Claudio de Sanctis setzt auf London „Es gibt keinen besseren Zeitpunkt als jetzt, um dort zu investieren“

Claudio de Sanctis

Claudio de Sanctis: „Letztendlich setze ich auf Großbritannien, da es ein fantastisches Land mit einem führenden Finanzzentrum ist." Bildquelle: Deutsche Bank

Die Deutsche Bank plant, 250 Privatbankiers für vermögende Kunden einzustellen – darunter gezielt Berater für sehr Vermögende in Großbritannien. Das sagte Claudio de Sanctis, Leiter der Abteilung für vermögende Kunden der Deutschen Bank, gegenüber Bloomberg. Das Geldinstitut sieht Chancen in der aktuellen Umbruchphase am britischen Wealth-Management-Markt, während Wettbewerber ihre Aktivitäten zurückfahren.

„Ich gehe davon aus, dass viele dieser Familien, die umziehen, London aufgrund seiner internationalen Ausrichtung weiterhin als den Ort betrachten werden, an dem sie ihre Bankgeschäfte tätigen möchten“, sagt de Sanctis. „Ich würde diesen Moment, in dem die Menschen ihre Investitionen zurückziehen, sehr gerne monetarisieren.“

Milliardäre verlassen London 

Der 53-Jährige setzt damit auf Großbritannien, obwohl zahlreiche Milliardäre das Land nach der Abschaffung des Non-Dom-Systems* verlassen haben. De Sanctis konzentriert sich auf die Abwerbung von Privatbankiers: „Ich möchte zu guten Bankern gehen und ihnen sagen: ‚Sie können Ihre Arbeit von London aus erledigen. Wir bezahlen Sie, wir bieten Ihnen Anreize'. Letztendlich setze ich auf Großbritannien, da es ein fantastisches Land mit einem führenden Finanzzentrum ist."

Die Einstellungsoffensive ist Teil der Wachstumsstrategie unter CEO Christian Sewing seit 2019. Das verwaltete Vermögen der Privatbank stieg im Quartal bis September 2025 gegenüber dem Vorjahr um fast zehn Prozent. In Großbritannien haben sich Einnahmen und Vermögenswerte des Privatkundengeschäfts seit 2022 etwa verdreifacht.

Mit 675 Milliarden Euro verwaltetem Vermögen bleibt die Deutsche Bank jedoch deutlich hinter Branchenführern wie UBS und Morgan Stanley zurück, die jeweils mehr als eine Billion US-Dollar verwalten.

 

Neben Großbritannien zielt die Bank auf Dubai, Singapur und Hongkong. „Wir werden fast ausschließlich Banker für sehr vermögende Kunden einstellen“, sagt de Sanctis. „Die Idee ist, dass wir in den ersten sechs Monaten dieses Jahres loslegen und diese Ziele in sehr kurzer Zeit umsetzen.“

2024 mussten 111 Führungskräfte gehen 

Pikant: Ende 2024 gab das Institut die Entlassung von 111 Führungskräften bekannt. „Es geht dabei um verschiedene Funktionen in der gesamten Privatkundenbank, also im Retail-Bereich, im Private Banking und im Wealth Management, also nicht in einem dieser Bereiche speziell“, hieß es damals gegenüber dieser Redaktion. Nun wird zumindest um UHNWI-Bereich kräftig aufgestockt.

Und auch in Deutschland sind Einstellungen geplant. Erst im vergangenen Dezember sprach Rafael Gasser, Leiter Wealth Management Deutschland, darüber, wie das Institut seinen verantwortungsbereich hierzulande ausbauen will.  

Die Bank setzt un die gesteckten Ziele zu erreichen unter anderem verstärkt auf diskretionäres Portfoliomanagement mit jährlichen Verwaltungsgebühren statt auf das traditionelle Transaktionsgebührenmodell. Zudem nutzt sie Beziehungen zu Unternehmern aus dem Investmentbanking und will private Investmentfirmen sowie britische Familienunternehmen intensiver ansprechen.

„In Großbritannien gibt es einen florierenden Mittelstandssektor“, sagt de Sanctis über Familienunternehmen. „Es gibt keinen besseren Zeitpunkt als jetzt, um dort zu investieren.“

*Das Non-Dom-System, also Resident, but Non-Domiciled, bezeichnet einen steuerlichen Status, der in einigen Ländern für ausländische Personen vorgesehen ist, die zwar in einem Land leben, aber dort keinen permanenten steuerlichen Lebensmittelpunkt begründen. 

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