Umfrage von Axa IM Family Offices sind Vorreiter bei Small Caps

Uwe Diehl ist Geschäftsführer bei Axa Investment Managers

Uwe Diehl ist Geschäftsführer bei Axa Investment Managers

Viele institutionelle Anleger tun sich schwer mit Investitionen in Small Caps – Family Offices hingegen nicht. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage unter 202 Banken, Versicherungen, Pensionseinrichtungen, Stiftungen, Kirchen und Family Offices, die Axa Investment Managers (Axa IM) in Auftrag gegeben hat.

Sie zeigt einerseits, dass nur drei von fünf Institutionellen sich bisher überhaupt mit Nebenwerten beschäftigt haben und dass nur zwei von fünf in Small Caps investieren.

Andererseits zeigt die Studie auch, dass sich eine Investorengruppe deutlich vom Durchschnitt abhebt: Family Offices. Vier Fünftel selbiger haben sich schon mit Small Caps auseinandergesetzt, zwei Drittel sind sogar investiert – und das in der Regel sehr konsequent. Die befragten Family Offices mit Small-Cap-Engagements gaben nämlich an, dass der Nebenwerte-Anteil in ihren Aktienportfolios im Mittel bei 20 Prozent liegt.

Keine Berührungsängste

Im Vergleich zu den Verhältnissen an den globalen Aktienmärkten ist das eine deutliche Übergewichtung: Folgt man der Gewichtung des Indexanbieters MSCI, dann machen Small Caps nur 14 Prozent der Gesamt-Marktkapitalisierung der Aktienmärkte in den entwickelten Industrieländern aus. Im Hinblick auf zukünftige Investitionenvorhaben gaben Family Offices in der Umfrage sogar überdurchschnittlich oft an, dass sie ihr Small-Cap-Engagement weiter ausbauen wollen.

Damit hat die Mehrzahl der Family Offices vielen anderen Institutionellen etwas voraus. Denn mit Small Caps erhöhen sie die Effizienz ihres Aktienportfolios entscheidend. Schließlich bieten Nebenwerte nicht nur höhere Renditen als Standardwerte, sie tragen aufgrund ihrer relativ niedrigen Korrelation zum Gesamtmarkt auch zur Diversifikation des Portfolios bei. Dadurch ermöglichen sie bei gleichem Risiko höhere Renditen.

Dass Small Caps höhere Kursschwankungen aufweisen, wenn man sie kurzfristig und isoliert von anderen Portfoliobestandteilen betrachtet, fällt angesichts dieser Vorteile für das Gesamtportfolio kaum ins Gewicht.

Den langfristigen Renditevorteil von Small Caps belegen auch die Daten von MSCI: Der MSCI World Small Cap Net Return Index hat sich in Euro gerechnet seit 2001 mehr als verdreifacht. Demgegenüber kommen Large Caps nur auf ein Plus von rund 50 Prozent. Der MSCI North America Small Cap und der MSCI Europe Small Cap stiegen im gleichen Zeitraum jeweils um mehr als 230 Prozent.

Kein Wunder also, dass 65 Prozent der von Axa IM befragten Anleger mit Small-Cap-Engagements in die Anlageklasse investieren, weil sie sich von ihr ein hohes Wachstumspotenzial versprechen. Fast ebenso wichtig ist den Anlegern der Diversifikationseffekt durch Small Caps. Diesen nannten 64 Prozent als Grund für ein Investment.

Fehlende Euphorie

Angesichts der überzeugenden Argumente für den Einsatz von Small Caps drängt sich eine Frage auf: Warum investieren nicht mehr Institutionelle in die Anlageklasse?

Die Gründe für die Zurückhaltung sind vielschichtig. So haben sich zwei Drittel der Stiftungen und Kirchen bisher noch nicht einmal mit Small Caps auseinandergesetzt. Häufigste Begründung: Small Caps sind grundsätzlich zu riskant.

Banken lassen Nebenwerte dagegen vor allem deshalb links liegen, weil sie zu wenig über die Anlageklasse wissen. Versicherungen und Pensionskassen fühlen sich am stärksten durch restriktive Anlagerichtlinien eingeschränkt. Als größte Herausforderungen bei Small-Cap-Investments identifizierten die Befragten – über sämtliche Anlegergruppen hinweg – die mangelnde Transparenz und die hohe Volatilität der Anlageklasse.

Ein Problem sticht aus dieser Aufzählung hervor: restriktive Anlagerichtlinien. Vor allem Versicherungen und Pensionseinrichtungen sind strikten Kapitalanlagerestriktionen unterworfen, die sich teils aus regulatorischen Vorgaben, teils aus der starken Verbindlichkeitsorientierung des Asset Managements in diesen Organisationen ergibt.

Beides gemeinsam führt zu relativ geringen Freiheitsgraden in der Verwaltung des angelegten Kapitals – ein strukturelles Hemmnis, das sich nur schwer beseitigen lässt.

Wie die Faust aufs Auge

Family Offices hingegen können als Verwalter großer, oft durch Unternehmertum aufgebauter Privatvermögen anders agieren. Unternehmerisches Denken genießt auch im Asset Management einen hohen Stellenwert. Small Caps fügen sich dank der oben skizzierten Eigenschaften perfekt in solche Investmentansätze ein.

Wer auch in der Kapitalanlage unternehmerisch denkt, wird zudem nicht vorschnell Urteile fällen, sondern weiter fragen: Sind Small Caps wirklich so riskant, wie es bei oberflächlicher Betrachtung scheint? Ist mangelndes Wissen über eine Anlageklasse nicht eher ein Anstoß für zusätzliche Beschäftigung als ein Grund gegen ein Engagement? Bietet die im Vergleich zu Blue Chips geringere Transparenz möglicherweise auch Chancen für Investoren, die wissen, was sie tun? Welche Probleme lösen sich in Luft auf, wenn ich einen kompetenten Asset Manager mit der Verwaltung meines Nebenwerte-Engagements betraue?

Viele Family Offices haben sich diese und andere Fragen offenbar bereits gestellt – und für sich Antworten gefunden, die sie deutlich von allen anderen institutionellen Investoren abheben. Es wird Zeit, dass mehr Anleger ihrem Beispiel folgen.


Über den Autor:
Uwe Diehl ist Geschäftsführer bei Axa Investment Managers, dem Asset-Management-Zweig des Versicherungskonzerns Axa. Die Vermögensverwaltungs-Tochter ist mit 623 Milliarden Euro verwaltetem Vermögen einer der größten in Europa ansäßigen Asset Manager.