Herr Rees, Herr Hanser, wie sind die Unconstrained-Anleihestrategien von L&G im aktuellen Umfeld geopolitischer Schocks, unsicherer Inflationsentwicklung und sich verändernder Erwartungen an die Zentralbanken positioniert?
Patrick Hanser: Vor einem besonders herausfordernden Hintergrund liegt unser Fokus auf Diversifizierung und einem flexiblen Durationsmanagement. Unser Ziel ist es, das Gesamtrisiko des Portfolios zu reduzieren und langfristige Renditen zu erzielen.
Matthew Rees: Wir sind der Ansicht, dass Duration derzeit als Absicherung weniger wirksam ist, weshalb wir das Durationsengagement entsprechend reduziert haben. Unser Fokus liegt darauf, ein breiteres Instrumentarium zur Absicherung einzusetzen. Daher haben wir das Engagement in Credit-Default-Swap-Indizes erhöht, insbesondere im Bereich nachrangiger Finanzanleihen. Zudem haben wir die Liquiditätsquoten in den Portfolios erhöht. Dadurch sind wir in der Lage, Chancen zu nutzen, die sich in Phasen erhöhter Unsicherheit ergeben können.
Wo sehen Sie Chancen?
Rees: Sektorübergreifend bleiben die Spreads in den meisten Bereichen von Investment-Grade-Anleihen eng. Wir sind jedoch der Ansicht, dass die Renditen in bestimmten ertragsstarken Bereichen der Strategie weiterhin attraktiv sind.
Wir bevorzugen weiterhin Unternehmens-Hybride und Schwellenländeranleihen. US-Unternehmens-Hybride bieten derzeit höhere Spreads als vergleichbare europäische Unternehmen, was wir attraktiv finden. Darüber hinaus emittieren regulierte US-Versorger Hybride, um den Ausbau von KI-Rechenzentren mitzufinanzieren. Aus unserer Sicht ist dies attraktiver als das hohe Emissionsvolumen der Hyperscaler. Auch bei nachrangigen Finanzanleihen sehen wir ausgewählte Chancen. Europäische Banken überraschen positiv. Sie haben zuletzt Ergebnisse über den Erwartungen gemeldet und verfügen weiterhin über starke Kapitalpuffer.
Viele Asset Manager setzen auf High Yield. Wie sehen Sie diese Anlageklasse?
Rees: Bei High-Yield-Anlagen aus Industrieländern sind wir vorsichtiger, da die Ausfallindikatoren steigen, die Fundamentaldaten in softwareexponierten Bereichen schwach sind und das Risiko einer Ansteckung durch Leveraged Loans und Private Credit besteht.
Da Duration mittlerweile eine weniger wirksame Absicherung darstellt: Wie gewichten Sie Duration, CDS und Liquidität in den Portfolios?
Hanser: Wir halten einen flexiblen, mehrdimensionalen Ansatz zur Absicherung für wesentlich. Finanzmärkte entwickeln sich in schwierigen Phasen selten geordnet oder einheitlich. Daher reicht es möglicherweise nicht aus, sich auf nur eine einzelne Absicherung zu verlassen. Eine flexible Steuerung des Umfangs von Duration, CDS und Liquidität in den Portfolios kann dazu beitragen, eine robustere Grundlage für stabilere langfristige Ergebnisse zu schaffen.
Wir setzen Duration in erster Linie zur Absicherung von Kreditrisiken ein. Ihre Wirksamkeit kann jedoch schwanken. Wenn sich Kredit-Spreads in Phasen der Unsicherheit ausweiten, wirkt Duration häufig ausgleichend. Wenn jedoch Inflationssorgen dominieren – wie 2021 und 2022 zu beobachten war – kann Duration zu einer zusätzlichen Verlustquelle werden.
In solchen Marktphasen können CDS ein wirksameres Instrument sein. Wenn sich die Anlegerstimmung eintrübt und die Inflationserwartungen steigen, weiten sich Kredit-Spreads tendenziell aus. Der Kauf von Absicherung über CDS kann daher helfen, dieses Risiko zu steuern, insbesondere in kreditorientierten Portfolios.
Und welche Rolle kommt der Liquidität zu?
Rees: Liquidität ist ebenfalls wichtig. Sie kann Anlegern in Phasen erhöhter Unsicherheit mehr Kontrolle ermöglichen. Sie dient als Puffer für Portfolios, insbesondere in Phasen, in denen weder Duration noch CDS eine nennenswerte Risikominderung bieten. Liquidität ermöglicht es Anlegern, sich aus volatilen Märkten zurückzuziehen und wieder einzusteigen, wenn die Bewertungen attraktiver erscheinen. Außerdem können sie dadurch potenzielle Chancen nutzen, die entstehen, wenn eingeschränkte Anleger zu Verkäufen gezwungen sind. Häufig kann Liquidität in ungeordneten Marktphasen, in denen Korrelationen aufbrechen, die wertvollste Absicherung sein.
Wie hat die veränderte Korrelation zwischen Kredit-Spreads und Renditen von Staatsanleihen die traditionelle Rolle der Duration in Anleiheportfolios verändert?
Hanser: Seit der globalen Finanzkrise gilt Duration als zentrales Instrument zur Absicherung von Kreditrisiken. Unsere Analyse zeigt, dass die Korrelation zwischen Kredit-Spreads und Renditen von Staatsanleihen zwischen 2008 und 2020 häufig negativ war. Wenn sich Kredit-Spreads in Risk-off-Phasen ausweiteten, sanken die Renditen von Staatsanleihen in der Regel. Dies trug dazu bei, Verluste durch breitere Kredit-Spreads auszugleichen.
Rees: Seit der Rückkehr der Inflation im Jahr 2021 hat sich diese Korrelation jedoch grundlegend verändert. Dies stellt die Annahme infrage, dass Duration etwas ist, das man einfach kauft und hält. Wir haben festgestellt, dass die Korrelation positiv und damit weniger hilfreich wird, wenn die Inflationserwartungen am Markt über 3 Prozent steigen.
Was bedeutet „agiles Durationsmanagement“ für eine Unconstrained-Anleihestrategie in einem Umfeld kürzerer und stärker ausgeprägter Marktzyklen?
Hanser: Duration kann in Phasen allgemeiner Belastung an den Kreditmärkten ein wirkungsvolles Absicherungsinstrument sein. Sie kann Kreditportfolios jedoch auch erheblichen zusätzlichen Risiken aussetzen. Dies ist besonders relevant für Unconstrained-Anleihestrategien, die darauf abzielen, langfristige Anlageergebnisse zu glätten. In der heutigen Welt müssen festverzinsliche Anleger aus unserer Sicht Duration aktiv und dynamisch steuern.
Rees: Wir passen das Durationsengagement an veränderte Marktbedingungen an. Dazu gehören die Korrelation zwischen Staatsanleihen und Kredit-Spreads, das Inflationsumfeld sowie die Anlegerstimmung in Bezug auf Wachstum oder Rezession.
Wir halten diesen agilen Ansatz im Durationsmanagement für wesentlich, damit eine Unconstrained-Anleihestrategie schwierige Marktdynamiken steuern und langfristige Renditen erzielen kann.
Zu den Interviewten
Patrik Hanser ist Head of Wholesale Distribution für Deutschland und Österreich bei L&G Asset Management. Seit seinem Eintritt bei L&G im Jahr 2020 hatte er verschiedene Vertriebsfunktionen inne und übernahm Anfang 2025 die Leitung des Wholesale-Geschäfts in den beiden Märkten. Zuvor war er unter anderem für Degroof Petercam tätig und begann seine Karriere im Private Banking der Deutschen Bank.
Matthew Rees leitet seit 2019 das Team Global Bond Strategies von L&G und verantwortet die globalen Anleihenstrategien des Hauses. Vor seinem Eintritt bei L&G im Jahr 2009 war er unter anderem Partner bei Banquo Credit Management sowie in verschiedenen Funktionen bei UBS, Merrill Lynch und der Ratingagentur Fitch IBCA tätig.
Wesentliche Risiken
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