Vergütung für Aktienanalysen DVFA sieht Änderungsbedarf bei Mifid II

Handelssaal der Frankfurter Wertpapierbörse: Die Einführung der EU-Finanzarktrichtlinie Mifid II hat dazu geführt, dass Analysten kleine und mittelgroße Unternehmen kaum noch beurteilen.  | © imago images / Stefan Trappe

Handelssaal der Frankfurter Wertpapierbörse: Die Einführung der EU-Finanzarktrichtlinie Mifid II hat dazu geführt, dass Analysten kleine und mittelgroße Unternehmen kaum noch beurteilen. Foto: imago images / Stefan Trappe

Die Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) fordert ein Umdenken bei der Preisgestaltung von Unternehmensanalysen für Investoren. Vor dem Hintergrund der seit 2018 geltenden EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II macht sich der Analystenverband mit Sitz in Frankfurt am Main für eine Wiedereinführung des sogenannten Bundlings für kleine und mittelgroße Unternehmen stark stark. Das heißt, die Vergütung von Research über börsennotierte Unternehmen sollte wieder – wie vor der Mifid-II-Reform – über Wertpapierkommissionen, die sogenannten Sales Commissions, erfolgen.

Die DVFA geht davon aus, dass Finanzunternehmen dann wieder mehr Analysen für kleine und mittelgroße Unternehmen erstellen würden. Denn daran mangelt es seit der Mifid-II-Reform.

Die Bepreisung von Research durch Mifid II hat nach Angaben der DVFA dazu geführt, dass die Erstellung von Research über kleine und mittelgroße Unternehmen (KMU) deutlich zurückgegangen ist. Davon betroffen seien Unternehmen mit einem Börsenwert von bis zu etwa einer Milliarde Euro beziehungsweise mit einem Streubesitz von bis zu zirka 500 Millionen Euro, teilweise auch noch darüber, so die DVFA.

Stattdessen konzentrierten sich die Research-Abdeckung noch stärker auf die ohnehin vielseitig analysierten Großunternehmen. Aufgrund der nachlassenden Transparenz durch weniger KMU-Research werden Investments in diese weiter erschwert. Vor diesem Hintergrund votiert der DVFA für die Wiedereinführung des Bundlings für KMU. 

Nach Angaben des Analystenverbandes steigern institutionelle Asset Manager kontinuierlich ihre Minimum-Ticketgrößen. Das liege an der zunehmenden Regulierung in Verbindung mit den damit verbundenen erhöhten Kosten. Deshalb investierten die Anleger mehr und mehr in Unternehmen mit hoher Marktkapitalisierung und -liquidität. Auch der verstärkte Trend hin zu passiven Investments über ETFs, die beinahe ausschließlich die großen Indices abbildeten, führe zu weniger Investments in KMU.

Zusätzlich senke der durch Mifid II verursachte Rückgang von KMU-Research die Attraktivität des Segments für institutionelle Investoren. Aufgrund dieser strukturellen Defizite werde es deshalb für KMU Unternehmen zunehmend schwerer, im Wettbewerb um Kapital zu bestehen, argumentiert die DVFA.