Unabhängige Vermögensverwalter halten Schweizer Privatbanken für wenig flexibel und ihre Produkt- und Preispolitik für veraltet. Das jedenfalls gaben Vermögensverwalter aus der Schweiz in einer Umfrage an, die im Auftrag von Advea und Cinerius Financial Partners durchgeführt wurde. Demnach werden die großen unabhänhigen Vermögensverwalter vor allem mittleren und großen Privatbanken Marktanteile abnehmen.
Im Wettbewerb mit diesen Privatbanken wollen sich die Anbieter vor allem durch persönlichen Kontakt, Kundennähe und -bindung abheben, auch Anlagestrategien können dabei eine Rolle spielen. Etwa 71 Prozent der befragten Unternehmen gehen davon aus, dass ihre Marktanteile wachsen, und 82 Prozent gehen von steigenden Netto-Neugeldern aus.
Depotbanken könnten unter Kosteneinsparungen der Vermögensverwalter leiden
Wichtig ist dabei aber auch die Kostenseite: 69 Prozent der unabhängigen Vermögensverwalter konnten die Profitabilität in den vergangenen 12 Monaten stabil halten, knapp 20 Prozent sogar verbessern. Auch über drei Jahre hinweg schafften 71 Prozent der Befragten es, die Profitabilität stabil zu halten oder zu steigern. Stellhebel auf Kostenseite sind laut der Vermögensverwalter die Prozessautomatisierung oder die Zusammenarbeit mit weniger Depotbanken: Im Durchschnitt arbeiten die Vermögensverwalter mit über 14 Depotbanken zusammen. Bereits in einer anderen Umfrage hatten externe Asset Manager angegeben, künftig mit weniger Depotbanken zusammenarbeiten zu wollen.
Neben Kosteneinsparungen können sich die Vermögensverwalter natürlich auch auf die Umsatzseite fokussieren: Hier sehen sie vor allem Kooperationen oder die Übernahme einzelner Kundenberater oder ganzer Teams als Wachstumshebel. Drei Viertel der Schweizer Vermögensverwalter wollen personell wachsen – zudem sind Übernahmen anderen Anbieter möglich. Nach eigener Aussage stehen in den nächsten drei bis fünf Jahren bei 60 Prozent der Befragten Nachfolgethemen an. Große Vermögensverwalter mit mehr als einer Milliarde Schweizer Franken verwaltetes Vermögen sind dabei wesentlich häufiger mit Nachfolgethemen konfrontiert. Dabei präferiert die Mehrheit der Befragten eine interne Nachfolgelösung. Die Anpassung der Finma-Lizenz ist nur für 2 Prozent entscheidend.