Udo Schloemer von Factory „Wir haben keine Mieter, sondern Mitglieder“

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DIE IMMOBILIE: Was sind die Vorteile für sie als Betreiber, und was sind die Vorteile für die Mieter in Ihrer Factory?

Schloemer: Für mich ist in erster Linie der Vorteil, dass ich mir hier eine nachhaltige Gemeinschaft aufbaue. Heißt: Neben einer klassischen Immobilienvermietung habe ich hier ein Netzwerk von Kreativen aus den verschiedensten Branchen - Politik, Investoren, Start-ups und etablierte Unternehmen. Wir schaffen Raum für Begegnungen. Dadurch haben wir Synergien und sind mitten am Puls, mitten an den Ideen dran, die hier entstehen.

DIE IMMOBILIE: Sind Sie auch mit einem Büro vertreten und nehmen an den Veranstaltungen teil?

Schloemer: Wir sitzen in der Tat im eigenen Objekt, um alles direkt an der Basis mitzubekommen. Wir expandieren ja und können natürlich nicht in allen Factorys vertreten sein. Aber in der ersten haben wir unser Büro. Und ja, ich oder Mitarbeiter von mir nehmen regelmäßig an einer Veranstaltungen teil.

DIE IMMOBILIE: 700 Veranstaltungen pro Jahr - was läuft besonders gut?

Schloemer: Trendforschung Zukunft ist beispielsweise ein gut besuchtes Event. Also, welche Trends bestimmen die digitale Welt und welche Einflüsse haben diese auf etablierte Geschäftsmodelle. Das zweite große Thema ist Change-Management. Was können bestehende Unternehmen von Start-ups lernen und umgekehrt. Eine weitere interessante Geschichte sind Hackathons: Dabei fliegen Unternehmen wie beispielsweise Lufthansa oder VW junge Unternehmen für 30 Stunden ein und diese entwickeln neue Geschäftsmodelle. Das ist bereits sehr beliebt und wird sich weiterhin sehr positiv entwickeln.

DIE IMMOBILIE: Wie sieht ihr Mieter-Mix aus?

Schloemer: Wir haben Start-ups, aber auch große Unternehmen wie beispielsweise VW, Uber oder General Electric in unserer Community. Die haben Flächen zwischen 30 bis 50 Quadratmetern angemietet und Leute vor Ort, um am Tagesgeschäft teilzunehmen und um von den Events zu profitieren. Es geht darum, die Stimmung mitzubekommen. Kreativer Austausch findet bei uns den ganzen Tag statt und von dem wollen auch die Großen profitieren. Wir sind ein Mitglieds-Club. Bei uns trifft man sich, hat Vertrauen zueinander, tauscht Ideen aus und realisiert diese dann auch zum großen Teil. Wir haben keine Mieter, wir haben Partner.

DIE IMMOBILIE: Es gibt aber auch klassische Büros?

Schloemer: Natürlich gibt es auch geschlossene Büros, sogenannte Team-Offices, in denen beispielsweise Betriebsgeheimnisse besprochen werden können. Aber man muss unterscheiden. Wir haben auch eine Lobby, die ist absichtlich offen gehalten, um den Austausch zu gewährleisten. Zielsetzung ist ja der Austausch untereinander.

Die Factory von Innen. Schreibtische kann man ab 50 Euro pro Monat mieten. Foto: Factory

DIE IMMOBILIE: Sie haben keine Mieter, sie haben Mitglieder. Nach welchen Kriterien suchen Sie sie aus?

Schloemer: Viele Start-Ups aus so vielen unterschiedlichen Branchen wie möglich. Grund: Innovation passiert immer vertikal und nie horizontal. Aber wir haben natürlich Schwerpunktthemen. Wir legen Wert auf das Internet of Things, Service-Software und alles, was mit den Themen Gesundheit, Mobility und Fintech zu tun hat. Das sind in unseren Augen die großen Zukunftsbranchen. Daneben achten wir natürlich auch darauf, dass wir ein internationales Publikum haben. Deshalb haben wir auch Firmen wie Uber und Twitter bei uns. Die amerikanische Kultur ist, was die Realisierung von Geschäftsideen angeht, deutlich unkomplizierter als unsere. Dieser Einfluss ist sehr wichtig. Verkehrssprache in den öffentlichen Räumen ist darum auch ausschließlich Englisch. 70 Prozent unserer Mieter können gar kein Deutsch.

DIE IMMOBILIE: Sie als Investor sind direkt am Puls, hat Ihnen das schon gute Geschäfte eröffnet?

Schloemer: Ja natürlich. Dieses Wissen, wo sich etwas Gutes zusammenbraut, veröffentlichen wir mittlerweile aber an alle Investoren. Absolutes Grundgesetz in der Factory ist Transparenz und Offenheit. Das ist Teil unseres Konzeptes. Daraus ergibt sich eine Win-Win-Situation. Die Start-ups können von allen Investoren profitieren und umgekehrt. Ich investiere ja nicht in alles und habe meinen persönlichen Investmentfokus auf Internet of Things und Fintech-Unternehmen.