Umbrüche in der Finanzbranche Wie investieren etablierte Finanzinstitute in Technologie?

Junge Menschen wachsen wie selbstverständlich mit der Digitalisierung auf: Banken müssen handeln, um nicht verdrängt zu werden.  | © Getty Images

Junge Menschen wachsen wie selbstverständlich mit der Digitalisierung auf: Banken müssen handeln, um nicht verdrängt zu werden. Foto: Getty Images

Vincent Vinatier, Portfoliomanager bei AXA IM

Die steigende Nachfrage, angetrieben vor allem durch die Millennials und andere technologieaffine Verbraucher, hat dazu geführt, dass internationale Finanzinstitute immer mehr in Technologie investieren – um rechtliche Probleme zu verhindern und technologiefähige Lösungen zu bieten.

Welche Langfristtrends gibt es?

Viele von ihnen planen fest, ihre Technologiefähigkeit zu verbessern, um mit der Digitalisierung Schritt zu halten. Beispielsweise erhöhte JPMorgan Chase sein jährliches Technologiebudget 2019 um 600 Millionen US-Dollar auf 11,4 Milliarden US-Dollar – für IT-Instandhaltung und Innovationen. Unterdessen will die Banco Santander in den nächsten vier Jahren 20 Milliarden US-Dollar in die Digitalisierung investieren und zugleich durch IT-Modernisierungen in Europa Kosten senken. Durch solche Investitionen können internationale Finanzinstitute mit der Digitalisierung Schritt halten und gegenüber neuen Marktteilnehmern wettbewerbsfähig bleiben.  Aber wie investieren diese Finanzinstitute in Technologie?

Eine Möglichkeit ist die Übernahme von Fintech-Unternehmen (direkt oder über Private-Equity-Fonds), um die eigene Technologieinfrastruktur zu verbessern.  Ein gutes Beispiel hierfür ist BNP Paribas. Um den Kundenstamm an ihrem Heimatmarkt zu vergrößern, kaufte die französische Bank 2017 Compte-Nickel. Diese rein digitale Bank gibt an, alle 30 Sekunden ein neues Bankkonto zu eröffnen. Andere Unternehmen gingen Partnerschaften mit etablierten Technologieunternehmen ein, um in der Digitalisierung führend zu bleiben. Erst vergangenes Jahr schlossen sich sechs indische Banken zusammen, um ein digitales Verbraucherkreditgeschäft aufzubauen. Dazu zählte auch die HDFC Bank, die über vielfältige Daten zu indischen Privathaushalten verfügt.

Außerdem bereiten sich einige etablierte Unternehmen auf die Einführung eigener digitaler Produkte vor, um der steigenden Bedeutung der neuen Banken für Millennials und technologieaffine Verbraucher etwas entgegenzusetzen.  Zu ihnen zählen Goldman Sachs mit Marcus, einer Online-Bank für Privatkunden, und Banco Santander, die ihre Produkte über die eigenständige digitale Bank Openbank in Spanien und die Banking-App Superdigital in Brasilien anbietet.

Was Investoren wissen müssen

Finanzdienstleister sind sich bewusst, dass sich der Markt schnell entwickelt und sie selbst Veränderungen anstoßen müssen, um nicht verdrängt zu werden. Das gilt vor allem angesichts der neuen Banken, die auf den Markt drängen. Einige von ihnen konnten schneller auf die digitale Revolution reagieren und haben ihre Technologien an den heutigen Verbraucheranforderungen ausgerichtet. Auf diese Newcomer (zu denen auch große Technologiekonzerne und Zahlungsabwickler zählen, die selbst keine Banken, sondern lediglich Finanzdienstleister ohne Banklizenz sind), entfallen heute bereits etwa ein Drittel des Umsatzwachstums in Europa.

Deshalb gehören Technologieinvestitionen für viele internationale Finanzinstitute heute zu den wichtigsten Zielen. Daran dürfte sich so schnell auch nichts ändern. Die IT-Investitionen von Banken dürften jährlich um 4,2 Prozent steigen und 2021 weltweit 296,5 Milliarden US-Dollar erreichen. Wir halten diese Unternehmen deshalb für sehr vielversprechend: innovative Marktführer, die mit ihrer Technologie ihre zahlreichen Kunden besser betreuen können.

Auch „Technologieermöglicher“ halten wir für mitunter interessante Investitionsziele in der Fintech-Branche. Dies sind Unternehmen, die Komponenten liefern, die innovative Marktführer für die Entwicklung ihrer Produkte nutzen können.

Ausblick

Etablierte internationale Finanzinstitute investieren mehr in Technologie, weil die Entwicklung schnell voranschreitet. Wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzt und weitere Investitionen nach sich zieht. Die Unternehmen wollen mit der stark steigenden Nachfrage Schritt halten. Wir erwarten weitere Fusionen und Übernahmen im Fintech-Bereich, weil hier aus Wettbewerbern immer häufiger Partner werden. Vermutlich werden die Gewinne neu verteilt, sodass sich der Abstand zwischen Gewinnern und Verlierern noch größer wird und weitere interessante Chancen in der Fintech-Branche entstehen.

Um zu erkennen, welche internationalen Finanzinstitute zu den Gewinnern und welche zu den Verlierern zählen dürften, sind umfassende und nicht immer einfache Analysen erforderlich. Für eine erfolgreiche Auswahl von internationalen Finanzunternehmen, die auf Innovation setzen und Fintech-Lösungen als Effizienzmotor und Wachstumstreiber nutzen (oder nutzen können), dürften einfache quantitative Filter nicht ausreichen. Aus unserer Sicht können börsennotierte Fonds (ETFs) oder andere passive Fonds das Thema Fintech nicht adäquat bedienen. Deshalb investieren wir bei Framlington Equities aktiv und auf der Grundlage einer fundamentalen Einzeltitelauswahl.

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