Unternehmensbewertung ESG-Rating-Agenturen gehen unterschiedliche Wege

Hauptsitz der Aareal Bank in Wiesbaden: Das Unternehmen gehört laut einer aktuellen Untersuchung zu den Banken mit den besten Rating-Ergebnissen.  | © Aareal Bank

Hauptsitz der Aareal Bank in Wiesbaden: Das Unternehmen gehört laut einer aktuellen Untersuchung zu den Banken mit den besten Rating-Ergebnissen. Foto: Aareal Bank

Die Zahl der Anleger, die ihr Portfolio nachhaltiger gestalten wollen, nimmt ständig zu. Davon profitieren Analysehäuser, die institutionelle Endanleger aber auch Asset Manager und Fondsgesellschaften mit den entsprechenden Unternehmensinformationen und aufbereiteten Daten versorgen. Spezielle ESG-Ratings haben sich mittlerweile zu einem wichtigen Bestandteil bei die Wertpapier-, Fonds- und Mandatsauswahl entwickelt, erläutert NN Investment Partners (NNIP).

Die Fondsgesellschaft gehört zum niederländischen Versicherungskonzern NN Group und warnt in einer aktuellen Untersuchung vor Problemen, die mit der steigenden Zahl an Datenanbietern einhergehen. „Es gibt nach wie vor Fallstricke und bisweilen widersprüchliche Ergebnisse“, warnt Jeroen Bos, Experte für verantwortungsbewusste Anlagen bei NN Investment Partners.

NNIP sagt, dass größere Unternehmen im Durchschnitt bessere Nachhaltigkeitsnoten erhalten als kleinere Firmen. Den Grund für das bessere ESG-Rating sehen die Niederländer in den Ressourcen begründet. Große Unternehmen können es sich demnach in der Tendenz eher leisten, ihre ESG-Politik und ihre Aktivitäten in diesem Bereich herauszustellen und darüber zu berichten. 

Ein anderer Punkt, den Investoren beim Blick auf ESG-Ratings berücksichtigen sollten, betrifft den Vergleich der Nachhaltigkeitsbewertungen der einzelnen Analysehäuser: Mehrere Untersuchungen hätten gezeigt, dass zwischen den ESG-Bewertungen verschiedener Rating-Agenturen nur ein geringer Zusammenhang bestehe. Das sei ein Zeichen für eine deutliche Inkonsistenz und veranschauliche „den subjektiven Charakter von ESG-Bewertungen“, der zum Teil auf die verschiedenen Bewertungsmethoden der Analysehäuser zurückzuführen sei.

NNIP weißt auch auf eine zeitliche Komponente hin: Es bestehe die Gefahr, dass sich Veränderungen in den ESG-Trends erst nach einiger Zeit in den Ratings niederschlagen. Längst nicht jede ESG-Rating-Agenturen aktualisiere ihr Daten zeitnah, situationsbedingt und auf dem Nachrichtenfluss basierend.

Außerdem bleibe die Erhebung solider, umfassender Daten eine Herausforderung. Denn Unternehmen seien nicht verpflichtet sind, umfangreich über verschiedenste ESG-Daten zu berichten. Die Experten von NNIP beobachten vor diesem Hintergrund einen Mangel an Konsistenz. Bos kommentiert: „ESG-Ratings basieren sehr stark auf Meinungen, weniger auf Fakten. Daher sei es entscheidend, die dem jeweiligen Rating zugrunde liegenden Standpunkte zu verstehen. Da ESG-Bewertungen des gleichen Unternehmens von verschiedenen Rating-Agenturen sehr unterschiedlich ausfallen können, sind die Kombination verschiedener Quellen und deren Verknüpfung mit eigenen Analysen notwendig.“