Private-Equity Tom Clausen: „Wachstum von 30 bis 40 Prozent“

Tom Clausen

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Muss man ein harter Kerl sein, um Private-Equity-Beteiligungen in Schwellenländern einzugehen?

Tom Clausen: Ach, was heißt harter Kerl? Wer dort erfolgreich sein will, muss ein paar Voraussetzungen erfüllen. Ein Investor muss Chancen aufspüren, die andere nicht sehen oder nicht zu sehen bekommen. Er braucht also vor allem ein sehr gutes Beziehungsnetz. Er muss nicht hart sein, aber smart. Ich denke, das ist in Industrieländern nicht anders.  

Was ist das größte Risiko?

Clausen: Festzustellen, dass ich zu viel bezahlt habe. Das ist in Schwellenländern ein großes Thema, weil die Budgets jährliche Umsatzwachstumszahlen von 30 bis 50 Prozent und mehr vorsehen. Wenn nun die Firma aus irgendwelchen Gründen nicht so schnell wächst, habe ich zu viel bezahlt. Daher ist sehr wichtig, dass Beteiligungen mit einem Abschlag zu den Bewertungen von vergleichbaren Firmen eingegangen werden. Dies erlaubt es, einen Puffer zu schaffen.

Welchen Reiz üben diese Länder auf Sie aus?

Clausen: Da sind erstens die Menschen. Sie sind motiviert und ambitioniert. Zweitens ist es die Dynamik der Volkswirtschaften. Viele traditionelle Güter, die bei uns schon lange kein großes Wachstum sehen, wachsen 30 bis 50 Prozent pro Jahr. Ein gutes Beispiel ist der Konsum von Fruchtsäften in Indien und China.

Oder eine Firma in Indien, die eine Kette professionell geführter Garagen für Autoreparaturen betreibt, vergleichbar mit ATU in Deutschland. Die Firma ist jährlich zwischen 50 und 100 Prozent gewachsen. In den nächsten Jahren erwarten wir ein Wachstum von 30 bis 40 Prozent per annum. Zudem hat sich die Einstellung der Unternehmer geändert. Sie sind selbstbewusst und fürchten die Konkurrenz aus den Industrieländern nicht.

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Was unterscheidet Private Equity in den Emerging Markets gegenüber vergleichbaren Engagements in den Industrienationen?

Clausen: Die Hauptstrategie in den Emerging Markets heißt Wachstumskapital. In den Industrieländern wird Private Equity dagegen von der Buy-out-Strategie beherrscht, die in der Regel nicht ohne Fremdkapital als Hebel auskommt.

Nun bietet sich auch der Weg über den Aktienmarkt an. Welche Unterschiede zum Private Equity lassen sich ausmachen?

Clausen:
Private-Equity-Anlagen bieten den Vorteil, dass man die jeweilige Gesellschaft aktiv begleitet, nachdem sie über mehrere Monate hinweg geprüft wurde. Über den Aktienmarkt kommen sie niemals so nah dran.

Zu ihren Investoren zählen bekannte deutsche Unternehmerfamilien. Ist ein Engagement eine Art Feldversuch, um in China oder Indien Fuß zu fassen?

Clausen: Nein. Diese Familien sind investiert, weil es ihnen primär um Renditen geht. Sekundär sind sie auch daran interessiert, mit unseren Fonds- und Direktbeteiligungen Trends zu folgen und mit uns als lokalem Partner einen regen Austausch von Erfahrungen und Informationen zu pflegen.

Ob ein Engagement zu einer  Aktivität in Indien oder China führt, hängt von den einzelnen Umständen ab. Eine der uns verbundenen Familien tätigt seit Jahren sehr erfolgreich Geschäfte in China, Indien und Südostasien. Andere beobachten diese Region nur. Es kommt also ganz auf die Familie und ihr Unternehmen an.  

Tom Clausen ist Mitbegründer und Geschäftsführer der im Jahr 2000 gegründeten Capvent AG mit Firmensitz in Zürich. Das 30-köpfige Team ist zudem seit 2003 mit drei Büros in Indien sowie zwei weiteren Niederlassungen in China vertreten und fokussiert sich auf wertorientierte Private-Equity-Investitionen in Indien, China und Südostasien. Capvent investiert dabei ausschließlich in lokale Fonds und tätigt Direktinvestitionen. Von 1988 bis 1991 war Clausen für die Credit Suisse in Zürich und danach sieben Jahre für die Credit Suisse First Boston in San Francisco tätig. Clausen studierte an der Universität Zürich und an der Universität von San Francisco.