Value-Aktien Verlockende Bewertungsabschläge in Europa und Japan

Pendler in Tokio: Japanische Unternehmensgewinne sind auf den höchsten Stand seit mehreren Jahrzehnten gestiegen. | © Getty Images

Pendler in Tokio: Japanische Unternehmensgewinne sind auf den höchsten Stand seit mehreren Jahrzehnten gestiegen. Foto: Getty Images

Für Value-Anleger waren die vergangenen zehn Jahre alles andere als einfach. Die value-orientierte Templeton Global Equity Group sieht dennoch Chancen insbesondere in Europa und Japan. Hier hat das Team  mehrere in Ungnade gefallene Sektoren identifiziert, bei denen die Bewertungen angemessen und die Aussichten gut erscheinen.

Von der während des 1. Quartals verzeichneten Rally haben vor allem wachstumsstarke Sektoren wie Technologie sowie Medien und Unterhaltung profitiert, was teilweise die Stärke der technologielastigen Märkte in den USA und China erklärt. Traditionell defensive, generell als wachstumsarm geltende Sektoren wie nichtzyklische Konsumgüter, Telekommunikation und Gesundheit hingegen entwickelten sich am schwächsten. Gleiches galt für Banken, die durch eine Kombination aus geringem Wachstum und niedrigeren Erträgen in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Wachstumstitel entwickeln sich in der Regel überdurchschnittlich, wenn die wirtschaftlichen Bedingungen schwach sind und finanzielle Repression herrscht, da Unternehmen, die organisches Wachstum erzielen können, in einem von geringem Wachstum geprägten Umfeld zu einem Aufschlag gehandelt werden.

Doch während des 1. Quartals war eine Invertierung von Teilen der Zinsstrukturkurve für US-Staatsanleihen zu beobachten: Die Rendite auf langfristige Instrumente lag unter der entsprechenden Titel mit kürzerer Laufzeit. Eine Invertierung der Zinsstrukturkurve wird häufig als Vorläufer einer Rezession gewertet. Anleger wurden also gleich doppelt getroffen, angesichts von Sorgen vor rückläufigem Wachstum gepaart mit finanzieller Repression.

Europa und das Brexit-Drama

Die Wirtschaft der Eurozone hat in der zweiten Hälfte des Vorjahres einen Dämpfer erhalten, als der Handelskonflikt zwischen den USA und China begann, sich auf den Kontinent auszuwirken; insbesondere auf exportorientierte Unternehmen.

In Frankreich haben derweil die zivilen Unruhen der „Gelbwesten“ die Wirtschaftstätigkeit innerhalb der zweitgrößten Volkswirtschaft des Euroraums gedämpft. In Italien setzte die Regierung die Diskussionen mit der EU über die Genehmigung ihres Haushaltsplans fort. All dies hatte eine niedrigere Industrieproduktion und einen Rückgang des Wachstums des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf weniger als 1 Prozent zur Folge.

In Großbritannien ist während des vergangenen Quartals zweifellos sehr viel im Zuge des Brexit-Dramas geschehen. Leider gibt es jedoch kaum etwas, das als Fortschritt bezeichnet werden kann, so dass am Markt weiterhin Verwirrung herrscht. Premierministerin Theresa May hat eine weitere Verlängerung der Frist für den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union (EU) bis Ende Oktober erzielt. Angesichts der Pattsituation im britischen Parlament könnte es durchaus zu einer sogenannten „Volkswahl“ oder möglicherweise sogar zu einem zweiten Referendum kommen.