Udo Schloemer von Factory „Wir haben keine Mieter, sondern Mitglieder“

Udo Schloemer von Factory: „Wir haben keine Mieter, sondern Mitglieder“

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DIE IMMOBILIE: In der Factory kann ich Arbeitsplätze ab einer Stunde mieten. Wie sieht Ihr Konzept im Einzelnen aus?

Udo Schloemer: Wir sind kein klassischer Vermieter, sondern ein Club. Wenn Sie angenommen wurden und Mitglied sind, zahlen sie ab 50 Euro im Monat und haben jederzeit Zutritt. Aus dem Vertrag kommen sie kurzfristig raus. Das ist etwas, was die Immobilienbranche lernen muss, wenn sie auch Start-ups als Mieter haben will. Nicht jedes Start-up funktioniert, daher müssen diese immer eine Ausstiegsmöglichkeit haben. Wir haben gernau aus diesem Grund keine Bindungsverträge. Bei uns kann man monatlich kündigen. Bisher hatten wir allerdings noch keine Kündigung. Zwei Unternehmen sind aufgrund ihrer Größe rausgewachsen. Auch die sind aber Mitglieder geblieben, um weiterhin Zugriff auf die jährlich etwa 700 Events und die öffentlichen Flächen zu haben. Die wollen im Netzwerk bleiben.

DIE IMMOBILIE: Was zahle ich neben dem Club-Beitrag noch?

Schloemer: Wir bieten zwei Modelle an: Entweder Sie mieten sich einen Schreibtisch, der im Monat ab 200 Euro kostet. Oder Sie mieten sich einen Raum. Alle Leute, die in diesem Raum arbeiten wollen, müssen Mitglied sein und zahlen 50 Euro Mitgliedsbeitrag pro Monat. Desweiteren verlangen wir die gängigen Quadratmeterpreise. Die liegen in Berlin zwischen 15 und 18 Euro je nach Ausstattung. Aber wir denken nicht in Quadratmetern, wir denken in Mitgliedern.

DIE IMMOBILIE: Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Schloemer: Wie das Leben so spielt. Ich komme aus der Immobilienbranche und habe 2006 mein Unternehmen an Lehman Brothers verkauft. Dann habe ich angefangen, in junge Unternehmen zu investieren. So bin ich in die Start-up-Branche reingerutscht und habe festgestellt, dass die keine Plattform haben. Die hatten keine Möglichkeit, am Markt wahrgenommen zu werden. Dadurch kam ich auf die Idee, meine beiden Leidenschaften, Immobilien und Start-up zusammenzuschmeißen und einen Campus zu bauen.

Die Factory in Berlin Mitte: „Junge Menschen brauchen maximale Flexibilität, schnelles Internet und Kaffee." Foto: Factory

DIE IMMOBILIE: Haben Sie das als Investor ganz alleine finanziert?

Schloemer: Die ersten drei Jahre habe ich das von meinem gesparten Geld ermöglicht. Nach und nach gelang es aber, ein großes Investorennetzwerk aufzubauen. Peter Thiel ist beispielsweise einer von knapp 20 Investoren, der an denselben Firmen beteiligt sind wie ich.