Automatisierung in Finanzunternehmen KI-Agenten scheitern meist am Sprung in die Praxis

Karl Petersen von Camunda

Karl Petersen von Camunda: „Das Nutzenversprechen von KI-Agenten ist unbestritten, aber für die Akzeptanz bleibt Vertrauen die größte Hürde.“ Bildquelle: Camunda

Finanzdienstleister und Versicherer investieren massiv in KI-Agenten, scheitern aber an der Umsetzung. 75 Prozent der Finanzdienstleister und 69 Prozent der Versicherungsunternehmen nutzen bereits KI-Agenten. Doch nur 12 Prozent der Anwendungsfälle im Finanzwesen und 11 Prozent bei Versicherern erreichten im vergangenen Jahr die Produktionsreife.

Das zeigt eine vom Automatisierungsanbieter Camunda beauftragte Befragung unter 1.150 IT-Entscheidungsträgern aus Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern. Die Umfrage führte das Marktforschungsunternehmen Coleman Parkes zwischen September und Oktober 2025 online in den USA, Großbritannien, Deutschland und Frankreich durch.

Große Lücke zwischen Zielen und Realität

52 Prozent der befragten Versicherer und 49 Prozent der Finanzdienstleister befürchten, dass unkontrollierte Agenten Probleme bei schlecht umgesetzten Prozessen verschärfen. 81 Prozent der KI-Agenten im Versicherungssektor bleiben daher auf Chatbots oder Assistenten beschränkt, im Finanzwesen sind es 79 Prozent. 

73 Prozent der Befragten über alle Großunternehmen hinweg sehen einen deutlichen Abstand zwischen ihren strategischen Zielen für KI-Agenten und der tatsächlichen Umsetzung. Einer der Gründe liegt für 84 Prozent in durch die KI verursachten Geschäftsrisiken bei wichtigen Prozessen. 80 Prozent bemängeln fehlende Transparenz bei der KI-Nutzung, 66 Prozent sehen Compliance-Probleme beim Einsatz von KI-Agenten. Besonders in regulierten Branchen wie dem Finanzsektor wiegen diese Bedenken schwer.

 

„Das Nutzenversprechen von KI-Agenten ist unbestritten, aber für die Akzeptanz bleibt Vertrauen die größte Hürde“, sagt Karl Petersen, Senior Vice President Customer Success bei Camunda. „Viele Unternehmen gehen das Thema vorsichtig an, kommen dabei aber nicht über Pilotprojekte oder isolierte Anwendungsfälle hinaus. Ohne klare Leitplanken und Transparenz bleiben Agenten eine Randerscheinung im Unternehmen.“

Budgets steigen trotz Umsetzungsproblemen

Trotz der Schwierigkeiten planen 79 Prozent der Unternehmen höhere Ausgaben für die Automatisierung ein. Die Budgets sollen in den kommenden zwei Jahren um durchschnittlich 20 Prozent steigen. 95 Prozent der Befragten gaben an, im vergangenen Jahr Geschäftswachstum durch Prozessautomatisierung erzielt zu haben – ein Anstieg gegenüber 87 Prozent im Vorjahr.

Einzelne Finanzinstitute zeigen bereits, wie KI-Agenten produktiv genutzt werden können. Die Norddeutsche Landesbank setzt KI ein, um monatlich rund 3.000 Briefe im physischen Posteingang automatisch zu sortieren und weiterzuleiten. Die VHV Gruppe löste mit Unterstützung von Camunda starre Legacy-Systeme durch eine Microservices-Architektur ab und gestaltete Prozesse wie die Vertrags-Rückabwicklung neu. Die Kubernetes-basierte Cloud-Architektur ermöglicht es, KI-Komponenten direkt zu integrieren. 

Komplexität bremst Innovation

Derzeit sind 48 Prozent der Geschäftsprozesse in Großunternehmen automatisiert, dieser Anteil soll auf 64 Prozent steigen. Die Befragten verwalten durchschnittlich 50 Endpunkte in ihren Geschäftsprozessen – Tendenz steigend um 14 Prozent jährlich. 85 Prozent gaben an, bessere Werkzeuge zur Verwaltung der Prozessüberschneidungen zu benötigen.

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