Tine Choi von Danske Invest Die höchsten Renditen erwarten wir in Schwellenländern

Tine Choi, Chefstrategin von Danske Invest: „Schwellenländeraktien bieten jetzt Aufholpotenzial“ | © Danske Invest

Tine Choi, Chefstrategin von Danske Invest: „Schwellenländeraktien bieten jetzt Aufholpotenzial“ Foto: Danske Invest

Im laufenden Jahr entwickelten sich die Aktienkurse in den verschiedenen weltwirtschaftlichen Regionen sehr unterschiedlich. Während US-Aktien hohe Anstiege verzeichneten, wurden Schwellenländeraktien stark in Mitleidenschaft gezogen, unter anderem aufgrund des eskalierenden Handelskriegs. Doch für genau dieses Segment erwarten wir zukünftig das größte Kurspotenzial.

Denn wir sind davon überzeugt, dass die Bewertung von Schwellenländeraktien im Rückstand ist, während sich jedoch dauerhaft die Märkte stets bis zu einem gewissen Grad angleichen. Und obwohl sich China in puncto Handelskrieg im Auge des Orkans befindet, gewichten wir jetzt Schwellenländeraktien über, weil die Gewinnaussichten der Unternehmen gut und die Bewertungen interessant sind.

Konkret bevorzugen wir gegenwärtig Aktien aus Asien gegenüber Titeln aus Lateinamerika oder Osteuropa. Denn trotz aller wirtschaftspolitischer Auseinandersetzungen und Streit um Zölle ist klar: Asien bietet die besten Möglichkeiten für eine Ausrichtung auf die Verbraucher der Zukunft.

Das Potenzial von US-Aktien ist stark strapaziert

Wenn man die Zahlen des MSCI betrachtet, haben die USA im laufenden Jahr eine Rendite von 10,5 Prozent erzielt, gefolgt von Europa mit 1,6 Prozent und den Schwellenländern als Schlusslicht mit einem Verlust von 2,3 Prozent.

Es mag sein, dass das konjunkturelle Wachstumsbild in den Vereinigten Staaten derzeit stark ist und sich US-Aktien deshalb am besten entwickelt haben. Aber es besteht unserer Meinung nach ein hohes Risiko, dass das Potenzial von US-Aktien allmählich ausgeschöpft ist. Gleichzeitig müssen Anleger allmählich damit rechnen, dass Donald Trumps Handelskrieg auch US-Unternehmen beeinträchtigt und nicht nur Unternehmen in Europa und den Schwellenländern. Hinzu kommt: Obwohl die USA nach wie vor nicht so stark von Exporten abhängig sind wie viele andere Länder, werden dennoch immerhin 43 Prozent der gesamten Gewinne der Unternehmen im S&P 500 im Ausland generiert.

Mit Blick auf die Wirtschaftsdaten der Schwellenländer sind wir dagegen der Meinung, dass in die Finanzmärkte und Wachstumsaussichten bereits viel Negatives eingepreist ist. Deshalb sehen wir hier viel größere Chancen für positive Überraschungen, wohingegen die Risiken für negative Überraschungen in den USA höher sind.

Giftcocktail für Schwellenländer in 2018

Zusätzlich zum eskalierenden Handelskrieg wurden die Schwellenländer im bisherigen Jahresverlauf 2018 von einem stärkeren US-Dollar und steigenden globalen Zinsen beeinträchtigt. Die Dollar ist nicht nur gegenüber dem chinesischen Yuan gestiegen, sondern auch gegenüber den übrigen Schwellenländerwährungen. Und genau eine solche Kombination aus geschwächten heimischen Währungen und steigenden Zinsen ist Gift für Staaten mit einem Zahlungsbilanzdefizit oder hohen Schulden in Fremdwährung, da sich die Zinszahlungen und Tilgungen verteuern. Die Folge: Aktien- und Anleihekurse in den Schwellenländern gingen zurück.

Gleichzeitig sind Krisen in einzelnen Schwellenländern wie in der Türkei massiv ausgebrochen und haben Ängste vor einer sich verschlimmernden Situation im Stil der Asienkrise von 1997/98 geschürt. Doch für uns ist dies kein Szenario mit hoher Eintrittswahrscheinlichkeit.

Die Aussichten für Emerging Markets versprechen Besserung

Denn heutzutage ist die Schuldenlast der Schwellenländer in ausländischer Währung zumeist geringer als damals. Zugleich haben die meisten Staaten heute freie Wechselkurse, während die Asienkrise von einst ihren Ursprung in den Spekulationen gegen die festen Wechselkurse der Länder hatte. Darüber hinaus erwarten wir, dass die Stärke des US-Dollar in den kommenden sechs bis zwölf Monaten allmählich wieder abnehmen wird.

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Bitte kontaktieren Sie stets einen Finanzberater, wenn Sie eine Investition in Erwägung ziehen, und klären Sie ab, ob eine bestimmte Anlage zu Ihrem Anlageprofil passt.