Wirkungsorientierte Investments Über den Machbarkeitsnachweis von Impact Investing

Gerhard Jarosch, seit Februar 2021 Geschäftsführer von Skapa Invest

Gerhard Jarosch, seit Februar 2021 Geschäftsführer von Skapa Invest: Unter seiner Führung will sich das Unternehmen noch stärker für nachhatltige Investmentprojekte mit Impact-Schwerpunkt einsetzen. Foto: Skapa Invest

Gutes tun und damit gleichzeitig Geld verdienen: Der Wunsch nach nachhaltigen Investitionen ist schon lange keine visionäre Idee mehr, sondern eine dynamische und marktverändernde Realität. Verschiedene Studien und Umfragen bestätigen diese These mit plausiblen Daten und Fakten. So etwa die jüngste Umfrage des Bundesverbandes deutscher Banken von Dezember 2020: Zwei Drittel der Befragten geben an, dass es ihnen wichtig ist, ihr Geld in sozial- und umweltverträgliche Projekte zu investieren.

Auch die Zahlen des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG) verzeichneten bereits 2019 ein Wachstum des Investitionsvolumens von mehr als 20 Prozent in nachhaltige Geldanlagen in Deutschland. Entscheidender Bestandteil einer solchen nachhaltigen Geldanlage ist die ausdrückliche Absicht, damit eine soziale Wirkung zu erzielen.

Dieser Trend hat durch die Pandemie einen weiteren Schub erhalten. Generell Antrieb erfährt er durch die jüngere Generation und ihr steigendes Bewusstsein für ein nachhaltiges und sozial-faires Leben. Viele Branchenkenner sehen dies als Momentum für einen Wandel, der auch die Art und Weise, wie Privatanleger investieren, nachhaltig verändern könnte – nämlich das wirkungsorientierte Investment. Dabei stößt man auf die aktuell heiß diskutierten ESG-Kriterien und den Begriff Impact Investing.

ESG-Investing als Trend und Herausforderung

Die ESG-Kriterien sind häufig ein Mittel, um die Anlageperformance zu verbessern. Sie lassen sich für die finanzielle Performance des Portfolios oder nach ihrer Relevanz für die Vermögensbesitzer auswählen. ESG-Kriterien kommen daher häufig in Privatmarktstrategien zum Einsatz und gehen nach dem Ausschlussprinzip vor. Zudem ermöglichen sie ein stärkeres Eintreten für Stakeholder, da sie Unternehmen dazu zwingen, zu berichten, wie sie sich in Bezug auf eine Reihe von Themen verhalten, einschließlich Umweltverschmutzung oder Arbeitssicherheit.

Jedoch bleibt das Produkt davon unberührt. Dazu kommt, dass die ESG-Kriterien derzeit ein auferlegtes Credo für Unternehmen geworden sind, an das sie sich stückweise anpassen müssen. Nach einer im Mai 2020 erhobenen Umfrage unter Asset Managern von EY Real Estate sehen sich 62 Prozent der befragten Unternehmen noch am Beginn der Umsetzung ihrer ESG-Strategie. Es existieren zwar Wille und Einsicht, sich nach den neuen Vorgaben zu orientieren, aber wichtige Daten wie etwa der CO2-Ausstoß sind auf Objektebene oft nicht bekannt. Daher waren eine Steuerung der ökologischen Auswirkungen und die Kontrolle der Ziele bisher weitestgehend nicht möglich.

Impact-Investing-Strategien kommen derzeit üblicherweise in Privatmarktstrategien zur Anwendung. Solche Investitionen orientieren sich etwa an einzelnen Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals = SDGs).

Die 17 SDG-Ziele der Vereinten Nationen

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  Quelle: Vereinte Nationen

Inzwischen bieten fast alle Anlageklassen die Möglichkeit zum Impact Investment. Neben öffentlich gehandelten Formen wie Aktien, Rentenpapieren und Investmentfonds gibt es auch spezielle Anlageformen wie Garantien oder hybride Finanzierungsformen. Auch Crowdinvesting ist eine Möglichkeit, sich mit Kapital zu beteiligen.

Dafür kann man selbstverständlich ESG-Kriterien als Checkliste heranziehen, aber der Impact zur Lösung eines konkret erfassbaren Problems muss gegeben sein. Im generellen Verständnis fallen unter Impact Investing vor allem Produkte und Dienstleistungen, die auf einen bislang ungedeckten gesellschaftlichen und sozialen Bedarf reagieren.

Sie kommen auch der Gesellschaft zu Gute und wirken sich auf Schulen, Pflegeheime oder andere Projekte aus. Das bedeutet, dass neben ökologischen Zielen, wie Einsparungen im Ressourcenverbrauch oder dem Erhalt von Biodiversität auch Investitionen in eine Pflege- oder Bildungseinrichtung signifikante Aspekte sein können. Impact Investing geht also einen Schritt weiter als ESG-Investing. Mit der Investition soll eine konkrete nachhaltige Wirkung erzielt werden, auf ökologischer und sozialer Ebene.

Fehlende Messbarkeit ist die größte Hürde - noch!

Allerdings sind eine bundesweite Festlegung und Vereinheitlichung der Impact-Messung noch wünschenswert. Die Messung der Wirkung steckt derzeit noch in der Entwicklungsphase, insbesondere bei sozialen Zielen. Natürlich ist es einfacher, die Menge an Energie zu messen, die zum Beispiel Anlagen für erneuerbare Energien erzeugen oder CO2 eingesparen. Die Bundesinitiative Impact Investing, die durch die BMW Foundation Herbert Quandt und die Bertelsmann Stiftung gestützt wird, hat sich das Ziel gesetzt, hier Standards zu erarbeiten, vorhandene zu vereinfachen und auch anzuwenden.

Dennoch gibt es in der Branche bereits starke Beispiele, die eine Wirkung im kleinen Rahmen beweisen können. Während Aktien und ETFs mit nachhaltigen Zielen - etwa durch Aktienanteile an Tech-Unternehmen, die sich für neue Technologien einsetzen - sich wachsender Beliebtheit unter den Anlegern erfreuen, nehmen auch die Angebote zu, etwa in kleine und große Energieprojekte zu investieren. Ein Beispiel aus der Immobilienbranche ist das gestiegene Interesse an Pflegeimmobilien.

So steigen derzeit Pflegeimmobilien in die vordersten Ränge von gefragten Gewerbeimmobilien auf. Laut Frühjahrsgutachten 2020 des ZIA, dem Zentralen Immobilien Ausschuss, klafft in 95 Prozent aller deutschen Gemeinden eine Versorgungslücke, die den Bedarf an altersgerechtem Wohnraum nicht deckt. Man kann also sagen, dass Impact-Investing-Möglichkeiten, die diese Versorgungslücken auf regionaler Ebene schließen und somit ebenfalls eine konkrete und soziale Wirkung erzielen.

Ausblick

Trotz noch fehlender Messgrößen helfen solide Impact Investments dabei, das Bild von wirkungsorientierten Investitionen stärker in das Zentrum der Wahrnehmung zu rücken und im Kleinen etwas zu bewegen. Mit Blick auf den anhaltenden Trend kann man die aktuelle Phase gerade als Proof of Concept bezeichnen.

Wenn nun der Machbarkeitsnachweis erbracht wird, kann man damit das Fundament für eine Gesamtrevolution der nachhaltigen Investments legen. Wenn die Pioniere der Branche also in der Lage sind, vertrauensschaffende Best Practices zu etablieren, schaffen sie dabei auch die entsprechende Strahlkraft für Anleger, sich zu beteiligen.


Über den Autor:

Gerhard Jarosch ist seit Februar 2021 Geschäftsführer von Skapa Invest, das sich für nachhaltige Investmentprojekte einsetzt.