Business Angel Falk Strascheg „Dann kann man auch mal Blödsinn machen“

Falk Strascheg: Der Unternehmer und Wagniskapitalgeber ist seit 33 Jahren auf die Gründung und den Aufbau von Hochtechnologieunternehmen spezialisiert.

Falk Strascheg: Der Unternehmer und Wagniskapitalgeber ist seit 33 Jahren auf die Gründung und den Aufbau von Hochtechnologieunternehmen spezialisiert.

Wenn Falk Strascheg Dinge sagt wie „Als ich mein erstes Unternehmen 1982 verkaufte, gab es Festgeldzinsen von 13 Prozent“ wird sofort klar: Hier spricht ein Urgestein. Trotzdem argumentiert der Unternehmer und Investor im Interview mit dem Online-Portal „Unternehmeredition“ für eine moderate Anhebung der Zinsen im Euroraum, um „angeschlagene Länder nicht in die Bredouille zu bringen.“

Der 67-Jährige kann sich diese Haltung erlauben, trotzt er den gegenwärtig „schnöden Zinsen“ doch durch seine Rolle als Wagniskapitalgeber für junge Unternehmen, in die er über sein Family Office Extorel anlegt. Der sogenannte Dealflow aus möglichen weiteren Investments ist enorm – rund 500 Firmen landen jährlich auf Straschegs Tisch.

Derzeit halte man 23 Direktbeteiligungen. „Der Schwerpunkt liegt dabei auf technologiebetriebenen Firmen“, sagt Strascheg. „Wir sind aber auch an einer Bäckereikette, einem Verlag und an einem Unternehmen beteiligt, das Schaltkästen herstellt, um die Stromversorgung sicherzustellen.“ Insgesamt habe man gegenwärtig rund 35 Millionen Euro direkt in Unternehmen investiert.

Und das mit Erfolg: „In diesem Jahr liegt unsere Performance bislang bei knapp sechs Prozent, da sind Steuern und Managementgebühren schon abgezogen“, sagt Straschek, der bei seinen Investments auch mal danebengreift: Die Quote der Misserfolge an jungen Unternehmen, die nicht überleben, liege bei rund 30 Prozent. Dann gebe es einen breiten Bereich von Investments, bei denen man mindestens den Einsatz wieder zurückbekomme. Umso wichtiger seien natürlich die Highflyer, also Unternehmen, die sich erfolgreich am Markt etablieren können.

Dass viele Unternehmer zu viel Geld ins eigene Unternehmen stecken und darüber vergessen, ihr Vermögen zu diversifizieren, hält Strascheg für Wahnsinn: „Das Risiko, dass es der Firma irgendwann nicht mehr so gut geht, ist enorm. Ein Totalverlust ist nicht ausgeschlossen“, so Strascheg. Seine Empfehlung: „ Es ist sinnvoll, ab einer bestimmten Größe die Firma an die Börse zu bringen. Einen signifikanten Teil des Erlöses sollte man dann anderweitig investieren, um dem Klumpenrisiko zu entgehen.“

Sein Single Family Office für andere zu öffnen, steht für Strascheg nicht zur Debatte. „Es ist schön, frei zu sein und ausschließlich eigenverantwortlich zu investieren“, sagt der Investor. „Dann kann man auch mal Blödsinn machen.“ Zehn Mitarbeiter kümmern sich dort um Straschegs Vermögen, der selbst maßgeblich mitmischt. „Als Gesellschafter kümmere ich mich um Direktinvestments, wobei ich hier Unterstützung bekomme“, sagt Strascheg. Gehe es um Anlagen in Aktien, übernehme er das meist selbst.

Neben der Vermögensmehrung verfolgt Strascheg aber auch einen philanthropischen Ansatz, etwa durch den Strascheg Center für Entrepreneurship, der Unternehmertum fördern soll, oder die Social Entrepreneurship Akademie. Sie bildet Menschen aus, die Hilfe und Unterstützung etwa bei der Gründung von Sozialunternehmen anbieten. Auch nach einer Übertragung soll Straschegs Vermögen mit Bezug zum Unternehmertum wirksam bleiben. Da er leider keine Kinder habe, werde es in die Renate und Falk Strascheg Stiftung überführt. „Damit ist klar vorgegeben, für was das Geld eingesetzt werden soll“, sagt Strascheg.