Rund 35 Milliarden US-Dollar verwalten digitalisierte („tokenisierte“) Fonds inzwischen weltweit – Anfang 2024 lag das Marktvolumen noch unter einer Milliarde US-Dollar. Davon entfallen etwa 8 Milliarden US-Dollar auf tokenisierte Geldmarktfonds. Zwar wachsen klassische Geldmarktfonds in den USA mit insgesamt 7,86 Billionen US-Dollar und in Europa mit 2,1 Billionen Euro weiterhin, doch nicht mit dieser Dynamik.
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Rund 35 Milliarden US-Dollar verwalten digitalisierte („tokenisierte“) Fonds inzwischen weltweit – Anfang 2024 lag das Marktvolumen noch unter einer Milliarde US-Dollar. Davon entfallen etwa 8 Milliarden US-Dollar auf tokenisierte Geldmarktfonds. Zwar wachsen klassische Geldmarktfonds in den USA mit insgesamt 7,86 Billionen US-Dollar und in Europa mit 2,1 Billionen Euro weiterhin, doch nicht mit dieser Dynamik.
Einheitliche Infrastruktur
Zudem stoßen sie zunehmend an die Grenzen des traditionellen T+2-Abwicklungsmodells. Parallel treiben internationale Asset Manager wie Blackrock mit BUIDL, Franklin Templeton oder J.P. Morgan den Aufbau entsprechender Produkte und Infrastrukturen voran. Noch ist der Markt im Verhältnis zur klassischen Fondsindustrie klein, seine Dynamik zeigt jedoch: Tokenisierung entwickelt sich vom Innovationsprojekt zu einem ernstzunehmenden Infrastrukturthema.
Das ist ein wichtiger Fortschritt, denn die heutige Fondsinfrastruktur ist an vielen Stellen fragmentiert. Registerführung, Verwahrung, Zahlungsverkehr und Abwicklung laufen über unterschiedliche Systeme und Beteiligte. Eine gemeinsam nutzbare digitale Infrastruktur kann Medienbrüche reduzieren, Abläufe automatisieren und Transaktionen schneller abschließen.
Der eigentliche Mehrwert endet dort aber nicht. Sobald diese Infrastruktur steht, eröffnet sie die Möglichkeit, Fonds mit Funktionen auszustatten, die in klassischen Strukturen nur mit erheblichem Aufwand oder gar nicht wirtschaftlich umsetzbar sind.
Aus dem Fondsanteil wird damit ein programmierbares Investmentprodukt. Ausschüttungen, Wiederanlagen oder bestimmte Transaktionsregeln können direkt in die technische Logik des Produkts eingebunden werden. Ein Fonds könnte Erträge nicht nur monatlich oder quartalsweise ausschütten, sondern in deutlich kürzeren Intervallen.
Ebenso ließe sich festlegen, dass Ausschüttungen automatisch reinvestiert werden oder überschüssige Liquidität nach bestimmten Vorgaben in das Produkt fließt. Tokenisierung digitalisiert also nicht nur einen bestehenden Anteil. Sie erweitert den Funktionsumfang des Fonds und verändert damit langfristig auch die Kosten- und Margenstruktur von Fondsanbietern.
Wenn Infrastruktur zum Produktvorteil wird
Welche praktischen Auswirkungen dieser erweiterte Funktionsumfang haben kann, zeigt sich derzeit besonders bei Geldmarktfonds. Unternehmen, Banken und institutionelle Investoren halten regelmäßig Liquidität, die kurzfristig verfügbar bleiben muss, zugleich aber möglichst rentierlich eingesetzt werden soll.
Klassische Fondsprodukte stoßen hier an praktische Grenzen: Zeichnungen und Rückgaben folgen Annahmefristen, Zahlungen hängen von Bank- und Börsenzeiten ab, und häufigere Ausschüttungen verursachen einen hohen operativen Aufwand.
Eine Studie von J.P. Morgan Asset Management verdeutlicht dabei die Kerneffizienz: Durch die Verkürzung der Abwicklung von T+2 auf T+0 sinken Gegenpartei- und Abwicklungsrisiken drastisch. Zudem lassen sich die tokenisierten Geldmarktfondsanteile direkt als Margin-Collateral nutzen, wodurch unverzinste Cash-Bestände („idle balances“) vermieden werden.
Eine tokenisierte Struktur kann diese Abläufe enger miteinander verbinden. Perspektivisch könnten Anleger freie Liquidität kurzfristiger investieren, Erträge häufiger gutgeschrieben bekommen und das Kapital schneller wieder einsetzen. Auch stündliche Ausschüttungen oder automatisierte Wiederanlagen werden technisch denkbar.
Für Treasury-Abteilungen entsteht daraus ein neuer Ansatz: Der Geldmarktfonds wäre nicht mehr nur ein Produkt zur vorübergehenden Anlage, sondern ein aktiv eingebundener Baustein des Liquiditätsmanagements.
Allerdings folgt aus einer Blockchain allein noch kein rund um die Uhr nutzbarer Fonds. Transaktionen verarbeiten kann die Technologie jederzeit. Damit daraus tatsächlich 24/7-Handel oder sofortige Verfügbarkeit entsteht, müssen jedoch auch Zahlungsverkehr, Verwahrung, Preisfeststellung, regulatorische Prüfungen und die Prozesse der Kapitalverwaltungsgesellschaft miteinander harmonieren.
