Finanzierung von „Fürst“ Institutionelle Investoren fürchten hohe Verluste bei Berliner Bau-Großprojekt

Blick auf das Immobilienprojekt „Fürst“ in Berlin

Blick auf das Immobilienprojekt „Fürst“ in Berlin: Mehrere institutionelle Investoren befürchten einen Totalverlust. Foto: Imago Images / Stefan Zeitz

Auf Berlins größter Baustelle fehlt Geld – das sollen nun mehrere institutionelle Investoren für das Immobilienprojekt „Fürst“ nachschießen. Denn weil sich die Baukosten um 100 Millionen Euro erhöhten, reicht das Geld der Gläubiger nur für 85 Prozent der aktuell prognostizierten Aufwendungen. Die Baustelle steht deswegen still – und um die Finanzierung ist laut eines Berichts des Handelsblatts ein zähes Ringen zwischen einem Hedgefonds, dem luxemburgischen Immobilienkonzern Aggregate, der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder VBL sowie weiteren institutionellen Investoren entstanden.

VBL könnte das Zünglein an der Waage sein

Einige kleinere Investoren wie die Versorgungskasse der Dachdecker oder die Kaufmännische Krankenkasse fürchten herbe Verluste, sollten sie als Gläubiger Geld nachschießen müssen. Denn: Sollte der Immobilienkonzern Aggregate den Gerichtsstand nach Großbritannien verlegen, könnte ein Gericht kleinere Versicherer und Pensionskassen dazu zwingen, weiter Kapital zu investieren. Dem Schritt müssten allerdings drei Viertel der Gläubiger zustimmen, die Stimmen der VBL könnten dabei den Ausschlag geben. Laut des Berichts ärgern sich einige Vertreter der kleineren Investoren über das Vorgehen von Aggregate und des Hedgefonds – und fürchten, dass die VBL mit ihrer Stimme sie und damit das für Pensionäre investierte Kapital in Bedrängnis bringen könnte.

 

Die VBL ist über den Asset Manager Axa IM Alts an der Finanzierung des Immobilienprojekts beteiligt. Andere Investoren einer nachrangigen Finanzierungstranche von rund 200 Millionen Euro werden von der Bank Safra Sarasin vertreten, die wiederum hat in Luxemburg Anträge auf Eröffnungen eines Insolvenzverfahrens für die „Fürst“-Gesellschaften beantragt. Ein Aggregate-Vertreter sieht darin unnötigen Druck auf das Projekt, und weist auch die Befürchtungen zurück, dass kleinere Investoren mehrere hundert Millionen Euro verlieren könnten. Sie seien im Gegensatz zu den von der Bank Safra Sarasin vertretenen Investoren erstrangige Gläubiger.

Weitere Streitpunkte, die das Handelsblatt im Artikel nennt, sind ein mögliches Kaufangebot für das Projekt, die Verlegung des Verfahrens nach Großbritannien und eine Übervorteilung größerer Investoren zulasten kleinerer institutioneller Anleger. Auch der aktuelle Wert der Immobilie sei inzwischen weit entfernt zum prognostizierten Immobilienwert. Wie es mit dem Projekt weiter geht, scheint vorerst unklar.

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