Klimagipfel in Durban „Trippelschritte statt Siebenmeilenstiefel“

Klimagipfel in Durban: „Trippelschritte statt Siebenmeilenstiefel“ | © Getty Images

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2011 ist ein Rekordjahr! Leider ist es ein trauriger Rekord. Noch nie wurde so viel CO2 in unsere Atmosphäre emittiert wie in diesem Jahr. Deutlicher kann nicht gezeigt werden, wie machtlos die weltweiten Bemühungen um mehr Klimaschutz sind.

Feierte man 2009 den Rückgang der Emissionen auch als Teilerfolg der globalen Klimaverhandlungen, so wird nun klar, dass letztlich nur die Weltkonjunktur den CO²-Ausstoß diktiert. Sobald in China wieder alle Werkbänke ausgelastet sind und das Weltbruttosozialprodukt wächst, qualmen weltweit die Schlote.

Unverändert zielen die politischen Bemühungen primär auf konventionelles Wirtschaftswachstum ab. Die tradierten Handlungssysteme unserer Politiker lassen es nicht zu, Staatsschulden ohne mehr Bruttosozialprodukt zu senken und soziale oder ökologische Probleme zu lösen. Kein Wunder also, dass spätestens seit Ausbruch der Euro-Krise Umweltschutz wieder zu einem Randthema geworden ist und die aktuell tagende Weltklimakonferenz es schwer hat, mit handfesten Lösungen auf die Titelseiten der Zeitungen zu gelangen.

Doch auch ohne Konjunktursorgen und nicht enden wollende Euro-Krise wären in Durban drei sehr dicke Bretter zu bohren. Erstens: Klima ist volkswirtschaftlich betrachtet ein „öffentliches Gut“. Anders als bei privaten Gütern versagen hier also die klassischen Marktmechanismen. Obwohl diese Erkenntnis schon seit Jahrzehnten die Lehrbücher füllt, gibt es bis heute außer gesetzlichen Verbotsvorschriften in keinem Land der Welt bewährte ökonomische Lösungen zur effizienten Verteilung des Klimaverbrauchs.

Zweitens: Das Konzept des CO2-Zertifikate-Handels steckt immer noch in den Kinderschuhen und findet keine hinreichende politische Akzeptanz. Die Dinge werden nicht einfacher dadurch, dass eine Limitierung der Emissionen zugleich auch zu einem ökonomischen Verteilungsproblem führt. Wenn man die Verschmutzungsrechte nach Köpfen der Bevölkerung verteilt, was basisdemokratisch sicherlich zu begrüßen wäre, käme es zu einer gewaltigen Umverteilung von den Industrieländern hin zu den Schwellen- und Entwicklungsländern. Kaum vorstellbar, dass die Industrieländer in Durban einer wirtschaftlichen Nettobelastung zustimmen, während sie zeitgleich in den Schwellenländern den Hut kreisen lassen, um Geld für den Euro-Rettungsschirm einzusammeln.

Das dritte Brett ist das dickste: Es geht um die Frage, wie es in einer globalisierten Welt überhaupt möglich ist, weltweit einheitliche Rahmenbedingungen politisch zu legitimieren. Schon innerhalb der Europäischen Union scheitern sinnvolle Initiativen wie beispielsweise die Finanztransaktionssteuer. Derzeit haben auf der politischen Weltbühne nur solche Lösungen eine Chance, die alle besser stellen und niemanden schlechter. Eine Utopie.

Visionen wie die von Ernst Ulrich von Weizsäcker oder Franz Josef Radermacher von einem Megawachstumszyklus durch Ressourceneffizienz können mittelfristig sicher helfen, kurzfristig sind von der UN-Klimakonferenz jedoch nur „Trippelschritte“ zu erwarten, wo „Siebenmeilenstiefel“ gefragt wären.


Anstatt nun aber die Hände in den Schoß zu legen, steht es jedem mündigen Bürger zu, seinen eigenen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Es sind nicht die Regierungen, sondern die Unternehmen, die für die Umsetzung von klimafreundlichen Technologien verantwortlich sind. An jedem Cent, den Sie sparen und investieren, klebt auch ein Stimmzettel: Investieren Sie weiter konventionell oder investieren Sie unter nachhaltigen Aspekten, etwa über Nachhaltigkeitsfonds? Immer mehr der nachhaltigen Fonds und Banken nutzen und bündeln die Stimmrechte der Aktionäre und Geldgeber, um Einfluss auf die Unternehmen zu nehmen. Je mehr Engagement die Bürger für das Klima zeigen, desto leichter haben es auch die Politiker, unbequeme aber notwendige Lösungen zur Vermeidung der Klimakatastrophe zu beschließen.

Andreas Korth leitet das Good Growth Institut für globale Vermögensentwicklung und berät den BN&P Good Growth Fund (WKN: HAFX2F) bei der Auswahl von sozialen Investments. Der BN&P Good Growth Fund ist ein ethischer Mischfonds mit einem starken Schwerpunkt im Bereich Mikrofinanz. Als Vermögensverwalter und Finanzplaner berät Andreas Korth mit seinem Unternehmen WerteWachstum Hartl, Korth & Co. auch eigene Kunden im privaten und institutionellen Bereich.