Acht Fragen zum nachhaltigen Investieren Überblicken Sie noch die ESG-Vielfalt an Daten und Ansätzen?

Mara Schneider von Quoniam Asset Management

Mara Schneider von Quoniam Asset Management: Die SRI-Spezialistin hat sich einiger der derzeit drängendsten Fragen für ESG-willige Investoren angenommen Foto: Quoniam Asset Management

Wie haben sich die Anbieter von ESG-Daten entwickelt und was sind die aktuellen Herausforderungen?

Vor zehn Jahren standen Asset Manager, die nachhaltige Anlagekriterien bei ihren Portfolios anwenden wollten, vor der Wahl: Sollten sie die Daten von externen Anbietern kaufen, wohl wissend, dass die Verfügbarkeit begrenzt und die Qualität womöglich fragwürdig ist? Oder sollten sie in den Aufbau großer Teams investieren, die notwendig sind, um selbst vertieftes Research durchzuführen? Investoren wiederum, die ESG umsetzen wollten, suchten in der Regel nach spezialisierten Asset Managern.

Heute gibt es eine Vielzahl von Datenanbietern am Markt, da das Bewusstsein für Nachhaltigkeit gewachsen ist und sowohl Asset Manager als auch Anleger ihre Portfolios auf die steigenden regulatorischen Anforderungen vorbereiten. Während sich die Qualität der Daten verbessert hat, liegt die neue Problematik in der Quantität. ESG wird immer mehr zu einem Big-Data-Thema. Die neuen Daten verschiedener Anbieter sind zudem oft schwer vergleichbar.

Einige Asset Manager mit hauseigenen Research-Teams werden diese behalten und ausbauen, müssen sich aber in Bezug auf Qualität mit der wachsenden Anzahl von Datenanbietern messen. Diese Manager müssen kosteneffizient bleiben und weiterhin davon überzeugt sein, dass sie im Vergleich zu reinen Datenanbietern einen Mehrwert schaffen können. Die übrigen Asset Manager werden sich dafür entscheiden, Daten zu kaufen, um daraus nützliche Informationen für ihren Investmentprozess zu generieren.

Aus Sicht institutioneller Anleger wird die Auswahl eines passenden ESG-Asset-Managers zunehmend zur Herausforderung. Sie sind nicht nur mit einem Überangebot an Daten konfrontiert, sondern auch mit einer Flut an Asset Managern, die für sich Expertise auf dem Gebiet beanspruchen. Entscheidend wird es sein jene Asset Manager zu identifizieren, die sie dabei unterstützen, alle Daten zu verstehen und ihnen zeigen, wie sie ihre regulatorischen Anforderungen und Stakeholder-Ziele am besten umsetzen können.

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Warum stellen zu viele ESG-Daten Asset Manager und Investoren vor ein Problem?

Stellen Sie sich vor, ein Pensionsfonds ohne ESG-Erfahrung möchte eine Milliarde Euro an Assets von 0 auf 100 Prozent nachhaltige Investitionen umstellen. Wo würde dieser Investor anfangen? Begriffe wie ESG gehen leicht von der Zunge – aber jeder Buchstabe steht für einen hochkomplexen Themenbereich, der zuerst verstanden, interpretiert und quantifiziert werden muss.

Wir haben die Daten verschiedener Anbieter wie MSCI, ISS und Bloomberg analysiert und festgestellt, dass ähnliche Datensätze nur gering korreliert sind. Beispielsweise weist der Score von MSCI ESG eine Korrelation von 0,35 mit dem ESG-Score von Bloomberg auf. Dies stellt ein großes Problem für institutionelle Anleger dar, da unterschiedliche Datenanbieter unterschiedliche Ergebnisse liefern werden.