsmodelle, die strategisch über Jahre oder auch Jahrzehnte aufgestellt sind. Eigenkapital-Investitionen in diese Unternehmen sollte man entsprechend durch eine Analyse des langfristigen Wertpotenzials des Geschäftsmodells beurteilen. Gerade bei Small Caps haben die Faktoren Zeit und Liquidität eine im Vergleich zu Large Caps herausgehobene Bedeutung. Sie sind langfristig gesehen weniger riskant als Unternehmen mit einer großen Marktkapitalisierung und haben ein höheres Renditepotenzial. Was dies bedeutet und wie man als Investor sinnvoll damit umgehen kann, wollen wir im Folgenden untersuchen.

Zuallererst grenzen wir das Marktsegment Small Caps in Europa ab: Hierzu haben wir das europäische Aktienuniversum nach Marktkapitalisierung unterteilt. Die Grafik zeigt, dass etwa 75 Prozent der investierbaren Unternehmen – abgesehen von Micro Caps, die aufgrund von  Liquiditätsmindestanforderungen  ausscheiden – zum Small-Cap-Bereich gehören. Hier bietet sich im Vergleich zu anderen Marktsegmenten eine wesentlich breitere Auswahl an Aktientiteln und Geschäftsmodellen.

 Quelle: Bloomberg, Chom Capital, Stand: 30.11.2018

Relevant für eine Investitionsentscheidung in Small Caps sind das Wertpotenzial und die Qualität der einzelnen Unternehmen. Um Letztere zu untermauern, haben wir auf die Erfolgsmerkmale von Nebenwerten geschaut. Während große Konzerne meistens in verschiedensten Geschäftsfeldern aktiv sind, konzentrieren sich Small-Cap-Unternehmen auf wenige attraktive Geschäftsbereiche. Durch diese schlanke Aufstellung sind sie tendenziell flexibler und haben kürzere Entscheidungs- und Durchführungswege. Zudem können die Unternehmen deutlich besser eine Innovationskultur leben, die das Geschäftsmodell nach vorne bringt. Nicht umsonst gelten kleine Unternehmen und der Mittelstand als Garanten der europäischen Wirtschafts- und Innovationskraft.

An den Kapitalmärkten ist das Small-Cap-Segment geprägt von einem relativ niedrigen Grad der Analysten-Coverage.

 Quelle: Bloomberg, Chom Capital, Stand: 30.11.2018

Aufgrund fehlender Aufmerksamkeit durch Marktanalysten haben solche vernachlässigten Unternehmen überdurchschnittliches Potenzial im Vergleich zu ihren besser durchleuchteten Vergleichsgruppen. Man spricht in diesem Zuge vom Neglected Firm Effect.

Deshalb werden Ineffizienzen weniger gesehen und nicht voll ausgenutzt. Das eine Jahr seit Einführung der Mifid-II-Regulierung lässt jetzt schon erkennen, dass die Research-Tiefe weiter abnehmen wird und damit noch höhere Potenziale für kundige Investoren entstehen. Während geringere Finanzkommunikation oft als reines Risiko wahrgenommen wird, können Anleger und Fondsmanager mit dem richtigen fundamentalen Ansatz aus Strategie- und Finanzanalyse, Bewertung sowie einem engen Managementkontakt viel Potenzial abschürfen.