Die Studie „Deutschlands nächste Unternehmergeneration“ der Stiftung Familienunternehmen zeigt, dass die kommende Unternehmergeneration bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Die sogenannten Next Gens sehen jedoch mehrere Gefahren, was laut den Studienautoren dazu führt, dass sich eine steigende Zahl den Verkauf des Unternehmens vorstellen kann.
Aktuell treibt der Krieg in Europa die jungen Leute am meisten um. Aber gleich danach kommt die Gefahr einer schlechten Wirtschaftslage mit steigender Armut. Ein großer Teil der Next Gens sieht zudem die Gefahr einer politischen Polarisierung und einer sozialen Spaltung der Gesellschaft als sehr groß an. Diese Angst rangiert bei den Zukunftsängsten noch vor dem Klimawandel.
Der nächsten Unternehmergeneration fehlt es laut dem Autorenteam um Reinhard Prügl nicht an der familienunternehmerischen Grundhaltung, auch nicht an Leistungsbereitschaft oder Freude an der Verantwortung: 71 Prozent sind bereit, eine operative Führungsrolle im Familienunternehmen zu übernehmen. 44 Prozent halten es für möglich, ein eigenes Unternehmen zu gründen, auch als Vorbereitung auf die Nachfolge. 23 Prozent der Befragten schließen allerdings einen Verkauf des ererbten Unternehmens nicht aus. Das sind 9 Prozentpunkte mehr als bei der vorhergehenden Studie im Jahr 2020.
Unternehmensnachfolger vermissen Kompetenz in politischen Parteien
Besonders die wachsende Feindseligkeit zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen und politischen Überzeugungen macht der Nachfolgegeneration Sorge. Das negative Image der Nachfolge im Vergleich mit der Gründung ist ein großes Thema. Die Umfrage zeigt zudem, dass sich die Nachfolger mit den eigenen Interessen von den politischen Parteien kaum wahrgenommen fühlen. Umgekehrt sehen sie bei den Parteien oft wenig Kompetenz, die Probleme zu lösen.
Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, sagt: „Die kommende Unternehmergeneration hat großes Zutrauen in die Leistungs- und Innovationsfähigkeit ihrer Familienunternehmen sowie in die eigene Person und die Familie. Aber bezüglich der Bedingungen gesellschaftlicher und politischer Natur herrscht große Sorge.“
Dies zeige sich gerade in den Befürchtungen einer stärkeren gesellschaftlicher Polarisierung und im Misstrauen gegenüber der Veränderungskraft unserer politischen Parteien. Auch aus diesem Befund heraus sei es an der Zeit, die Rahmenbedingungen für Familienunternehmen radikal zu verbessern.
Erbschaftssteuer als größte Herausforderung
Unter den Herausforderungen, denen sie sich zu stellen haben, nennen die Next Gens mit 75 Prozent als Erstes die Erbschaftsteuer. Die Weiterführung des Unternehmens werde durch hohe Steuern erschwert. Weitere Herausforderungen: Der Fachkräftemangel und die schwierige Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Rolle als Unternehmenslenker.
Die Next Gens fordern laut den Studienautoren daher dringend Entlastungen bei der Erbschaftsteuer für Unternehmerfamilien. Die Dringlichkeit der Entlastung werde insbesondere in Zeiten der Transformation und den daraus resultierenden zusätzlichen Investitionsbedarfen besonders deutlich. Diese Forderung und die Ablehnung einer höheren grundsätzlichen Besteuerung von Unternehmern, verdeutlichten, wie wichtig diese Themen für die Zukunftsfähigkeit von Familienunternehmen seien.
Neue Akzente bei Innovation, Nachhaltigkeit und Führungskultur
Als Chance sehen es die Nachfolger an, im Unternehmen neue Akzente setzen zu können. Innovationen und Nachhaltigkeit spielen eine sehr große Rolle, auch die Mitarbeiterbindung, neue Organisationsstrukturen und eine andere Führungskultur.
Herausforderungen in der Nachfolge sieht die nächste Unternehmergeneration vornehmlich darin, sich als Nachfolger, sowohl auf Familien- als auch auf Mitarbeitendenseite, zu etablieren. Viele Next Gens erkennen hier Fachexpertise, aber auch Wertschätzung und Demut gegenüber den verschiedenen Beteiligten, als wichtig an. Die momentane Welt mit seinen vielen Krisen sehen fast alle interviewten Next Gens als Chance. Dadurch habe man die Möglichkeit, als Nachfolger neue Akzente im Familienunternehmen zu setzen.
Befragte können sich Einstieg im Familienunternehmen vorstellen
Ein weiteres wichtiges Ergebnis: Die Vorbereitung auf die Nachfolge läuft zunehmend professionell ab. Größere Familienunternehmen haben wesentlich explizitere, stärker formalisierte und institutionalisierte Regelungen getroffen, wobei kleinere Unternehmen noch etwas Nachholbedarf haben. Spannenderweise ergibt sich trotz der vielfältigen Karrieremöglichkeiten auch außerhalb des Familienunternehmens eine sehr klare und stark ausgeprägten Präferenz für die Übernahme unternehmerischer Verantwortung in den jeweiligen Familienunternehmen.
Insbesondere die Übernahme der Gesellschafterrolle ist für die Next Gen sehr wahrscheinlich
(81,4 Prozent). Gleichzeitig steht zudem auch die Übernahme der Geschäftsführung hoch im Kurs:
für 71,4 Prozent der Befragten ist dies sehr wahrscheinlich. Eine Anstellung im eigenen Unternehmen der Familie ist für 60 Prozent der Befragten wahrscheinlich, gefolgt vom Engagement in der Pflege von Netzwerken des Familienunternehmens (59,3 Prozent), einer Rolle in der Koordination der Unternehmerfamilie (55,7 Prozent), im Beirat beziehungsweise Aufsichtsrat (52,5 Prozent) oder dem Family Office der Unternehmerfamilie (44,8 Prozent).
Über die Studie
Das Team um Prügl hat deutschlandweit 440 Vertreter der nächsten Unternehmergeneration zu ihren Einstellungen befragt, im Alter zwischen 16 und 40 Jahren. Vorbild für die Umfrage sind auch die Shell-Jugendstudien, deren Mitautor Mathias Albert zum Autorenteam gehört. Die Studie „Deutschlands nächste Unternehmergeneration“, wurde zum sechsten Mal vom Friedrichshafener Institut für Familienunternehmen der Zeppelin Universität erstellt.
Die vollständige Studie finden Sie hier.