Der Übernahmekampf um die Commerzbank spitzt sich zu. Vorstand und Aufsichtsrat der Frankfurter Großbank weisen das Angebot der italienischen Unicredit gemeinsam zurück: Die Offerte biete keine angemessene Prämie und spiegele den tatsächlichen Wert der Bank nicht wider.
Angebotspreis unter Börsenkurs
Konkret entspricht das Unicredit-Angebot einem Preis von 34,56 Euro je Commerzbank-Aktie – während Analysten den fairen Wert im Median auf 41,50 Euro beziffern. Der aktuelle Börsenkurs liegt bei rund 36 Euro und damit bereits über dem Angebotspreis.
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp machte deutlich, dass das, was Unicredit als Zusammenschluss bezeichne, in Wirklichkeit ein Restrukturierungsplan sei, der tief in ein bewährtes und profitables Geschäftsmodell eingreife. Die Bank will eigenständig wachsen – und untermauert das mit ambitionierten Zielen bis 2030: sinkende Kosten, höhere Renditen, steigende Ausschüttungen an die Aktionäre.
Gleichzeitig signalisiert die Commerzbank Gesprächsbereitschaft. Allerdings unter klaren Bedingungen. Die italienische Bank müsse eine echte Prämie anbieten und auf Basis der Commerzbank-Strategie verhandeln, nicht gegen sie.
Orcel sichert sich Schlüsselposition
Auf der anderen Seite agiert Unicredit-Chef Andrea Orcel mit bemerkenswerter Geduld. Zwar kommt das laufende Tauschangebot kaum voran – in der ersten Annahmewoche gaben lediglich 0,006 Prozent der Commerzbank-Aktionäre ihre Anteile ab. Doch gleichzeitig stockt Orcel seine strategische Position konsequent aus. Über sogenannte Total Return Swaps – Derivate, bei denen Unicredit wirtschaftlich von Kursbewegungen profitiert, ohne die Aktien direkt zu halten – verschafft sich die Bank Zugriff auf weitere 8,88 Prozent der Commerzbank-Anteile.
Zusammen mit den direkt gehaltenen 26,77 Prozent kann Unicredit so auf bis zu 38,87 Prozent zugreifen – 26,77 plus 8,88 Prozent über die Swaps sowie weitere Positionen, die Orcel in den vergangenen Monaten aufgebaut hat.
Das laufende Tauschangebot erfüllt dabei einen strategischen Zweck: Es erlaubt Orcel, die kritische 30-Prozent-Schwelle zu überschreiten, ohne ein deutlich teureres Pflichtangebot vorlegen zu müssen.
Das Kräfteverhältnis ist damit klar: Die Commerzbank-Aktionäre zeigen bislang kaum Verkaufsbereitschaft, und Frankfurt hält an der Eigenständigkeit fest. Unicredit hingegen sichert sich geduldig Optionen für einen nächsten Schritt, wann auch immer der kommen mag.