Im Übernahmekampf zwischen Unicredit und Commerzbank verschärft sich der Ton. In einer offiziellen Stellungnahme vom 10. Juni 2026 erneuerte Deutschlands zweitgrößte Privatbank ihre Vorwürfe gegen das Andienungsverhalten beim italienischen Tauschangebot.
Commerzbank zweifelt an den Andienungen
Unicredit meldete zuletzt eine Annahmequote von 10,95 Prozent. Die Commerzbank widerspricht. Aus ihren Verwahrstellen-Daten könne sie keinen einzigen unabhängigen institutionellen Investor identifizieren, der Aktien angedient habe. Privataktionäre stellten lediglich rund 0,05 Prozent. Die angedienten Papiere stammten daher fast ausschließlich von Banken und Parteien, die Unicredit nahestehen und zuvor keine wesentlichen Anteile hielten.
Die Bank stützt ihren Verdacht auf zwei Beobachtungen. Seit Ankündigung des Angebots habe sich die Wertpapierleihe mehr als verzehnfacht. Zugleich notierte der Kurs durchgehend rund sechs Prozent über dem implizierten Angebotspreis, was etwa 2,30 Euro je Aktie entspricht. Eine Andienung folge damit keiner wirtschaftlichen Logik. Die Commerzbank fordert die Italiener auf, die zugrunde liegenden Absicherungs- und Derivatgeschäfte offenzulegen, und übermittelt ihre Erkenntnisse laufend an die Bafin.
Unicredit kontert, räumt aber Short-Derivate ein
Unicredit weist die Vorwürfe zurück. Das Management dürfe von einer Annahme abraten, dürfe die Integrität des Bieterverfahrens aber nicht durch unbegründete Vorwürfe untergraben. Die eigenen Angaben erfolgten gesetzeskonform und im transparenten Dialog mit der Aufsicht.
Kurz darauf geriet die Mailänder Position ins Wanken. Auf Intervention der Bafin räumte die italienische Bank erstmals ein, in großem Stil Short-Derivate zu halten, wodurch ihre tatsächliche Beteiligung an der Commerzbank kleiner ausfällt als bislang dargestellt. Damit erhärtet sich der Verdacht einer Absicherung im Kreis. Rein rechnerisch würde der direkte Aktienanteil mit den Andienungen von 26,77 auf 37,72 Prozent steigen. Hinzu kommen wandelbare Finanzinstrumente von 3,22 Prozent und bar abgerechnete Derivate von 13,19 Prozent.
Vorstand und Aufsichtsrat empfehlen den Aktionären weiterhin, das Angebot abzulehnen. Die reguläre Annahmefrist endet am 16. Juni, die Verlängerung folgt voraussichtlich vom 20. Juni bis 3. Juli.