Unternehmerfamilien blicken angespannt in die Zukunft. Die größte Gefahr für ihr Vermögen sehen sie nicht in Kriegen oder Handelskonflikten – sondern in höheren Steuern und Abgaben in Deutschland. Das zeigt eine Befragung von Pictet unter 140 Gesellschaftern großer und mittelgroßer Familienunternehmen basiert.
71 Prozent der Befragten nennen Steuer- und Abgabenerhöhungen als Bedrohung für den Vermögenserhalt. Das ist ein Anstieg um 9 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr und der höchste Wert seit Beginn der Erhebung.
Familienkonflikte nehmen zu
Die allgemeine Verunsicherung hinterlässt Spuren im Gesellschafterkreis. 30 Prozent der Befragten sehen in Konflikten innerhalb der Familie ein Risiko für das Familienvermögen – sechs Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. 19 Prozent nennen mangelndes Interesse der Gesellschafter. Tom Rüsen, geschäftsführender Vorstand der WIFU-Stiftung, die die Studie mitverantwortet, erklärt das so: Die großen strategischen Fragen, die Handelskonflikte und die wirtschaftliche Lage Deutschlands erzeugten Diskussionsstoff – und verschiedene Meinungen. Hinzu komme, dass die Frage nach einem möglichen Unternehmensverkauf offener diskutiert werde als früher.
Gleichzeitig verändert sich, wie Vermögensfragen besprochen werden. 59 Prozent der Befragten diskutieren ihre Vermögensstrategie inzwischen formell – gemeinsam mit Beratern und Familienmitgliedern. Das „Lonesome Wolf“-Modell, bei dem der Patriarch allein entscheidet, ist laut Rüsen ein Auslaufmodell: Nur noch 9 Prozent verfahren so.
Private Equity gewinnt, ESG verliert
Bei der Vermögensanlage verschieben sich die Gewichte. 36 Prozent der Unternehmerfamilien planen, ihre Investitionen in Private Equity auszubauen – 12 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Dass das Interesse trotz vier schwieriger Jahre in der Assetklasse steigt, wertet Oliver Holtz (stellvertretender Leiter Pictet Wealth Management Deutschland und Mitherausgeber der Studie) als Zeichen wachsender Professionalität: Gerade in schwierigen Jahren seien die Bewertungen günstig. Und Private Equity sei eben ein langfristiges Investment.
Deutlich geringere Begeisterung zeigen die Befragten für nachhaltiges Investieren. 44 Prozent berücksichtigen keine Nachhaltigkeitskriterien – vier Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Die Bereitschaft, für Nachhaltigkeit auf Rendite zu verzichten, brach um 9 Prozentpunkte auf 44 Prozent ein. Als Erklärung nennt Holtz das fehlende klare Regelwerk: Ohne ausgestaltetes Regelwerk im Rahmen des EU-Green-Deal mache die Umsetzung jedem Investor Schwierigkeiten.
Gold schlägt alle Erwartungen
Ein Blick auf die Ist-Zahlen 2025 zeigt: Gold war die erfolgreichste Asset-Klasse des Jahres. 40 Prozent der investierten Unternehmerfamilien übertrafen damit ihre Planzahlen – bei keinem blieb das Ziel unerfüllt. Auch Aktien schnitten stark ab: 32 Prozent übertrafen die Planzahlen, 34 Prozent erreichten sie. Direktbeteiligungen hingegen enttäuschten am häufigsten – 17 Prozent der Befragten blieben dort unter Plan.
Europa statt USA und China
Die Handelskonflikte verändern auch die Internationalisierungsstrategie. 57 Prozent der befragten Familienunternehmen passen ihre Auslandsstrategie an. Europa steht dabei klar im Mittelpunkt: 45 Prozent derjenigen, die ihre Strategie anpassen, wollen ihr Europa-Engagement ausbauen. Bei Investitionen ins Familienvermögen zeigt sich dasselbe Bild – 31 Prozent erhöhen ihr Engagement auf dem europäischen Kontinent, nur 9 Prozent investieren mehr in China.
Wer neue Märkte erschließt, schaut vor allem nach Indien: Das Land führt mit 15 Nennungen das Ranking der Zielmärkte an, gefolgt von der gesamten asiatisch-pazifischen Region und afrikanischen Märkten.
Stiftung als Nachfolgelösung gewinnt an Boden
Auch in der Nachfolgeplanung tut sich etwas. 46 Prozent lehnen eine Stiftungslösung grundsätzlich ab – 2024 waren es noch 52 Prozent. Rüsen erklärt den Trend so: Viele Unternehmerfamilien wollten verhindern, dass wachsende Gesellschafterkreise sich vom Unternehmen und dessen Werten entfernten. Die Stiftung biete einen Weg, das Eigentum anders zu organisieren – unabhängig davon, was die Nachkommen mit dem Unternehmen vorhätten.