private banking magazin: Herr Knichel, Sie haben Tresono rund 15 Jahre operativ geführt. Wie haben Sie die Übergabe an Herrn Ernesti vorbereitet?
Stephan Knichel: Als Family Office betonen wir immer, dass wir bei unseren Mandantenfamilien generationenübergreifend denken. Ab einem bestimmten Alter fragen die Mandanten dann natürlich auch uns: Wie lange bleiben Sie uns erhalten, und wie geht es danach weiter? Diese Frage stellen sie zu Recht. Wir haben bei der Gründung bewusst eine Marke geschaffen, statt die Firma nach uns Gründern zu benennen, um uns unabhängiger von einzelnen Personen zu machen. Trotzdem bleibt unser Geschäft ein People's Business. Es hängt an persönlichen Beziehungen.
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private banking magazin: Herr Knichel, Sie haben Tresono rund 15 Jahre operativ geführt. Wie haben Sie die Übergabe an Herrn Ernesti vorbereitet?
Stephan Knichel: Als Family Office betonen wir immer, dass wir bei unseren Mandantenfamilien generationenübergreifend denken. Ab einem bestimmten Alter fragen die Mandanten dann natürlich auch uns: Wie lange bleiben Sie uns erhalten, und wie geht es danach weiter? Diese Frage stellen sie zu Recht. Wir haben bei der Gründung bewusst eine Marke geschaffen, statt die Firma nach uns Gründern zu benennen, um uns unabhängiger von einzelnen Personen zu machen. Trotzdem bleibt unser Geschäft ein People's Business. Es hängt an persönlichen Beziehungen.
Angela Müller-Valkyser und ich haben Tresono sieben Jahre lang gemeinsam geführt. Uns war wichtig, die Nachfolge im Einvernehmen mit Aufsichtsrat und Aktionären anzugehen. Zuerst haben wir ein Profil erstellt: Welche Fähigkeiten sollte der Kandidat mitbringen, welches Alter und welchen fachlichen Hintergrund sollte er haben? Die Suche war auch deshalb nicht einfach, weil wir eine unternehmerische Persönlichkeit wollten. Jemanden, der sagt: Ich will ein Tresono 2.0 bauen und die nächsten 15, 20 Jahre weiterführen.
Heute steht ein Vorstand an der Spitze, flankiert von zwei fachlich verantwortlichen Principal-Partnern. Die beiden ehemaligen Vorstände bleiben in beratender Funktion, damit die Kunden uns weiter sehen und erreichen. Nach unserem Eindruck honorieren die Mandanten diesen Übergang.
Mit Marco Joch und Lars Hennenberg sind zwei Principals in die Geschäftsleitung gerückt, aber nicht in den Vorstand. Was unterscheidet die beiden Ebenen?
Marc Ernesti: Im Außenverhältnis bin ich der Vorstand, vertretungsberechtigt und verantwortlich. Zu Jahresbeginn saßen wir noch zu dritt im Vorstand, da ist schnell der Gedanke gereift: Wie viel Vorstand braucht ein so überschaubares Office? Reicht nicht ein Entscheider mit starkem fachlichem Unterbau? Die operative Verantwortung, die Rolle als Compliance-Beauftragter oder als KI-Beauftragter kann ich abdecken, und es ergibt Sinn, das an einer Stelle zu bündeln.
Die Immobilienseite hat früher Stephan Knichel verantwortet, die Anlageseite Angela Müller-Valkyser. Beides wollten wir auf ein solides Fundament stellen, mit jemandem, der sich von morgens bis abends damit beschäftigt. Deshalb führt Lars Hennenberg den Immobilienbereich. Marco Joch bringt fast 30 Jahre Kapitalmarkterfahrung mit und deckt die Investmentthemen ab. Mit beiden arbeite ich eng zusammen. Grundsätzliche Fragen zu Tresono bespreche ich mit ihnen genauso wie mit Stephan Knichel und Angela Müller-Valkyser sowie mit unserem Aufsichtsrat.
Sie führen alle zehn Mitarbeiter auch disziplinarisch selbst. Andere Chefs setzen für Urlaubsanträge und Mitarbeitergespräche lieber einen Stellvertreter ein.
Ernesti: Ich habe jahrelang im Konzern gearbeitet, dort ist es üblich, mit Cluster Leads und Product Ownern zu führen, die fachliche Verantwortung haben, aber kein Personal führen. Unser Office ist dafür zu klein. Und ehrlich gesagt: Zehn Leute schaffe ich, da habe ich schon andere Führungsspannen erlebt.
Herr Knichel, Sie sitzen jetzt im Aufsichtsrat und beraten zugleich. Was genau sind Ihre Aufgaben?
Knichel: Das trenne ich. Als Aufsichtsrat beaufsichtige und berate ich. Als Berater bleibe ich Ansprechpartner für bestimmte Mandanten, vor allem für die Generation, die ich über viele Jahre betreut habe. Manche Familien kenne ich schon aus der Zeit vor Tresono. Gleichzeitig können wir der Next Generation Ansprechpartner anbieten, die ihr vom Alter her näher sind.
Ernesti: Wir sprechen zum Teil mit drei Generationen: mit den Prinzipalen, die das Vermögen aufgebaut haben, mit der zweiten Generation in meinem Alter und mit deren Kindern, die so alt sind wie meine. Auch bei Tresono arbeiten inzwischen drei Generationen. Stephan Knichel und Angela Müller-Valkyser kennen die Senioren seit Jahren und beraten sie weiter. Dann folgt unser Mittelbau zwischen grob 30 und Mitte 50. Und die jüngeren Kollegen, Mitte bis Ende 20, sprechen mit den Kindern auf Augenhöhe.