Michael Leinwand von der VBL „In Sachen ESG gehen wir lieber gründlich als zu schnell vor“

Michael Leinwand verantwortet die Kapitalanlage der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL)

Michael Leinwand verantwortet die Kapitalanlage der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL): ,,Meiner Einschätzung nach ist es für den Erfolg des langfristigen Investierens wichtig, den Anlageprozess in drei Schritte aufzuteilen." Foto: Markus Kirchgessner

leitwolf: Herr Dr. Leinwand, Sie sind seit gut einem Jahr im Amt und haben sich in den ersten Monaten vor allem um die personelle und organisatorische Neuausrichtung des Kapitalanlagebereichs gekümmert. Was haben Sie verändert?

Leinwand: In meinem ersten Jahr lag der Fokus in der Tat auf Neueinstellungen und Reorganisation. Wir haben neun Stellen neu besetzt – kein leichtes Unterfangen in Corona-Zeiten, dennoch konnten wir hoch qualifizierte Mitarbeiter für uns gewinnen. Hauptmotivator war das unglaublich spannende Gestaltungsfeld und die Möglichkeit, bei der grundlegenden Neuausrichtung der VBL eine tragende Rolle zu übernehmen. Nun sind wir knapp 20 Mitarbeiter in der Kapitalanlage, dazu kommen noch 40 Mitarbeiter, die sich um den Immobilienbestand kümmern. 

leitwolf: Inwiefern haben Sie auch die Anlagestrategie der VBL angepasst?

Leinwand: Die Neuausrichtung ist auch hier noch in vollem Gange. Derzeit sind von den 60 Milliarden Euro in der Kapitalanlage 25 Prozent in Aktien investiert, 14 Prozent in Immobilien, 18 Prozent in Staats- und 13 Prozent in Unternehmensanleihen, der Rest in Alternatives wie beispielsweise CLO und in Geldmarktprodukten. Private Equity und Private Debt gehören noch nicht dazu. Diesen Bereich bauen wir auf, er soll ein großer Baustein werden. Wir gehen also definitiv in Richtung illiquiderer Anlagen.

leitwolf: Haben Sie ein konkretes Renditeziel?

Leinwand: Wir haben zwar ein Renditeziel, dabei handelt es sich aber eher um ein endogenes Ziel. Es ergibt sich durch unsere Strategische Asset Allocation (SAA) und die Risikoprämien, die wir jeder Anlageklasse zuweisen. Meiner Einschätzung nach ist es für den Erfolg des langfristigen Investierens wichtig, den Anlageprozess in drei Schritte aufzuteilen. Im ersten Schritt geht es um die Definition der Anlagepolitik. Bei uns ergibt sie sich aus den Verbindlichkeiten, aber auch den Liquiditätsgegebenheiten und der Risikotragfähigkeit. Von daher messe ich einem klaren Asset-Liability-Management-Prozess große Bedeutung bei.

 

Vor dem Eingang der VBL in Karlsruhe
Vor dem Eingang der VBL in Karlsruhe: Michael Leinwand (Mitte) mit Ralf Lochmüller (rechts), geschäftsführendes Vorstandsmitglied (CEO) und Gründungsmitglied von Lupus alpha und Benjamin Wendel, Senior Relationship Manager bei Lupus alpha.

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Im zweiten Schritt entwickeln wir die SAA, also die Zusammensetzung der insgesamt sieben bis acht generischen Assetklassen. Mit jeder Anlageklasse verbinden wir eine bestimmte Risikoprämie, die sich aus unseren Erwartungen für die nächsten zehn Jahre ableitet.