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Asset-Allokation bei Candriam Wie sich Portfolios vor der US-Wahl positionieren lassen

Anzeigetafel mit dem Ergebnis einer US-Wahlumfrage am Times Square in New York

Anzeigetafel mit dem Ergebnis einer US-Wahlumfrage am Times Square in New York: Ein Szenario, das einen klaren Gesamtsieg der Demokraten oder der Republikaner bei Präsidentschaft und Kongress vorhersagt, scheint inzwischen wenig wahrscheinlich. Bildquelle: Imago Images / ZUMA Press Wire

Nadège Dufossé

Es gibt viele Statistiken über die Entwicklung der Finanzmärkte im Vorfeld der US-Wahlen: Nach der Wahl lässt die Unsicherheit in der Regel nach, und die Verlautbarungen des neuen US-Präsidenten zu geplanten Richtlinien können eine Jahresendrally auslösen.

Das Jahr 2024 ist hier keine Ausnahme. Seit der Nominierung von Kamala Harris als Kandidatin der Demokraten herrscht große Unsicherheit über den Wahlausgang der Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten. In einer zunehmend gespaltenen Gesellschaft sind die US-Wähler aufgefordert, zwischen Programmen mit völlig unterschiedlichen wirtschaftlichen und politischen Folgen zu entscheiden. Sollten wir unsere Portfolios folglich an den Fundamentaldaten orientieren und uns gleichzeitig vor Extremszenarien schützen?

Fed und China haben aktuell mehr Aufmerksamkeit als die US-Wahl

Die Fed-Maßnahmen und die China-Nachrichten sind derzeit ausschlaggebender als die Wahlen. Die Entscheidung der Federal Reserve, den Leitzins im September um 50 Basispunkte zu senken, hat die Hausse bei allen risikobehafteten Anlagen wieder angefacht. Diese erste deutliche Zinssenkung verringert das Risiko einer Rezession in den Vereinigten Staaten und trägt zur Beruhigung der Anleger bei, da die US-Notenbank die Inflation nicht mehr als gefährliches Risiko ansieht und Wachstum und Beschäftigung nun in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen stellt.

Im Gegenzug hat die chinesische Regierung ein umfassendes Konjunkturpaket auf den Weg gebracht, das von einer Rekapitalisierung der sechs wichtigsten Geschäftsbanken sowie von direkten Unterstützungsmaßnahmen für die Immobilien- und Aktienmärkte begleitet wird. Kürzlich setzte die monatliche Sitzung des Politbüros, die sich ausnahmsweise der wirtschaftlichen Notlage widmete, ein deutlich positives Signal für die Anleger. Die nächste EZB-Sitzung am 17. Oktober wird nach den jüngsten enttäuschenden Wirtschaftsdaten aus der Eurozone mit Spannung erwartet.

Proaktive Maßnahmen der Zentralbanken, die einen neuen Zyklus der geldpolitischen Lockerung anstoßen, bieten die Aussicht auf eine zuträglichere Balance von Wachstum und Inflation. Die Geldpolitik hat die Aktienindizes auf neue Höchststände getrieben (der S&P 500 erreichte neue Allzeithochs, während der chinesische Aktienindex im September um über 20 Prozent zulegte und sein Niveau von Anfang 2023 wieder erreichte). Zugleich blieben die langfristigen Zinsen in Europa und den USA sehr stabil, was den Anstieg der Aktienmarktbewertungen begünstigte.

 

China- und Schwellenländer-Aktien höher gewichtet

Natürlich sind nicht alle Risiken verschwunden. Der US-Wahlkampf wird sich in den kommenden Wochen intensivieren, und die chinesischen Konjunkturmaßnahmen werden die strukturellen Probleme nicht lösen. Dessen ungeachtet haben wir in unseren Portfolios mit ausgewogenem Risiko-Rendite-Profil vorübergehend unser Engagement in chinesischen und Schwellenländer-Aktien erhöht. Wir sind derzeit in Aktien übergewichtet, halten aber an einer Long-Duration bei europäischen Fixed-Income-Anlagen fest: Vorerst haben wir entschieden, uns an den sich verbessernden Fundamentaldaten zu orientieren – wir sehen sie als einen guten Puffer für die wirtschaftlichen und politischen Auswirkungen des Ergebnisses der US-Wahlen an.

Die verschiedenen Szenarien, die für die Zeit nach den US-Wahlen in Betracht gezogen werden, hängen sowohl von der Farbe der siegreichen Partei als auch von der Zusammensetzung des Kongresses ab. Die extremsten Szenarien, die einen Gesamtsieg der Demokraten oder der Republikaner bei Präsidentschaft und Kongress („sweep“) vorhersagen, scheinen nun weniger wahrscheinlich. Es besteht stattdessen die Aussicht auf eine geteilte Regierung, bei der mindestens eine der Kammern von der anderen Partei kontrolliert wird. Hintergrund sind die wichtigsten Themen im US-Wahlkampf, die sich um die Einwanderungspolitik, Zölle, Steuerpolitik und Regulierung (Umwelt, KI usw.) drehen – alles Themen, welche die Demokraten und Republikaner spalten.

Sieg der Republikaner: Ein vergleichsweise disruptives Szenario

Ein republikanischer Wahlsieg mit Präsidentschaft und Kongressmehrheit (Sweep) wäre das besorgniserregendste Szenario im Hinblick auf unsere derzeitige Einschätzung und Positionierung. Vor allem die Pläne für strengere Einwanderungsbeschränkungen und die Androhung höherer Zölle (10 Prozent auf alle Importe, 60 Prozent auf Importe aus China stehen im Raum) würden doppelt inflationär wirken und wären daher günstig für die US-Zinsen und den US-Dollar. Dieses Szenario wirkt sich jedoch negativ auf das Wachstum in den Ländern aus, die von Einfuhrbeschränkungen betroffen sind; es gilt daher als nachteilig für den Rest der Welt. Sollten wir vor diesem Hintergrund unsere Übergewichtung von US-Aktien beibehalten? Die Einführung von Zöllen benachteiligt nicht nur die Handelspartner der USA, sondern auch bestimmte US-Unternehmen, deren Margen einen Teil des Anstiegs der Beschaffungskosten auffangen würden. Die Verlängerung des „Tax Cuts and Jobs Act“ und damit eines Steuersatzes von 21 Prozent wird hingegen als positiv für US-Unternehmen und insbesondere für das vorzugsweise inländische Segment der Small- und Mid-Caps angesehen.

Zusammengefasst: Eine vollständige Umsetzung der republikanischen Programme würde sich negativ auf das Wachstum in den USA und weltweit auswirken und die Fed in eine schwierige Lage bringen, da sie erneut mit einer steigenden Inflation konfrontiert wäre. Angesichts höherer Zinsen und Abwärtskorrekturen beim Wirtschaftswachstum wäre dieses extreme und relativ unwahrscheinliche Szenario weder für US-Aktien noch für -Anleihen gut. Allerdings würde dieses Szenario den Rest der Welt wahrscheinlich noch mehr benachteiligen.

Geteilter Kongress: Für US-Aktien positiv

Eine republikanische Präsidentschaft und ein geteilter Kongress würden einen Mittelweg darstellen mit einem gegenüber dem derzeitigen Szenario mehr oder weniger unveränderten Wachstum, aber höheren Zinsen und einer weniger lockeren Geldpolitik unter dem Druck einer wiederauflebenden Inflation. Im Falle eines gespaltenen Kongresses dürfte der internationale Handel erneut Präsident Trumps bevorzugtes Betätigungsfeld sein. Das wäre für US-Aktien wahrscheinlich positiver als für den Rest der Welt, unterstützt durch die Verlängerung der Steuersenkungen.

Im Falle eines Wahlsiegs der Republikaner, der die Inflationserwartungen sofort in die Höhe treiben könnte, besteht eine Möglichkeit der Portfolio-Positionierung darin, nach dem starken Rückgang der Zinssätze für US-Staatsanleihen im vergangenen Sommer bei der US-Duration relativ vorsichtig zu bleiben und inflationsgebundene US-Anleihen zu kaufen. In diesem Fall würden wir auch unsere Übergewichtung in Schwellenländern und unsere Positionen in Europa überprüfen.

In Punkt vier der republikanischen Wahlagenda wird dazu aufgerufen: „Machen Sie Amerika zum mit Abstand führenden Energieproduzenten der Welt!“ Die Umwelt ist ein Punkt, an dem sich die Programme der beiden Lager unterscheiden. Die Steigerung der US-Öl- und Gasproduktion setzt die Preise einem Abwärtsrisiko aus. Ebenso könnte die Überprüfung von Investitionen im Zusammenhang mit dem „Inflation Reduction Act“ Elektrofahrzeuge und Produzenten sauberer Energie benachteiligen.

Sieg der Demokraten: Risiko, dass das Wahlergebnis angefochten wird

Das Szenario eines Sieges von Kamala Harris mit einem geteilten Kongress dürfte für die Anleger weniger Überraschungen bereithalten. Die zu erwartende Politik in den Bereichen Einwanderung und internationaler Handel sollte im Einklang mit der aktuellen Regierung stehen. Von diesem Standpunkt aus scheint dieses Szenario für den Rest der Welt vorteilhafter zu sein. Aus innenpolitischer Sicht geht es bei dieser Wahl jedoch nur um Steuern. Einige der Maßnahmen, die auf der Agenda der Demokraten stehen, könnten sich negativ auf US-Aktien auswirken: Das Ende des „Tax Cuts and Jobs Act“ mit einer Erhöhung des Körperschaftssteuersatzes von 21 auf 28 Prozent und einer Erhöhung der Steuer auf Aktienrückkäufe. Die von Kamala Harris vorgeschlagenen Maßnahmen zielen auf die Unterstützung der Mittel- und Arbeiterklasse ab. Dazu gehören eine Verlängerung der Steuersenkungen für Einkommen unter 400.000 US-Dollar, eine Verlängerung der Steuergutschrift für Kinder und eine Unterstützung für Erstkäufer von Eigenheimen.

Das Szenario eines demokratischen Präsidenten mit geteiltem Kongress kommt unserem aktuellen Kernszenario recht nahe: Die erwartete Verlangsamung des Wirtschaftswachstums und der Inflation bei einer Fortsetzung der geldpolitischen Lockerungen durch die Fed. Dieses Szenario der „sanften Landung“ wirkt sich einigermaßen positiv auf alle risikoreichen Anlagen aus.

In Bezug auf Umweltfragen sind die genauen Maßnahmen noch nicht bekannt, aber ein Sieg der Demokraten gilt grundsätzlich als positiv für erneuerbare Energien. 

Ein eindeutiger Sieg der Demokraten stellt dagegen ein steuerliches Risiko für US-Unternehmen dar. Es würde vom US-Markt negativ aufgenommen werden und würde vor allem kleine und mittlere US-Unternehmen überproportional treffen.

Es bleibt letztlich noch ein weiteres Szenario: Die eines knappen demokratischen Wahlsiegs ohne Kongressmehrheit, der von Donald Trump und seinen Anhängern angefochten wird. Dieses Risiko politischer und sozialer Instabilität, auch wenn es nur vorübergehend ist, würde sich am negativsten auf die Finanzmärkte auswirken und zu einem starken Anstieg der Volatilität führen. In diesem Fall wären Absicherungen die beste Möglichkeit, um das Portfolio zu schützen, solange, bis Stabilität und Regierung wiederhergestellt sind.

 

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