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Schroders-Portfoliomanagerin im Gespräch „Unser Fonds hat keine Gefühle – nur ein Auge fürs Geld“

Anna Podoprigora, seit Januar 2024 Multi-Asset-Portfoliomanagerin bei Schroders: „Wir investieren mit klarem Plan, nicht nach Schlagzeilen.“

Anna Podoprigora, seit Januar 2024 Multi-Asset-Portfoliomanagerin bei Schroders: „Wir investieren mit klarem Plan, nicht nach Schlagzeilen.“ Bildquelle: Schroders

Alexander Prawitz, Deutschland-Chef von Schroders begrüßt die zahlreichen Gäste.

Alexander Prawitz, Deutschland-Chef von Schroders begrüßt die zahlreichen Gäste. © martinjoppen.de

private banking magazin: Frau Podoprigora, wenn Ihr Portfolio ein Orchester wäre – welches Stück tragen Sie gerade vor?

Podoprigora: Wir spielen derzeit ein sehr aktives Stück, quasi pronto possibile. Mit rund 47 Prozent Aktienquote liegen wir am oberen Ende unserer taktischen Range. Besonders aufgestockt haben wir in Europa und – sehr selektiv – in China. Europa ist ein starker Diversifikator zum KI-getriebenen US-Markt: Europäische Aktien sind günstiger bewertet, weniger überlaufen, stärker von Banken, Industrie und Zyklikern getragen. Genau das macht die Region attraktiv.

Der globale Markt wirkt tatsächlich gespalten: KI-USA vs. Value-Europa.

Podoprigora: Europa hat die KI-Dynamik verschlafen, ja. Aber dafür ist der Bankensektor einer der großen Gewinner der vergangenen Jahre – mit zeitweisen Aufschlägen von über 50 Prozent. Die USA sind von KI-Konzentration geprägt. Das ist aber kein Risiko per se: Unternehmensgewinne und die Bewertungen steigen parallel. Entscheidend bleibt, flexibel zwischen Themen zu wechseln. Und aktuell bietet Europa für uns das attraktivere Value-Profil.

China – viele Anleger meiden es. Warum bleiben Sie investiert?

Podoprigora: Weil die Wahrnehmung verzerrt ist. Geopolitik, Risiken, schlechte Stimmung – das ist die Oberfläche. Der Hang Seng liegt Year-to-Date rund 30 Prozent im Plus, stärker als viele westliche Märkte. Wir haben Gewinne realisiert und in China A-Shares umgeschichtet: weniger Tech, mehr Konsum. Genau dorthin soll sich China nach dem Willen der Regierung entwickeln – weg vom Export, hin zur Binnenwirtschaft. Und chinesische Privatanleger kehren zunehmend an den Markt zurück. Wir sehen den Beginn des klassischen Vermögenseffekts: Steigende Märkte steigern den Konsum und den Optimismus.

Wie stehen Sie zu Indien?

Podoprigora: Hier haben wir derzeit keine spezifische Allokation. Der Schwellenländer-Index wird ohnehin von chinesischem Tech dominiert – der günstigeren Alternative zu US-Tech – sowie von Taiwan Semiconductor. Und bei den Investitionen der Hyperscaler spricht alles dafür, dass TSMC weiterhin eine Schlüsselrolle spielen wird.

Was ist in Ihrem Portfolio strategisch, was taktisch?

Podoprigora: Strategisch setzen wir auf Cash Investments in unterschiedlichen Ausprägungen mit Unterstützung unserer Security Selektoren wie z.B. Alex Tedder, Co-Head of Equities bei Schroders. Wir sind Makroinvestoren – ob Microsoft oder Alphabet besser ins Portfolio passt, entscheiden Spezialisten. Taktisch arbeiten wir mit Derivaten, um gezielt Long und Short Positionen eingehen zu können. So bleiben wir flexibel und mittelfristig orientiert.

Wie schätzen Sie die aktuelle Makrolage an den Märkten ein?

Podoprigora: Grundsätzlich konstruktiv: Wachstum, Gewinne, Inflation – alles solide. Aber natürlich gibt es Unsicherheiten: KI-Investitionen müssen Rendite liefern. Die Inflation muss im Zaum bleiben. Die Fiskalpolitik birgt Risiken. Kurz gesagt: Wir erwarten Volatilität – aber genau davon lebt Multi Asset.

Sie sind klar negativ für 30-jährige Staatsanleihen. Warum?

Podoprigora: Weil sie weltweit unter massiven fiskalpolitischen Druck geraten. Es wird deutlich mehr emittiert, Staaten verschulden sich weiter. Deutschland bildet dabei einen Sonderfall: Das aktuelle Fiskalpaket adressiert die grundlegenden strukturellen Probleme – etwa hohe Energiekosten, komplexe Bürokratie und den Arbeitsmarkt – nicht ausreichend. Statt echte Wachstumsimpulse zu setzen, werden lediglich akute Lücken gefüllt. Genau das belastet langlaufende Staatsanleihen spürbar.

Zeichnet sich die nächste Krise bereits im Rentenmarkt ab?

Podoprigora: Noch nicht. Investment-Grade- und High-Yield-Spreads sind bereits zusammengelaufen aber bitten selektiv Chancen, Schwellenländer-Anleihen sind weiterhin stark. Die Risk-on/Risk-off-Indikatoren zeigen weiterhin Optimismus.

Wo liegen die Chancen der nächsten zwölf Monate?

Podoprigora: Wir sind konstruktiv für deutsche Aktien. Der Dax spiegelt nicht die deutsche Wirtschaft wider, sondern globale Champions. Viele verdienen den Großteil ihrer Gewinne in den USA. Auf der Rentenseite bevorzugen wir Schwellenländer-Anleihen mit kurzen Laufzeiten. Beispiel Brasilien: 14 Prozent Rendite, kaum Durationsrisiko. Extrem attraktiv.

Sie haben Ihre Dollar-Shorts geschlossen. Wie geht es weiter?

Podoprigora: Wir waren fast voll abgesichert, haben Gewinne mitgenommen und die Quote auf 10 Prozent erhöht. Mittelfristig bleibt der Greenback aber unter Druck – das Vertrauensdefizit ist spürbar.

Die Rolle der Rohstoffe?

Podoprigora: Rohstoffe sind für uns kein reines Absicherungsinstrument, sondern ein aktiver Bestandteil unserer Überzeugungen. So haben wir unsere Positionierung bewusst von Gold auf Silber verlagert. Mit Erfolg: Silber ist mit einem Plus von 73 Prozent seit Jahresbeginn deutlich stärker gestiegen als Gold. Zudem bleiben Industriemetalle wie Kupfer sehr gefragt. Sie profitieren sowohl von der rasanten Entwicklung im KI-Sektor als auch von globalen Infrastrukturprogrammen und dem Ausbau erneuerbarer Energien. Langfristige Trend, die die Bedeutung dieser Rohstoffsegmente weiter untermauern.

Wie zähmen Sie Ihre eigene emotionale Volatilität im Multi-Asset-Alltag?

Podoprigora: Mit einem klaren Game-Plan. Es gilt, vorab zu definieren: Warum gehe ich eine Position ein? Wann steige ich aus? Emotionen haben dort keinen Platz.

Wenn Ihr Portfolio eine Persönlichkeit hätte, wie würden Sie es charakterisieren?

Podoprigora: Opportunistisch.

In welchem Sinn?

Podoprigora: Chancenorientiert – nicht risikoblind.

Ihr persönlicher Ausgleich zum Prestissimo an den Märkten?

Podoprigora: Sport. In München setze ich auf Crossfit und Yoga. Und im Urlaub heißt es für mich: ab aufs Surfbrett und raus in die Wellen.

Und wirklich ohne einen Blick auf die Börsenkurse zu werfen?

Podoprigora: Am Wochenende bin ich meist offline, aber die Märkte sind natürlich nie ganz aus dem Kopf.

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