Marx’ Kapital Warum die Finanzen deutscher Bistümer kompliziert sind

Legt Manager-Qualitäten an den Tag: Reinhard Kardinal Marx | © Alexander Hassenstein/Getty Images

Legt Manager-Qualitäten an den Tag: Reinhard Kardinal Marx Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images

Wäre Münchens Erzbischof Kardinal Reinhard Marx Manager eines Unternehmens, er hätte einen hervorragenden Job gemacht. Knapp drei Jahre nach dem Limburger Baukostenskandal hat das Erzbistum München und Freising für den Erzbischöflichen Stuhl, die drei großen Stiftungen der Erzdiözese und deren Pensionsfonds getrennte Bilanzen vorgelegt – im Einklang mit den Vorgaben des Handelsgesetzbuches (HGB) für große Kapitalgesellschaften und von unabhängigen Wirtschaftsprüfern testiert.

Komplexe Vermögensstruktur

Ergebnis ist ein Gesamtvermögen von rund 6 Milliarden Euro. Das Erzbistum allein verfügt demnach über 3,3 Milliarden Euro. Davon entfallen 1,3 Milliarden Euro auf Immobilien und andere Sachanlagen. Knapp 1,5 Milliarden Euro sind angelegt. Hinzu kommen 440 Millionen an liquiden Mitteln. Weitere jeweils gut 600 Millionen Euro verteilen sich auf drei Stiftungen der Münchner.

Transparente Kirchenfinanzen Das Erbe des Tebartz van Elst



Auf die Emeritenanstalt, die für die Pensionen der Geistlichen zuständig ist, entfallen weitere 237 Millionen Euro. Der Erzbischöfliche Stuhl hat 56 Millionen Euro zur Verfügung. Damit ist das Erzbistum die vorerst reichste Diözese in Deutschland. Noch vor Paderborn, das schon 2014 gut 4 Milliarden Euro Vermögen ausgewiesen hatte.

Bereits hier zeigt sich die begrenzte Vergleichbarkeit der Angaben: So haben die Paderborner im Gegensatz zum Erzbistum München das Vermögen ihres Bischöflichen Stuhls nicht mit ausgewiesen. Dabei kann dessen Vermögen das des Bistums selbst fast übersteigen, wie in Augsburg der Fall.

Besondere klerikale Gegebenheiten

Dort besitzt die Diözese 631 Millionen Euro, während der Bischöfliche Stuhl über noch einmal 627 Millionen Euro verfügt. Und auch die Bewertung der Besitztümer selbst muss sich den besonderen klerikalen Gegebenheiten anpassen, wie das Beispiel des Kölner Doms zeigt: Seinen Wert beziffert das dortige Erzbistum mit nur 27 Euro, der Summe aus jeweils einem Euro für den Dom und die 26 angrenzenden Grundstücke.

Grund: Die Diözese stuft den Dom bei jährlichen Betriebskosten von rund 12 Millionen Euro als unverkäuflich ein, weshalb ihm nur ein symbolischer Wert zugemessen wird. Allein im Erzbistum München und Freising sind unterdessen 7.000 Gebäude, darunter 1.200 Kirchen, 4.500 Hektar Wald und gut 6.000 Verträge zu bewerten.

Für die Mammutaufgabe, eine über 1.300 Jahre gewachsene Struktur auf HGB-Standard umzustellen, hat die Diözese viel Geld in die Hand genommen und sich hochkarätige Unterstützung geholt. Laut ZDF investierten die Münchner 8 Millionen Euro in Beratungsdienstleistungen und sicherten sich die Dienste hochkarätiger Sachverständiger wie des Finanzchefs der Linde Group, Sven Schneider.

Hochkarätige Sachverständige

Zugleich wurde der Chef des Stiftungsmanagements der Unicredit-Bank, Stefan Fritz, abgeworben, um die kircheneigenen Stiftungen zu leiten. Letztere verfügen nun insgesamt über gut 1,9 Milliarden Euro für Seelsorge, Bildung und Caritas.

So hat der Fall des bauwütigen Bischofs Tebartz-van Elst für die Kirche auch sein Gutes. Zum einen kann sie durch die neue Transparenz zeigen, wofür sie ihren Reichtum aufwendet. Zum anderen dürfte angesichts niedriger Zinsen und wachsender Pensionsansprüche selbst der Klerus versierten Beistand gebrauchen können.