Vergessene Nebenwerte „Die geringe Korrelation liegt in den Geschäftsmodellen“

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Der Grund für die geringere Korrelation zum Gesamtmarkt liegt in den Geschäftsmodellen, die relativ unabhängig von makroökonomischen Ereignissen verlaufen. Der Einfluss des Managements und des Geschäftsmodells an sich hat deutlich mehr Einfluss auf die Kursentwicklung als dies bei einem der Blue-Chip-Unternehmen der Fall ist.

So ergibt eine Regressions-Analyse über einen Konjunkturverlauf hinweg, dass Faktoren wie Ölpreis, Renditen und Rohstoffpreise nur einen 30-prozentigen Erklärungsgehalt für den Kursverlauf eines Nebenwertes liefern, bei Blue Chips werden hingegen 70 Prozent des Kursverlaufs von Makrofaktoren beeinflusst.

Einflussfaktoren auf die Kursentwicklung von Small und Large Caps

Oft sind Nebenwerte in einem frühen Wachstumszyklus, erobern gerade erst neue Märkte oder bieten Produkte in einem frühen Produktlebenszyklus an. Einige Industrien mit hoher Innovationskraft findet man nur im Small- und Mid-Cap-Segment, denkt man an innovative Internet-Firmen, erneuerbare Energien, Software-Anbieter, aber auch vermeintlich langweilige Service- und Dienstleistungsunternehmen aus der Infrastruktur-, Industrie-, oder Öl & Gas-Branche. Damit sorgen Nebenwerte als Teil der Aktienquote für die nötige Diversifikation. Eine Eigenschaft, die insbesondere Dachfondsmanager oder institutionelle Anleger wie beispielsweise Pensionsfonds schätzen.

Nebenwertefonds richtig verwalten

Die Frage des Liquiditätsrisikos stellt sich bei jedem Investment in Nebenwerte. Die richtige Auswahl des Managers oder vielmehr der Investmentphilosophie ist entscheidend. Oftmals gehen mit Nebenwertefonds sogenannte Conviction Ideas einher. Große Positionen in einzelnen Titeln werden vom Fondsmanager eingegangen oder die Fondsgesellschaft bläht das Fondsvolumen derart auf, dass aus dem ehemals renditestarken Small-Cap-Fonds eine eher lahme Krücke aus Blue Chips und Cash erwächst. Dann sind Investments in noch junge, solide und wachstumsstarke Unternehmen, sogenannte Early Birds gar nicht mehr möglich. Oder wenn, dann nur mit erheblicher Kursbeeinflussung. Bei Liquiditätsabflüssen von Fonds ein enormes Risiko.

Ein frühzeitiges Fonds-Closing wäre eine gute Lösung. Die Realität zeigt jedoch, dass viele Manager zu Lasten der Performance zu lange abwarten, während im Fonds bereits Blue Chips und hohe Cash-Quoten eingezogen sind.  Ein strukturierter Ansatz bei der Gewichtung von Einzeltiteln und ein regelmäßiges Rebalancing mindert dieses Risiko zusätzlich.

Nebenwerten bieten weitere Vorteile. Sie sind aufgrund Ihrer Nischenposition oft mit einem Innovationsvorsprung ausgestattet. Der wirtschaftliche Burggraben, im Englischen der „economic moat“, ist stärker ausgeprägt. Die Konkurrenz bleibt auf Abstand. Im Ergebnis sind Margen und Kapitalrenditen dauerhaft höher.

Unterschiede bei der Qualität des Managements gibt es auch: 80 Prozent aller familiengeführten Unternehmen finden sich bei Nebenwerten. Deshalb wird bei diesen das Geld beispielsweise nicht so leicht aus dem Fenster geworfen. Kostenkontrolle und organisches Wachstum statt überteuerte Akquisitionen lautet meist die Devise. Bei vielen nicht-familiengeführten Firmen verschwinden Vorstände mit einem goldenen Handschlag – so schnell wie sie gekommen sind. Aufsichtsräte unterzeichnen die absurdesten Vorstandsverträge, während die Vorstände keine Haftung übernehmen. Es steht das eigene Vermögen nicht auf dem Spiel, es fehlt „Skin in the Game“.