Demokraten oder Republikaner Wie sich das Ergebnis der US-Wahl auf die europäische Wirtschaft auswirken könnte

Donald Trump (links) und Joe Biden.

Haben beide Hoffnung auf eine Wiederwahl: Der ehemalige Präsident Donald Trump (links) möchte gerne wieder ins Weiße Haus einziehen, der aktuelle Präsident Joe Biden dort verweilen. Foto: Imago Images / Cover-Images / MediaPunch

Wer wird die 60. Wahl zum US-Präsidenten gewinnen? Mit dieser Frage setzen sich Libby Cantrill, Analystin für politische Ereignisse für das Investmentkomitee von Pimco und Tiffany Wilding, Volkswirtin für Nordamerika bei Pimco, auseinander. Beide gehen davon aus, dass es auf ein altbekanntes Duell herauslaufen wird. „Der amtierende Präsident Joe Biden hat aus dem demokratischen Lager keine nennenswerten Herausforderer“, sagt Cantrill.

Solange keine unvorhersehbaren Ereignisse eintreten, die eine Kandidatur unmöglich machen, sei es eher eine Formalie, dass der 80-Jährige erneut ins Rennen um die Präsidentschaft geht. Auch wenn es bei einigen Beobachtern Zweifel am Gesundheitszustand von Biden gibt.

Trift Trump auf seinen alten Herausforderer?

Bei den Republikanern ist das Rennen zwar offener – aktuell gibt es dennoch einen klaren Favoriten: Donald J. Trump, 45. Präsident der Vereinigten Staaten. Trotz der aktuellen Gerichtsverfahren gegen den 77-Jährigen führt er in den Umfragen das Herausforderer-Feld bisher an. „Eine mögliche Verurteilung hat ihm bisher in den Umfragen nicht geschadet“, sagt Cantrill. Rein juristisch stünde einer Kandidatur selbst bei einer rechtskräftigen Verurteilung nichts im Wege – das US-Recht hat diesbezüglich keine Einschränkungen.

Libby Cantrill, Analystin für politische Ereignisse für das Investmentkomitee von Pimco.
Libby Cantrill, Analystin für politische Ereignisse für das Investmentkomitee von Pimco. © Pimco

Welche Auswirkungen hat die Wahl auf Europa?

Insbesondere wenn Trump sich bei der Wahl am 5. November 2024 durchsetzten sollte, sehen die Prognosen für den transatlantischen Handel und Austausch düsterer aus, als mit Joe Biden. Hier sehen Cantrill und Wilding eine Rückkehr zu der „America-First-Politik“ aus der ersten Amtszeit von Trump. Diese war durch Strafzölle, Austritten aus internationalen Gremien und einer Schwächung der Beziehungen zwischen den USA und Europa geprägt.

In Schlüsselindustrien wie Rüstung, Stahl, Autobau und anderen Schwerindustrien könnte eine protektionistische Handelspolitik der US-Regierung die Europäer vor Herausforderungen stellen. Bereits in seiner ersten Amtszeit war Trump für solche Maßnahmen bekannt geworden. Sollten die USA ihr Engagement in der gemeinsamen Verteidigungspolitik zurückfahren, müssten europäische Nationen sich verstärkt selbst um diese kümmern – angesichts des Kriegs in der Ukraine eine große Aufgabe. 

 

US-Wirtschaft vor schwierigen Jahren – unabhängig vom Wahlsieger

Laut der Einschätzung von Wilding profitiert die US-Wirtschaft momentan noch von mehreren Programmen, die Präsident Biden aufgesetzt hat. Dazu zählen Zahlungen und Schuldenaufschübe während der Corona-Pandemie, wie auch ein großangelegtes Infrastrukturprojekt, welches mit etwa 1,1 Billionen Euro die Wirtschaft stärken sollte. Diese Projekte jedoch aus, wobei man einen gewissen Trickle-Effekt spüren werde. 

Tiffany Wilding, Volkswirtin für Nordamerika bei Pimco.
Tiffany Wilding, Volkswirtin für Nordamerika bei Pimco. © Pimco

Die hohe Verschuldung der USA – aktuell wieder ein Thema angesichts der gelähmten US-Regierung – ist sowohl für Demokraten als auch Republikaner ein zunehmendes Problem. Ein gewisser Sparzwang gilt im Kapitol als notwendig. Nur woran gespart wird, dazu gibt es unterschiedliche Auffassungen. Hinzu kommt, dass der künftige Präsident auf die Hilfe des Senats und Repräsentantenhauses angewiesen ist. Ein Problem, vor dem Biden aktuell steht.

Die wichtigsten Termine der US-Wahl im Überblick:

  • 16. Oktober 2023: Deadline für republikanische Kandidaten, um in Nevada zur Wahl zugelassen zu werden

  • 8. November 2023: Dritte republikanische Debatte in Miami, Florida

  • 15. Januar 2024: Erstes republikanisches Primary in Iowa

  • 3. Februar 2024: Erstes demokratisches Primary in South Carolina

  • 5. März 2024: Super Tuesday, der früheste Zeitpunkt, an der sich ein Kandidat die Nominierung zum US-Präsidenten sichern kann

  • 15. bis 18. Juli 2024: Nominierungskonvent der Republikaner

  • 19. bis 22. August 2024: Nominierungskonvent der Demokraten

  • 5. November 2024: Wahltag

Kopf-an-Kopf-Rennen auch bei der kommenden Wahl erwartet

Cantrill und Wilding gehen davon aus, dass es wieder auf ein Duell zwischen Biden und Trump hinausläuft. Im Lager der Demokraten gibt es nahezu keine Herausforderer. Sollte Biden aus gesundheitlichen oder anderen Gründen ausfallen, würde die Wahl wohl auf Vize-Präsidentin Kamala Harris hinauslaufen. 

Bei den Republikanern ist das Rennen zwar offener, Trump führt das Feld jedoch bislang an. Erst, wenn andere Kandidaten ausscheiden, könnte ein anderer Kandidat Trump gefährlich werden. Ein Name, der dabei oft genannt wird, ist Ron DeSantis. Zuletzt hat der Gouverneur Floridas in den Umfragen immer weiter an Boden verloren. Chancen hätten wohl der 38-jährige Biotech-Unternehmer Vivek Ramaswamy und die 51-jährige Ex-UN-Botschafterin Nikki Haley. Dafür müsste sich das Kandidatenfeld zunächst lichten. Erst dann könne man erkennen, ob sich ein gefährlicher Herausforderer für Trump herauskristallisiert. 

Aktuell können Cantrill und Wilding noch keinen Favoriten zwischen Biden und Trump ausmachen, die Wahlen in den USA sind traditionell ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Eine Gefahr, speziell für die Demokraten, könnte jedoch ein unabhängiger Kandidat sein. Im Jahr 2016, als Trump gewann, verloren die Demokraten empfindliche Stimmanteile an den unabhängigen Kandidaten Gary Johnson. Die Green Party könnte im kommenden Jahr eine ähnliche Rolle spielen.

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