Umfrage zeigt Stiftungen haben Nachholbedarf in der Vermögensanlage

Ein Händler im Handelssaal der Deutschen Börse in Frankfurt: Das Interesse von Stiftungen, außerhalb der Anleihe- und Aktienmärkte zu investieren, ist unterschiedlich groß.

Ein Händler im Handelssaal der Deutschen Börse in Frankfurt: Das Interesse von Stiftungen, außerhalb der Anleihe- und Aktienmärkte zu investieren, ist unterschiedlich groß. Foto: imago images / STPP

Kleinere Stiftungen mit weniger als eine Million Euro Stiftungskapital haben es schwerer, den jährlichen Anstieg des Preisniveaus auszugleichen. Dies ist ein Ergebnis aus einer Anfang 2020 durchgeführten Befragung im Stiftungspanel des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen (BVDS). Demnach schätzten zu dem Zeitpunkt 62 Prozent der kleinen Stiftungen, dass ihre Rendite 2019 oberhalb der Inflationsrate lag. Bei den großen Stiftungen waren es 84 Prozent.

Insgesamt schauten die Stiftungen 2019 optimistischer auf die Vermögensanlage als im Jahr zuvor: Während 2018 knapp 30 Prozent der im Stiftungspanel befragten Stiftungen davon ausgingen, dass die Rendite unterhalb der Inflationsrate liegt, war es 2019 lediglich ein Fünftel aller befragten Stiftungen. Allerdings betrug die Inflationsrate 2018 noch 1,9 Prozent, 2019 lediglich 1,4 Prozent.

Dieter Lehmann, Leiter des Arbeitskreises Stiftungsvermögen und Immobilien im Bundesverband Deutscher Stiftungen und Mitglied der Geschäftsleitung der Volkswagenstiftung, kommentiert die Erkenntnisse in einer Mitteilung des BVDS so: „Das Jahr 2019 war mit Blick auf die Vermögensanlage ein sehr positives für die meisten Stiftungen. Daher sind sie jetzt auch trotz Corona-bedingten Ausschlägen an den Finanzmärkten gut aufgestellt. Wichtig ist es, nicht in Panik zu verfallen.“ Größte Herausforderung bleibe der Umgang mit den niedrigen Zinsen in einem breit aufgestellten Vermögensportfolio. „Stiftungen, die bisher noch keine Anlagerichtlinien hatten, sollten die Zeit nutzen, ihrer Vermögensanlage diesen strategischen Unterbau spätestens jetzt zu geben“, betont Lehmann.

Viele Stiftungen haben keine Anlagerichtlinien

Zwar ist der Anteil der befragten Stiftungen mit Anlagerichtlinien laut BVDS hoch. Allerdings haben knapp 30 Prozent keine Anlagerichtlinien. Bei kleinen Stiftungen mit einem Stiftungskapital unter einer Million Euro liegt dieser Prozentsatz sogar bei rund 40 Prozent. Bei großen Stiftungen ab einer Million Euro Kapital haben nur 16 Prozent keine Anlagerichtlinien.

Etwa die Hälfte der Stiftungen hat nicht außerhalb von Anleihe- und Aktienmärkten investiert

Das Interesse der befragten Stiftungen, außerhalb der Anleihe- und Aktienmärkte zu investieren, ist unterschiedlich groß. Etwas weniger als die Hälfte hat das Stiftungskapital bisher nicht in dieser Form angelegt. Wenn Stiftungen Investitionen außerhalb der Anleihe- und Aktienmärkte tätigen, dann überwiegend im Immobilienbereich: Das haben gut 40 Prozent der Befragten angegeben. Unternehmensbeteiligungen oder Wagniskapital spielen mit rund 10 Prozent eine untergeordnete Rolle. 

Über 40 Prozent der befragten Stiftungen, die bislang noch nicht außerhalb der Anleihe- und Aktienmärkte investiert haben, sehen das in ihren Anlagenrichtlinien gar nicht erst vor. Ein weiterer Grund ist das als zu hoch empfundene Risiko: Mehr als ein Drittel lehnt diese Anlageformen deshalb ab. Ein Fünftel der Befragten meint zudem, noch nicht die passenden Anlageprodukte gefunden zu haben. In rund 19 Prozent der Fälle sind die Stiftungsgremien mehrheitlich dagegen.

Die Umfrage fand online im Januar und Februar 2020 statt. Befragt wurden Stiftungen, die beim Stiftungspanel des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen registriert sind.