Umfrage 10 Fragen, 10 Antworten rund um „Nachhaltiges Investieren“

Umfrage: 10 Fragen, 10 Antworten rund um „Nachhaltiges Investieren“

10. Gibt es einen Trend unter den Asset Managern, auch gewisse Mindestanforderungen für die Bausteine in Investmentfonds (z.B. keine Rüstungsindustrie) anzulegen, die nicht explizit nachhaltig sind?

Thomas Kruse, CIO Deutschland bei Amundi

Das Ausschlusskriterium war Ausgangspunkt in der Entwicklungsgeschichte der nachhaltigen Anlagen. Noch heute sind Ausschlüsse die am häufigsten verwendete ESG-Strategie – sowohl in Deutschland als auch global. Auch in vielen Investmentfonds werden Anlagen in bestimmte Bereiche von vornherein herausgefiltert. Besonders verbreitet ist in Deutschland der Ausschluss von Unternehmen, die im Zusammenhang mit Arbeitsrechtverletzungen, Korruption, Menschenrechtsverletzungen oder Umweltzerstörung stehen. Ebenso befinden sich Produktlinien wie Waffen, Tabak oder Alkohol häufig auf den Verbotslisten. 2018 zählte Kohle zum ersten Mal in Deutschland zu den Top-Ten-Tabus.

Die Ausschlussstrategie scheint sich recht simpel umsetzen zu lassen, zumindest auf den ersten Blick. Das Beispiel „Waffen/Rüstung“ zeigt jedoch, wie unterschiedlich die Ergebnisse ausfallen können. Geht es um alle Waffen oder nur um die sogenannten umstrittenen Waffen? Einige Unternehmen produzieren für den militärischen Bereich, allerdings nur im Nebengeschäft. Ist ein Umsatzanteil von 5, 10 oder 20 Prozent akzeptabel?

Auf Anfrage von Kunden können in Mandaten ganz individuelle Ausschlusskriterien beziehungsweise Anforderungen an bestimmte Bausteine formuliert werden. Ein Verkauf des Assets ist jedoch nicht immer der beste Weg. Denn damit entfällt der Platz auf der Hauptversammlung und gerade für große, einflussreiche Asset Manager die Chance, über ein aktives Engagement die Firmen in Einklang mit den Ausschlusskriterien zu bringen. Wir bei Amundi Asset Management haben im vergangenen Jahr zum Beispiel an mehr als 2.900 Hauptversammlungen teilgenommen. Darüber hinaus suchen wir regelmäßig den Dialog mit potentiellen und bestehenden Investment-Kandidaten, um sie bei der Verbesserung ihrer nachhaltigen Praktiken zu unterstützen. Gelingt es in so einem Gespräch zum Beispiel, ein Unternehmen dazu zu bewegen, etwa ihren kleinen militärischen Bereich aufzugeben oder eventuelle Arbeitsrecht- oder Menschenrechtsverletzungen einzustellen, trägt dies zu einer insgesamt nachhaltigeren Wirtschaft bei.

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