Trends und Technologien mit Sprengkraft Das Private Banking im Jahre 2025

Dr. Pero Mićić (links) und Bernd Hinrichs von der Future Management Group

Dr. Pero Mićić (links) und Bernd Hinrichs von der Future Management Group

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Zukunft ist immer schon da, sie ist nur noch nicht bei jedem angekommen. Und weil das so ist, sehen einige wenige künftige Umfeldentwicklungen früher als andere, adaptieren einige wenige diese Entwicklungen früher als andere in ihren Geschäftsmodellen und verschaffen sich damit Wettbewerbsvorteile.

Aber nur wer kontinuierlich am Ball bleibt und die für seinen Markt relevanten Treiber des Wandels im Blick hat, wer die Entwicklungen in seinen Märkten hinsichtlich ihrer Erwartungswahrscheinlichkeit einschätzt, daraus Auswirkungen in Form von Chancen und Überraschungen für das eigene Unternehmen ableitet und wer auf dieser Basis Entscheidungen trifft, die in die Zukunft passen, verschafft sich dauerhaft Wettbewerbsvorteile. Wir nennen das Zukunftsmanagement.
 
Was nehmen wir aktuell wahr?

Nicht wenige Banken konnten in den vergangen Jahren wirklich tolle Erfolgsgeschichten vermelden. Ein nicht unwesentlicher Erfolgsbeitrag kam dabei aus dem Treasury der einzelnen Häuser. Die Verantwortlichen haben hier einen wirklich guten Job gemacht, sie waren ein Segen. Und in der Hoffnung, dass dies auch noch lange andauert, ist man ein wenig träge geworden, weil man sich an die sprudelnden Einnahmen aus dem Treasury gewöhnt hat.

Und es kam, wie es kommen musste. Aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase versiegt dieser Ergebnisbeitrag mehr und mehr. Aus einer ehemals sprudelnden Quelle ist ein kleines Rinnsal geworden. Das Geld muss auf einmal wieder primär im operativen Geschäft mit den Kunden verdient werden.

Aber auch hier ist die Zeit nicht stehen geblieben. Ganz im Gegenteil. Die digitale Transformation, die sich in verändertem Kundenverhalten und in veränderten Bedarfen manifestiert, ist in vollem Gange.

Andere würden sogar behaupten, dass sie erst jetzt so richtig begonnen hat. Mit dem Effekt, dass sich das Geschäftsmodell von Banken grundlegend verändern muss, will man denn auch zukünftig am Markt existieren und wahrgenommen werden. Die vermeintlich in den Chefetagen aktuell am häufigsten gestellte Frage ist wohl die Frage, womit wir in zehn Jahren noch unser Geld verdienen werden.

Leider fehlen vielen Banken gegenwärtig die Antworten auf diese Frage. Und daher ist es nur verständlich, wenn das Wehklagen immer lauter wird und sich gegen jene richtet, die ihre Geschäftsmodelle schlicht schneller an die Kundenanforderungen ausrichten.

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EXKURS: Der Kunde ist bereits Futurist
Der Kunde ist schon heute „Always-on“, kauft schon heute virtuell ein, nutzt für seine Kaufentscheidungen schon heute Vergleichsportale und seine Community, bezahlt mobil schon heute ohne Bargeld, lernt schon heute „On-Demand“, ist entspannt im Umgang mit seinen Daten, wenn der Mehrwert ihm viel Bequemlichkeit liefert, ist schon heute emanzipierter und weniger loyal gegenüber seiner Bank.
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Und jetzt? Was kommt noch auf uns zu? Worauf müssen wir uns in den nächsten Jahren einstellen? Hierzu zwei Annahmen.

Was kommt auf uns zu?

Annahme: Im Jahr 2025 bieten alle Banken ihren Kunden vergleichbare Technologien und Systeme für die Beratung, den Kauf und die Abwicklung von Finanzdienstleistungen an. Technologien und Systeme sind kein Differenzierungsmerkmal mehr.

Rückblickend aus dem Jahr 2025 haben die Banken, getrieben von den Fintechs dieser Welt, große Anstrengungen unternommen, um ihren Kunden ein digitales und einfach zu nutzendes Angebot machen zu können.

Dieser Prozess ging einher mit der Überlagerung der virtuellen und der realen Welt. Die in den vergangenen Jahren nicht selten geführte Diskussion über die Kannibalisierung der verschiedenen Vertriebswege verstummte, weil der Kunde den Takt vorgab.

Die Menschen haben sich in den vergangenen Jahren daran gewöhnt, ihre finanziellen Angelegenheiten in der virtuellen Welt zu regeln oder ihre Finanzdienstleistungen in der virtuellen Welt zu kaufen. Sie sind immer sicherer und vertrauter im Umgang mit den digitalen Technologien geworden. Sei es bei der Abwicklung des Zahlungsverkehrs, beim Wechsel der Bankverbindung, bei der Kontoeröffnung, bei der Geldanlage oder bei der Finanzierung einer Immobilie.

Der Kunde nutzt immer häufiger die Möglichkeiten der virtuellen Welt. Was nicht heißt, dass er auf die persönliche Beratung oder den Face-to-Face-Kontakt verzichtet. Nur nicht mehr so häufig. Und auch nicht immer persönlich vor Ort, sondern mittels Online-Meetings.

Wenn Sie heute Ihre Kunden fragen, ob sie sich eine persönliche Beratung, den Rat ihres Beraters in einer Filiale in ihrer Nähe wünschen, dann werden Ihnen Ihre Kunden mit hoher Wahrscheinlichkeit antworten, dass sie sich genau das wünschen.

Warum? Weil sie es so kennen. Weil sie sich Sicherheit wünschen für den Fall, dass sie einen Rat brauchen und dann mal kurz um die Ecke in die Filiale gehen können und alles ist gut. Faktisch ist es aber schon heute so, dass immer weniger Menschen in die Filialen kommen. Und im Jahr 2025 werden sie es noch viel seltener tun. Weil sie gelernt haben, dass sie immer seltener die Filiale oder den Ratgeber in der Bank brauchen.