Umfrage unter Bankern Frankfurt gilt als beste Alternative zu London

Bescheinigt Frankfurt am Main die besten Chancen, Londons Erbe als Europas Finanzplatz Nummer 1 anzutreten: Die Studie der Boston Consulting Group

Bescheinigt Frankfurt am Main die besten Chancen, Londons Erbe als Europas Finanzplatz Nummer 1 anzutreten: Die Studie der Boston Consulting Group

Frankfurt am Main gilt als beste Alternative zum Finanzplatz London. Das geht aus einer Studie der Boston Consulting Group (BCG) hervor, für die die Unternehmensberatung kurz vor dem Brexit-Votum rund 360 leitende Banker aus Großbritannien, Frankreich, den USA und Deutschland befragt hat.

„Insbesondere die ökonomische und politische Stabilität in Deutschland, kombiniert mit der Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte, macht den Standort Frankfurt am Main zur Top-Adresse, wie aus dieser Umfrage kurz vor dem Brexit hervorgeht“, sagt Bankenspezialist Wolfgang Dörner, Senior Partner und Leiter des Frankfurter BCG-Büros.

Alternativen mit unterschiedlichen Stärken

Die Banker bewerten Frankfurt unter neun globalen Finanzzentren als Alternative zur britischen Finanzmetropole am besten, gefolgt von New York und Dublin. Als weitere Kandidaten wurden Amsterdam, Hong Kong, Luxemburg, Madrid, Paris und Singapur abgefragt. Jede Stadt hat nach Ansicht der Bank-Manager unterschiedliche Stärken.

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Quelle: Boston Consulting Group 2016

Paris etwa schneidet sehr gut ab, wenn es um die Lebensqualität geht. New York wiederum kommt dann ins Spiel, wenn einige amerikanische Banken sich dazu entschieden, dem EU-Markt den Rücken zuzukehren. Die Standortattraktivität für Banken wurde anhand von 14 Kriterien erhoben – unter anderem Infrastruktur, Geschäftsumfeld, Stabilität, Lifestyle-Faktoren sowie Zugang zu Märkten und Institutionen.

Bei einem spontanen Ranking der Finanzzentren ohne vorgegebene Bewertungskriterien sehen die befragten Banker Frankfurt hinter New York und Dublin auf Platz drei. Vor allem die Briten bevorzugen dann Dublin und New York. Werden objektive Standortkriterien herangezogen, gibt es jedoch eine Präferenz für das Finanzzentrum am Main – vor allen Alternativen.

New York und Dublin bei Briten vorn

Um auch bei weichen Faktoren besser zu punkten, müssten Stadt und Region vor allem ihre Internationalität, zum Beispiel bezogen auf vermeintliche Sprachbarrieren, sowie die vergleichsweise günstige Wohnungssituation besser vermarkten und die kulturelle Attraktivität für ein breiteres internationales Publikum erhöhen, heißt es in der Studie.

Konkrete Absichten für einen Umzug haben die meisten Unternehmen allerdings noch nicht: „Zwei Drittel der Finanzunternehmen haben noch keine genauen Pläne für eine mögliche Standortverlagerung nach dem Brexit. Die meisten rechnen mit einer Verlagerung innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre", so Dörner.

Rund 20 Prozent der Finanzdienstleistungs-Jobs in London könnten im Zuge dessen an andere globale Finanzplätze verlagert werden, wie aus der Studie hervorgeht. Das beträfe alle Unternehmensbereiche von Banken, insbesondere den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr, das Investmentbanking und das Handelsgeschäft.


Über die Studie:
Für die Studie mit dem Titel "Brexit – Banker, quo vadis?" wurden im Juni 2016 rund 360 Entscheider aus dem Bankensektor  in Unternehmen mit Erträgen größer 1 Mio. €/$ befragt. Von den Befragten stammen 38 aus Deutschland, 43 aus Frankreich, 246 aus Großbritannien und 40 aus Nordamerika. Folgende Standortalternativen wurden bewertet (in alphabetischer Reihenfolge): Amsterdam, Dublin, Frankfurt, Hong Kong, Luxemburg, Madrid, New York, Paris und Singapur.