ABSOLUTE RETURN

Seit sechs Jahren steigen weltweit die Kurse an den meisten Aktienmärkten. Es gab viel zu verdienen, aber auch einiges zu verlieren. Für Finanzprofis ist die gestiegene Volatilität ein Segen. Sie profitieren von den Schwankungen und sind Turbulenzen gewohnt. Für Investoren, die einen realen Kapitalerhalt anstreben und sich mit 3 bis 5 Prozent Rendite zufriedengeben, sind die Schaukel-Börsen ein Fluch.

Foto: inkje/Photocase

Die Zeit ist reif

Das Klima auf dem Kapitalmarkt wird zunehmend rauer. Dass keine Fondsgruppe schneller wächst als Liquid Alternatives, ist kein Zufall. Viele dieser Fonds nehmen im Sinn von Absolute Return für sich in Anspruch, möglichst unabhängig von Börsenkurs- und Leitzinsverlauf das Kapital ihrer Anleger vermehren zu können. Und belegen dies: Den stürmischen Börsensommer 2015 konnten die Portfolios meist mit geringeren Schäden als konventionelle Fondsstrategien überstehen, ihr Anteilspreis schwankt außerdem weniger. Investoren haben alternative Strategien schon ins Herz geschlossen und im Vorjahr rund 90 Milliarden Euro zusätzlich in Ucits-regulierte Portfolios bewegt.

Wie der Jahresanfang 2016 bestätigt, ist ein Ende der ungemütlichen Wirtschaftswetterlage rund um den Globus vorerst nicht abzusehen. Nahezu im Monatstakt ausgedehnte Hilfsmaßnahmen der europäischen Zentralbank, ein abgebremstes Wirtschaftswachstum in China sowie eine US-Notenbank, die Zinsgeister ruft und kaum mehr loswird, lassen die Zweifel eher wachsen. Das konventionelle Arsenal von Politik und Währungshütern erscheint in weiten Teilen verschossen. Wie deren Entscheidungsträger künftig einen erneuten Schock für die Wirtschaft absorbieren wollen, steht in den Sternen.

Anleger reagieren hektisch, insbesondere an den Börsen wird es zunehmend turbulent. Entsprechend legen die Fondsanbieter fleißig weitere Produkte auf, die Absolute Return in Aussicht stellen. Diese wollen das Risiko heftiger Rückschläge senken, zugleich aber ansprechende Renditen abliefern. In der Vergangenheit sind allerdings nicht wenige dieser Produkte an den eigenen zu hohen Ansprüchen gescheitert. Inzwischen formulieren die Gesellschaften ihre Ziele realistischer und sind obendrein überzeugt, mit ihren ausgeklügelten Strategien die kommenden Hürden nehmen zu können.

Die Experten

Steve Cordell, Schroders

Steve Cordell (geboren 1968) ist Experte für europäische Aktien und hat über 20 Jahre Erfahrung im Investmentbereich. Er wechselte mit der Übernahme von Cazenove Capital im Jahr 2013 zu Schroders. Die Strategie für den European Equity Absolute Return verfolgte er dort bereits seit 2003.

Fonds-Porträt |  Interview
Aron Pataki, BNY Mellon

Aron Pataki besitzt 14 Jahre Investmenterfahrung und arbeitet seit 9 Jahren für Newton. Er ist der Lead Portofolio Manager des BNY Mellon Global Real Return Fund, den er zusammen mit Suzanne Hutchins managt. Sein Fokus gilt dabei insbesondere dem Einsatz von Derivaten und Sicherungstransaktionen.

Fonds-Porträt |  Interview

Stabilität durch Absolute Return

Aktien- und Rentenmärkte sind im Achterbahn-Modus, Gold und Rohstoffe im freien Fall, und dann droht auch noch die erste Zinserhöhung nach der Finanzkrise. Da können Sicherheit, Stabilität und etwas Rendite nicht schaden

Ein überdimensionaler Ausdruck des neu gestalteten 10-Dollar-Scheins im US-amerikanischen Nationalarchiv in Washington, D.C. am Tag seiner Einführung am 2. März 2006. Die aktuellen politischen und wirtschaftlichen Ereignisse in den USA sind auch für Manager von Absolut-Return-Fonds höchst relevant. Foto: Getty Images

Kontrollierte Offensive

Investoren wollen Fonds, die allzeit Rendite liefern und dennoch wenig schwanken. Kein Wunder, dass in stürmischen Börsenzeiten zunehmend Portfolio-Strategien mit Absolute-Return-Anspruch in die Depots wandern. Zur Freude der Fondsschmieden, die fleißig neue Angebote nachlegen.

Fiasko in der Finanzwelt: Anstelle eines weiteren Kursfeuerwerks erleben Anleger pünktlich zum Handelsstart 2016 herbe Abstürze. Das Epizentrum des Börsenbebens liegt in China, die Schockwellen verschonen rund um den Globus keinen wichtigen Handelsplatz. Der Fehlstart vernichtet bereits am ersten Tag Börsenwerte von rund 2.200 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die Unternehmen des deutschen Leitindex Dax sind zusammen nicht einmal die Hälfte dieses Betrages wert.

Inzwischen sind die schlimmsten Turbulenzen auf dem Aktienmarkt abgeflaut. Nach dem Absturz klopft der Dax Ende März nur noch von unten gegen die 10.000-Punkte-Marke. Die früheren Spitzenstände jenseits der 12.000 Punkte sind weit entfernt. Und die nächste Runde der Achterbahnfahrt kann jederzeit starten.

Angesichts drohender Kursverluste und unverändert minimaler Zinsen verwundert es kaum, dass Investoren stärker auf Fonds setzen, deren Wert sich weitgehend unabhängig von Aktien- und Anleihemärkten entwickeln kann. Sie wollen weiterhin vorzeigbare Renditen, aber zugleich ihr Risiko begrenzen. Die Gewinner sind Absolute-Return-Strategien, die genau diese Eigenschaften für sich in Anspruch nehmen.

Aron Pataki, BNY Mellon

Aron Pataki besitzt 14 Jahre Investmenterfahrung und arbeitet seit 9 Jahren für Newton. Er ist der Lead Portofolio Manager des BNY Mellon Global Real Return Fund, den er zusammen mit Suzanne Hutchins managt. Sein Fokus gilt dabei insbesondere dem Einsatz von Derivaten und Sicherungstransaktionen.

Fonds-Porträt |  Interview

„Wir setzen auf konjunktur­unab­hängige Unternehmen“

Börsenparty unterbrochen

Der seit Anfang 2009 herrschende Bullenmarkt hatte Produkten dieser Couleur eine lange Durststrecke beschert. Die dürfte vorerst beendet sein, nachdem Investoren ins Gedächtnis gerufen wurde, dass Aktienanlagen auch Verluste mit sich bringen können. Die marginalen Renditen am Rentenmarkt tun ihr Übriges, denn Investoren benötigen Ersatz für Anleihestrategien, die heute nahezu keine Renditen, aber dafür kaum kalkulierbare Risiken mit sich bringen. Besonders beliebt sind zurzeit alternative Investmentfonds, die der europäischen Investment-Richtlinie Ucits entsprechen.

Sollte die Börsen-Party nach sieben Jahren Bullenmarkt nun tatsächlich ihr Ende finden? Soweit sei es noch lange nicht, meinen Experten wie Robert Halver. Der Leiter der Kapitalmarkt-Analyse bei der Baader Bank in Frankfurt erwartet indes, dass der Dax bis Ende des Jahres auf wenigstens 11.500 Punkte durchstartet.

Trotzdem sollten Investoren nicht den Autopiloten einschalten: „Vor allem Aktienkurse werden stärker schwanken“, so Halver. Die zur konjunkturellen Stimulierung großzügigste Zins- und Liquiditätspolitik aller Zeiten sorge auf der Investorenseite für dramatische Anlagenotstände, analysiert der Börsenexperte: „Diese führen dazu, dass weltweit Renditepotenziale bei einzelnen Anlageklassen immer zügiger abgeweidet werden und danach die Anleger-Karawane plötzlich weiterzieht.“ Dies sei aber kein Grund, sich fernzuhalten: Einen großen Absturz werde die Geldpolitik wie bisher verhindern.

Steve Cordell, Schroders

Steve Cordell (geboren 1968) ist Experte für europäische Aktien und hat über 20 Jahre Erfahrung im Investmentbereich. Er wechselte mit der Übernahme von Cazenove Capital im Jahr 2013 zu Schroders. Die Strategie für den European Equity Absolute Return verfolgte er dort bereits seit 2003.

Fonds-Porträt |  Interview

„Bei Wendepunkten heißt es schnell reagieren“

Streuen bei Rutschgefahr

In stark schwankenden aber letztlich seitwärts laufenden Märkten führt nach einhelliger Meinung der Experten kein Weg daran vorbei, Vermögen hinreichend zu streuen und diese Allokation laufend zu hinterfragen.

Allerdings ist dies keine leichte Aufgabe: Während Aktien zurzeit besonders riskant wirken, ist auf dem Rentenmarkt in weiten Teilen kaum noch etwas zu holen. Und insbesondere mit soliden Staatsanleihen und Corporate Bonds, die als sichere Häfen für Kapital gelten, drohen zudem Kursverluste, sobald die Zinsen steigen. Unterdessen macht das schnelle Auf und Ab der Kurse das richtige Timing von Aktien-Investments wichtiger und zugleich schwerer. Aktien zu kaufen und dann möglichst lange zu halten, kann auf absehbare Zeit nicht mehr das ideale Vorgehen sein.

Die Manager von Absolute-Return-Fonds wollen diese Aufgabe mit ausgeklügelten Strategien und großer Flexibilität meistern. Insbesondere die auch unter dem Fachbegriff Liquid Alternatives bekannten Fondsprodukte haben das Zeug zum neuen Verkaufsschlager: Bereits 2015 stieg ihr verwaltetes Vermögen europaweit um rund ein Drittel auf 326 Milliarden Euro. Verglichen mit 2013 hat sich der Bestand damit nahezu verdoppelt.

Besonders gut kamen bei den Anlegern alternative Aktienstrategien an: Im Lauf eines Jahres erhöhte sich das verwaltete Vermögen um rund 57 Prozent auf mehr als 97 Milliarden Euro, Stand Dezember 2015. Long-Short-Equity-Fonds, die auf steigende und fallende Aktienkurse zugleich setzen, waren dabei besonders gefragt. Gleiches gilt für marktneutrale Strategien, die sich vollkommen unabhängig von Aktien- und Rentenmärkten entwickeln sollen. Gemischte Alternatives wie Multi-Strategie-Portfolios stehen diesen Ergebnissen kaum nach, ihr Volumen kletterte im Vorjahr ebenfalls um mehr als die Hälfte.

Die Nachfrage ist mittlerweile so groß, dass etliche Portfolios nach Zuflüssen in Milliardenhöhe bereits keine weiteren Gelder mehr annehmen, um die Renditechancen ihrer Anteilseigner nicht einschränken zu müssen. Um dem Investorengeld dennoch eine Heimat geben zu können, legen die Fondsanbieter fleißig neue Offerten auf. So ist die Anzahl der in Deutschland verfügbaren Fonds im Vorjahr um 43 auf 562 gestiegen.

Warum wirken die Angebote dermaßen reizvoll?

Erstens: Weil sie den Gefahren auf den Aktien- und Rentenmärkten aus dem Weg gehen können, da sie sich nur selten im Einklang mit anderen Anlageklassen entwickeln, also kaum mit diesen korreliert sind. Das erreichen ihre Manager, indem sie beispielsweise Teile ihres Vermögens in weniger liquide Anlagen investieren, auf sinkende Kurse setzen oder mit einem Hebel anlegen.

Zweitens: Obwohl Liquid Alternatives Hedgefonds-Strategien nutzen, sind sie durch die Anpassung an die Ucits-Regeln täglich handelbar. Das macht sie zusätzlich attraktiv. Dass die Nachfrage aktuell so dramatisch ansteigt, ist allerdings der außergewöhnlichen Situation auf den Kapitalmärkten geschuldet. So erschwert nicht nur das homöopathische Zinsniveau die Suche nach rentablen Investments.

Drittens: Viele Experten sind zudem über den aktuellen Zustand der Aktien- und Rentenmärkte und die künftig möglicherweise stärkeren Korrelationen zwischen den Anlageklassen besorgt. Letztere machen vor allem konventionellen Mischfonds das Leben schwer, wie sich bereits im sommerlichen Börsengewitter 2015 abgezeichnet hat. Alternative Strategien könnten den bisherigen Absatzkönigen bald den Rang ablaufen, da sie versprechen, das Kapital unter diesen Umständen besser zu streuen und somit vor Rückschlägen zu schützen.

Hedgefonds geschlagen

Und das machen sie offensichtlich auch besser als ihre nicht regulierten Strategiespender: Hedgefonds haben 2015 kein gutes Jahr erwischt und mussten sogar Verluste hinnehmen. Absolute-Return-Fonds konnten dagegen mit einer Performance von gut 3 Prozent punkten, wie aus einer aktuellen Studie von Lupus Alpha hervorgeht. Ihr Volumen stieg demnach 2015 von 153,1 Milliarden Euro auf 191,3 Milliarden Euro. Das entspricht einem Zuwachs von gut einem Viertel.

Verglichen mit dem aktuellen Plus europäischer Standardindizes, wie dem deutschen Dax oder dem europäischen Euro Stoxx, die im gleichen Zeitraum rund 15 Prozent zugelegt haben, fällt der Abstand groß aus. Dies liegt zum einen an den auf stabile Kursverläufe ausgerichteten Strategien, zum anderen an der pauschalen Analyse unterschiedlicher Fonds: „Die Heterogenität alternativer Strategien sorgt regelmäßig dafür, dass sich auch in Zeiten positiver Marktentwicklung im Mittel eher bescheidene Ergebnisse einstellen“, erklärt Michael Busack, Geschäftsführer und Gründer von Absolut Research. Die Hamburger Fondsanalysten prüfen alternative Anlagestrategien für institutionelle Investoren. Diese steuern rund ein Drittel des Volumens im Absolute-Return-Bereich bei. Das Niedrigzinsumfeld überzeugt Investoren jeder Größe, verstärkt in liquide alternative Strategien zu investieren. So ersetzen Absolute-Return-Strategien zunehmend traditionelle Anlagen.

Die 2015er Rendite von 3 Prozent fiel geringer als 2014 aus, die Ergebnisse von Anleihemärkten und Hedgefonds-Indizes haben die alternativen Ucits-Fonds aber klar übertroffen.

Langfristig das gleiche Bild: Im Laufe der zurückliegenden fünf Jahre haben Hedgefonds 1,1 Prozent pro Jahr an Wert verloren, Absolute-Return-Fonds erwirtschafteten dagegen im selben Zeitraum ein jährliches Plus von 2,7 Prozent.

Das klingt übersichtlich, geht aber mit einer deutlich geringeren Volatilität einher. Das heißt, der Anteilspreis entwickelt sich stabiler als etwa bei Aktienfonds, die nur auf steigende Kurse setzen können. Außerdem können alternative Strategien Verluste begrenzen. So haben europäische Long-Short-Aktienfonds in den zurückliegenden zehn Jahren meist nicht einmal die Hälfte der Rückschläge konventioneller Portfolios hinnehmen müssen.

Analysten überzeugt

„Dass dieses Vertrauen der Investoren gerechtfertigt ist, zeigen die Fonds dieses Segments regelmäßig in Krisenzeiten“, so Absolut-Research-Chef Busack. Vergleiche man die Wertentwicklung europäischer Aktien mit entsprechenden Long-Short-Strategien, stelle man fest, dass deren Verluste in kritischen Phasen wie beispielsweise 2008 oder im Sommer 2015 deutlich geringer ausfallen.

Hinten sicher stehen und vorne die Chancen nutzen – beim Fußball hieß das einst „Kontrollierte Offensive“. Der legendäre Trainer Otto Rehhagel hat mit dieser Taktik unzählige Siege errungen, unter anderem Griechenland zum Europameister gemacht. Dieser Erfolg lässt sich volkswirtschaftlich wohl mit keiner Taktik der Welt wiederholen. Aber Absolute-Return-Fonds können mit ihrer kontrollierten Offensive weiterhin Absatzerfolge feiern. Dafür müssen sie aber richtig an den Anleger gebracht werden.

Dass dabei der weiter gefasste Begriff der alternativen Fonds populärer wird und das Absolute-Return-Siegel zurückdrängt, begrüßt Busack. Schon lange fordert der Experte, die vorhandenen Vorteile der Produkte aufzuführen statt unhaltbare Versprechen abzugeben: „Absolute Return suggeriert dem Anleger, es ließe sich in jeder Marktsituation Rendite erzielen. Das ist natürlich Mumpitz. Ein Produkt, das null Risiko hat, gibt es nicht.“

Stattdessen verweist Busack auf das sogenannte asymmetrische Rendite-Risiko-Profil alternativer Investmentfonds:

„Die Produkte arbeiten mit einer Absicherung nach unten und begrenzen so Verluste. Dennoch können sie in hinreichendem Maß Renditechancen wahrnehmen.“

Eine ansprechende Performance setzt nach Einschätzung des Absolute-Return-Kenners ebenso wie bei anderen Produkttypen voraus, dass Investoren die Fonds sorgfältig auswählen. Das ging Rehhagel mit seinen Spielern kaum anders: Auch König Otto musste für seine kontrollierte Offensive jeweils das richtige Team zusammenstellen, um die anstehenden Aufgaben zu meistern.

Wertzuwachs durch ausgeklügelte Feinjustierung

Seit 2003 nur ein Jahr ohne Wertzuwachs und selbst während der Finanzkrise durchweg positive Renditen. Dafür richtet Steve Cordell, Manager des Long-Short-Aktienfonds Schroder ISF European Equity Absolute Return, seinen Ansatz systematisch nach dem Konjunkturzyklus aus.

Der 17-jährige Surfer Matahi Drollet reitet eine Bilderbuch-Welle vor der Südpazifik-Insel Tahiti. Auch Konjunkturzyklen, die Kern der Strategie des Fonds Schroder ISF European Equity Absolute Return sind, verlaufen wellenförmig. Foto: Getty Images

Die Mission ist klar. Fondsmanager Steve Cordell will mit seinem Absolute-Return-Fonds Renditen unabhängig von den Marktbedingungen erzielen – also möglichst wenig mit der Marktentwicklung korrelieren und auch die Volatilität niedrig halten.

Schroder ISF European Equity Absolute Return
Fondsmanager
Steve Cordell
WKN
A1XB4K
Auflegung
11.02.2014 (Hinweis)
Fondsvolumen in Mio. Euro
292 Millionen Euro

Dafür setzt der Experte für Anlagen in europäische Aktien auf einen strikt am Konjunkturzyklus orientierten Anlageprozess. Cordell und sein Team unterteilen zunächst das Aktienuniversum in sieben Gruppen, abhängig davon, wie die einzelnen Segmente mit dem Konjunkturzyklus in wechselseitiger Beziehung stehen.

Auf der einen Seite stehen Unternehmen aus Branchen, deren Wertentwicklung stark positiv mit dem Konjunkturzyklus korreliert: zyklische Rohstoffe, zyklische Konsumgüter und zyklische Industriegüter. Dann folgen Wachstums- und Finanzwerte mit einer geringeren Korrelation. Und schließlich defensive Wachstums- und Substanzwerte, die negativ mit dem Zyklus korrelieren. Insgesamt beinhaltet das Portfolio auf der Long- und Short-Seite jeweils zwischen 30 und 50 Titel.

Auf dieser Grundlage versucht das Management, das Portfolio in jeder Phase des Konjunkturzyklus mit Aktien aus den jeweils passenden Gruppen zu bestücken. In der Aufschwungphase beispielsweise werden Long-Positionen bei Industriewerten und zyklischen Konsumgütern aufgebaut, während das Portfolio in defensiven Bereichen Short positioniert ist, also auf fallende Kurse setzt. Umgekehrt hält Cordell in der Rezessionsphase normalerweise Long-Positionen in defensiven Titeln und geht Short bei den zyklischen Aktien. Auf diese Weise wird das Risikoniveau auf dem Weg durch den Konjunkturzyklus immer wieder auf das festgelegte Niveau angepasst.

Ansprechpartnerin

Caterina Zimmermann, Schroders

Caterina Zimmermann
Vertriebsleiterin
Schroder Investment Management GmbH
Taunustor 1
60310 Frankfurt am Main
069-975717251
[email protected]

Die ausgeklügelte Feinjustierung des Portfolios macht allerdings nicht bei den sieben genannten Gruppen halt. Auch die Marktkapitalisierung beeinflusst die Titelauswahl: Normalerweise bevorzugt Cordell zu Beginn des Aufschwungs Long-Positionen in Mid Caps. Gegen dessen Ende geht er bei diesen Werten dann Short-Positionen ein und gibt stattdessen den stärker kapitalisierten Large Caps mit niedrigerem Beta den Vorzug, also Titeln, die der breiten Marktentwicklung in der Regel weniger stark folgen.

Und das mit beachtlichem Erfolg: Die Korrelation zum FTSE World Europe Index liegt seit 2003 bei 0,09 und das Beta bei 0,04. Per 31.01.2016 erzielte der European Equity Absolute Return über 3 Jahre eine Gesamtrendite von 19,8 Prozent und im Jahr 2015 eine Rendite von 7,2 Prozent.

Interview

Steve Cordell, Schroders

Steve Cordell (geboren 1968) ist Experte für europäische Aktien und hat über 20 Jahre Erfahrung im Investmentbereich. Er wechselte mit der Übernahme von Cazenove Capital im Jahr 2013 zu Schroders. Die Strategie für den European Equity Absolute Return verfolgte er dort bereits seit 2003.

„Bei Wendepunkten heißt es schnell reagieren“

Herr Cordell, Sie verfolgen einen am Konjunkturzyklus orientierten Ansatz. Wie ermitteln Sie, in welchem Stadium sich der Zyklus gerade befindet und wann eine Wende ansteht?

Im Zentrum steht unser monatliches Strategie-Meeting: Hier nehmen wir die aktuellen gesamtwirtschaftlichen Daten und die mögliche Änderungen im Konjunkturzyklus unter die Lupe. Konkret betrachten wir bestimmte Frühindikatoren, etwa den Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe. Außerdem schauen wir uns Indizes wie den deutschen Ifo-Geschäftsklimaindex und natürlich den ZEW-Index zum Vertrauen der Anleger im Euroraum an. Sobald wir einen Wendepunkt erkannt haben, passen wir das Risikoprofil des Fonds an die neue Phase im Konjunkturzyklus an.

Heißt das, dass die Rotation im Portfolio relativ hoch ist?

Zu den Wendepunkten ist die Rotation im Portfolio von entscheidender Bedeutung – sie kann also in diesen Schlüsselphasen durchaus hoch sein. Ist so ein zyklischer Wendepunkt erst einmal identifiziert, heißt es schnell reagieren und das Risikoprofil anpassen: Andernfalls besteht die Gefahr, dass wir Gelegenheiten verpassen.

Welche Rolle spielt die Titelauswahl in Ihrem Prozess?

Sie ist ein entscheidender Faktor. Denn unser auf den Konjunkturzyklus abgestimmter Ansatz schließt Stockpicking keineswegs aus. Konkret steht am Anfang eine fundamentale Analyse, mit der wir gezielt die fehlbewerteten Titel ermitteln – denn genau in diesen Werten liegen unsere Chancen. Wir analysieren die Gewinnzyklen der Unternehmen, damit wir rechtzeitig einsteigen können, bevor sich die Gewinnprognosen im Verhältnis zum Markt wieder ändern. Daneben berücksichtigen wir Kennzahlen wie die Cashflow-Rendite auf das investierte Kapital und ermitteln so, ob das Unternehmen einen wirtschaftlichen Wert erzeugt.

Wie beurteilen Sie den Konjunkturzyklus derzeit?

Unserer Meinung nach befinden wir uns aktuell in einer Phase wirtschaftlicher Erholung, die allerdings in den letzten Monaten an Fahrt verloren hat – etwa durch den Verfall der Rohstoffpreise und die Abkühlung in China. Für das Gesamtjahr 2016 erwarten wir ein moderat positives Wirtschaftswachstum. Aus unserer Sicht sind die Kursrückgänge am Jahresanfang zu stark ausgefallen; deswegen sollte Aufwärtspotenzial an den Aktienmärkten bestehen. Allerdings rechnen wir mit dauerhaft hoher Volatilität und gehen von weiteren temporären Rückschlägen aus. Entsprechend setzen wir aktuell auf eine Kombination aus defensiveren und offensiveren Sektoren, um einerseits die Chancen am Markt auszuschöpfen, ohne die bestehenden Risiken aus den Augen zu verlieren. Per Ende Februar hatte das Portfolio eine Netto-Long-Position von rund 17 Prozent. Grundsätzlich bieten volatile Märkte für Absolute-Return-Strategien immer wieder interessante Möglichkeiten, um sowohl auf der Long- als auch auf der Short-Seite positive Renditen zu erzielen.

Schauen wir zum Abschluss nach Europa: In welchen Bereichen sehen Sie aktuell die besten Chancen?

Makroökonomisch sehen wir als Chance, dass sich die wirtschaftliche Erholung weiterhin verstärkt, und zwar vor dem Hintergrund einer expansiven Geldpolitik der Zentralbanken. Auch eine nachhaltige Stabilisierung der Rohstoffpreise würde dem Markt einen aufwärtsgerichteten Impuls geben. Die positive Konsumdynamik betrachten wir ebenfalls als Chance. Wir sind aktuell in Bereichen übergewichtet, die vom steigenden Konsumumfeld profitieren. Auf der defensiven Seite sind dies Güter des täglichen Bedarfs. Bei Finanzwerten bevorzugen wir Versicherungen gegenüber Banken. Vor dem Hintergrund ansteigender Rohstoffpreise stocken wir derzeit Industrieunternehmen auf und auch im Rohstoffbereich selbst finden wir interessante Unternehmen.

Kapitalerhalt steht an erster Stelle

Die volatilen Märkte sind für die beiden Fondsmanager des BNY Mellon Global Real Return Fund (EUR), Suzanne Hutchins und Aron Pataki, eine Herausforderung: Auf der einen Seite wollen sie für ihre Anleger in schwierigen Zeiten Kapital erhalten und auf der anderen Seite eine stabile Rendite erwirtschaften – bei möglichst geringer Volatilität.

Eine Künstlergruppe rollt das Microsoft-Logo anlässlich des Starts des Betriebssystems Windows Vista an der Wand eines siebenstöckigen Hauses in New York aus. Die Microsoft-Aktie ist eine der Top-Positionen im BNY Mellon Global Real Return Fund. Foto: Getty Images
BNY Mellon Global Real Return Fund (EUR)
Fondsmanager
Aron Pataki und Suzanne Hutchins
WKN
A0RP2E
Auflegung
08.03.2010
Fondsvolumen in Mio. Euro
2.841 Millionen Euro

Disclaimer

Seit Jahresbeginn ist es den beiden gelungen, mit ihrem BNY Mellon Global Real Return Fund (EUR) einen Zuwachs von 2,25 Prozent zu erreichen1. Seit Auflegung hat ihr Fonds jährlich eine Rendite von rund 4,7 Prozent erzielt. Bei ihrer Multi-Asset-Strategie spielen Rendite und Risiko der einzelnen Investments eine größere Rolle als die Zugehörigkeit zu bestimmten Assetklassen.

Pataki und Hutchins unterscheiden dabei zwischen dem ertragsorientierten Kern des Portfolios und dem Rahmen, der das Kapital schützen soll und die Volatilität reduziert. Aktuell befinden sich 75 Prozent des Portfolios in stabilisierenden Vermögenswerten und Absicherungspositionen. 25 Prozent halten die Fondsmanager in gewinnorientierten Positionen.

Ertrag und Stabilität: BNY Real Return

Die Investments sind laut Hutchins dabei eher klassisch: Aktien, Anleihen, Bargeld, Gold2 und indexgebundene Anleihen. Derivate nutzt das Fondsmanagement auch, aber nur zur Absicherung des Portfolios. Es werden keine Long-Short- oder Hebelstrategien eingesetzt, um kurzfristig den Gewinn zu steigern.

Der Real Return basiert auf drei zentralen Pfeilern: Erstens wählen die Fondsmanager die Investments individuell aus. Zweitens ist das Portfolios extrem flexibel: Der Kern, also der ertragsorientierte Anteil des Portfolios kann zwischen 0 und 100 Prozent schwanken. So kann das Management flink auf die jeweilige Marktlage reagieren und das Portfolio entsprechend schnell anpassen. Drittens liegt der klare Fokus auf dem Kapitalerhalt über einen langen Zeitraum.

Insgesamt strebt der Fonds eine Wertentwicklung an, die den Geldmarkt, den 1-Monats-Euribor, um 4 Prozent pro Jahr vor Kosten über einen 5-Jahres-Zeitraum übertrifft.3

Dass die Strategie auch in turbulenten Marktphasen aufgeht, konnten die beiden Fondsmanager in den vergangenen Monaten, wie bereits erwähnt, zeigen. Zwar belastete der ertragsorientierte Kern, der hauptsächlich aus Aktien besteht, die Performance des Fonds, und dennoch war die Einzeltitel- und Branchenauswahl erfolgreich: Konsumtitel wurden übergewichtet, Finanzaktien gemieden – und damit schnitten sie besser als der breite Markt ab.

Ansprechpartner

Thilo Wolf, BNY Mellon

Thilo R. Wolf, MBA
Country Head Germany
BNY Mellon Investment Management EMEA Ltd.
Friedrich-Ebert-Anlage 49
60308 Frankfurt am Main
+49 69 12014 1572
[email protected]

Positionen in Staatsanleihen, Derivate sowie in Gold und andere Edelmetalle4 federten die Wertschwankungen nicht nur ab, sondern sorgten für eine positive Fondsentwicklung in diesem Zeitraum. Gold und Minenaktien trugen mit 16,5 Prozent Performance ihren Anteil zur Wertsteigerung bei.

Für das laufende Jahr erwarten die Fondsmanager weiter zunehmende Wertschwankungen auf den Märkten. Dementsprechend haben sie die Portfoliostruktur angepasst und das Risiko reduziert. Um die gesteckten Renditeziele zu erreichen, wollen sich Pataki und Hutchins 2016 verstärkt auf die Einzeltitelauswahl konzentrieren.

Interview

Suzanne Hutchins, BNY Mellon

Suzanne Hutchins verfügt über 24 Jahre Investmenterfahrung und ist seit 18 Jahren für Newton tätig. Als Mitglied des Real Return-Teams obliegt ihr die Verantwortung für die Global Real Return US Dollar-Strategie. Ursprünglich kam sie als Researchanalystin zu Newton, nachdem sie ihr Studium am University College London mit einem BA (Hons) abgeschlossen hatte.

„Wir setzen auf konjunkturunabhängige Unternehmen“

Aron Pataki, BNY Mellon

Aron Pataki besitzt 14 Jahre Investmenterfahrung und arbeitet seit 9 Jahren für Newton. Er ist der Lead Portofolio Manager des BNY Mellon Global Real Return Fund, den er zusammen mit Suzanne Hutchins managt. Sein Fokus gilt dabei insbesondere dem Einsatz von Derivaten und Sicherungstransaktionen.

Wie stellen Sie aktuell ihr Portfolio auf?5

Aktuell befinden sich 75 Prozent unseres Portfolios in stabilisierenden Vermögenswerten und Absicherungspositionen. 25 Prozent halten wir in gewinnorientierten Assets. Im vergangenen Jahr haben wir uns für eine Reduzierung des Risikos entschieden, obwohl es einige starke Bärenmarkt-Rallys gab. Wir glauben aber, dass die Volatilität an den Märkten zunehmen wird und das Abwärtsrisiko steigt.

Im ersten Quartal haben wir unsere Strategie nicht verändert. Nur im Kern, den gewinnorientierten Assets, haben wir zyklische Werte zurückgefahren und dafür mehr in Gesundheitsunternehmen und Versorger investiert. Für den Risikoausgleich haben wir unser Engagement in den US-Dollar und den japanischen Yen ausgeweitet.

Bei festverzinslichen Papieren erwarten wir keine steigenden Zinsen und haben entsprechend unsere Laufzeiten im Portfolio verlängert. Für den Fall, dass die Inflationsrate ansteigen sollte und sich das auf das US-Zinsniveau auswirkt, haben wir uns über Put-Optionen auf US-Long-Bond-Future abgesichert.

Im Portfolio halten wir zudem noch Gold6 und Goldminenaktien. Gold als unabhängige Währung ist gerade in Zeiten von Währungsabwertungen sinnvoll zur Streuung.

Wie wählen Sie ihre Investments aus?

Wir unterscheiden zwischen kurzfristigem Lärm und langfristigen Trends. Damit wir diese Trends auch erkennen, haben wir verschiedene Themen wie beispielsweise „smart Revolution“: Dabei untersuchen unsere Analysten die Risiken und Chancen des technologischen Wandels, während sich die Experten bei „staatliche Intervention“ um die Auswirkungen des politischen Handels kümmern.

Bei der Analyse wendet unser Research-Team fundamentale und quantitative Auswertungen an, um entsprechende Chancen auszuloten. Dabei berücksichtigen sie natürlich die Umwelt-, Sozial- und Governance-Risiken. Am Ende bekommt das Real-Return-Team Empfehlungen, aus denen es das Portfolio zusammenstellt.

Welche Märkte haben für Sie in diesem Jahr das größte Potenzial?

Im heutigen Umfeld suchen wir qualitativ hochwertige und flexible Unternehmen, deren Geschäftsmodell wenig zyklisch ist und hohe Eintrittsbarrieren hat.

Der Gesundheitssektor ist wegen der Überalterung der Gesellschaft und der deswegen zunehmenden Nachfrage ein spannender Markt. Hier haben gerade Unternehmen gute Karten, die die Kosten für Krankenkassen und Patienten reduzieren.

Auch der Infrastruktursektor bietet interessante Möglichkeiten. Gerade Unternehmen, die von staatlichen Programmen profitieren, können eine Investition Wert sein. Wir bevorzugen dabei Versorger und Kreditgeber für den öffentlichen und den privaten Bereich.

Schwellenländeranlagen mögen vielversprechender sein als die US-amerikanischen Pendants. Trotzdem stehen die Schwellenländer vor Problemen. Kräftige Kapitalabflüsse könnten jedoch Chancen im kommenden Jahr bringen.

In den Kreditmärkten werden wir unser Engagement nicht hochfahren. Derzeit bieten High-Yield-Anleihen übermäßige Risiken im Hinblick auf die zu erwartenden Erträge. Doch in den meisten entwickelten Märkten für Staatsanleihen, wo die realen Renditen positiv sind, werden wir ein höheres Zins- und Laufzeit-Risiko eingehen.

Welche Märkte meiden Sie?

Wir glauben, dass die ultra-lockere Geldpolitik der vergangenen Jahre verfehlt ist und zu überhöhten Vermögenspreisen, niedrigen Erträgen, erhöhter Volatilität und Überangebot geführt hat. Wir erwarten eine Fortsetzung der Niedrigzinspolitik. Auch glauben wir, dass die Zentralbanken mit ihrer Geldpolitik immer weniger ein nachhaltiges Wachstum liefern kann, während sich die Gefahr von Kollateralschäden erhöht. Deswegen vermeiden wir Bereiche, die von Überinvestition und Überangebot betroffen sind, insbesondere Unternehmen mit großem Engagement in China, Öl- und Industriemetalle.