Verdacht auf hundertfache Steuerhinterziehung Razzia bei der Commerzbank

Die Commerzbank im Fokus der Steuerfahndung

Die Commerzbank im Fokus der Steuerfahndung

Frankfurter Zentrale der Commerzbank, weitere Dutzende Büros und Privathäuser in einer bundesweiten Aktion durchsucht. Hunderte von Anleger, Banker und Finanzberater stehen im Verdacht, systematisch Steuern über Briefkastenfirmen im Ausland hinterzogen oder dabei geholfen haben. Dabei ging es um eine mögliche Verschleierung von in Luxemburg erzielten Kapitalerträgen.

Via Luxemburg und Panama

Über eine Luxemburger Tochtergesellschaft soll die Commerzbank, wie auch weitere Anlageberater, deutschen Kunden Briefkastenfirmen in Panama und anderen Steueroasen vermittelt haben, um Steuern zu hinterziehen.

Im Mittelpunkt steht dabei die Mossack Fonseca Group, eine Großkanzlei mit Sitz in Panama, die sich auf Offshore-Firmen spezialisiert hat. Deutsche Anleger sollen über die Luxemburger Commerzbank-Tochter dort Briefkastenfirmen gekauft haben, mit denen zur Steuerverschleierung in Europa Bankkonten eröffnet wurden. Die Steuerfahnder nehmen an, dass die Commerzbank-Zentrale über die Vorgänge Bescheid wusste.

Für die Ermittlungen soll die Wuppertaler Steuerfahndung vor einigen Monaten für knapp eine Million Euro eine Kundenliste gekauft, wie die die „Tagesschau“ berichtet. Dies soll offenbar aber nur ein Teil der Daten sein, nämlich der, der deutsche Kunden betrifft. Insgesamt liegen NDR, WDR und der Süddeutscher Zeitung 80 Gigabyte Kundendaten der Mossack Fonseca Group vor. Demnach könnte das Datenleck mehrere Tausend Kunden aus rund 100 Ländern betreffen.

Laut Angaben der Commerzbank bezieht sich die Fahndung auf Altfälle, die zehn Jahre und länger zurückliegen. Diese würden auch unternehmensintern aufgearbeitet. Ziel sei es, den Steuerstatus sämtlicher Commerzbank-Kunden in Luxemburg zu klären.

Nach Informationen des NDR haben die deutschen Steuerfahnder bereits vor Monaten in Luxemburg um Rechtshilfe gebeten. Dies wurde allerdings abgelehnt. Der aktuellen Razzia sollen weitere folgen.