Tim Wirth von Iurisconcept über Mallorca „Wir leben hier in einer Blase“

Tim Wirth von Iurisconcept über Mallorca: „Wir leben hier in einer Blase“

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Der in Lübeck geborene Tim Wirth lebt und arbeitet seit 1997 als Rechtsanwalt auf Mallorca. Als Experte für Immobilien-, Handels-, Wirtschafts- und Steuerrecht begleitete er dabei bereits unzählige Immobilien-Transaktionen bis in den zweistelligen Millionenbereich. Ein Gespräch über den Immobilienmarkt auf der Lieblingsinsel der Deutschen.

DIE IMMOBILIE: Als größtes Risiko für ein Investment in Spanien wird oft die spanische Regierung genannt. Wie schätzen Sie die momentane Lage ein?
Tim Wirth: In Spanien besteht zwischen der konservativen Partei und der sozialistischen Partei ein traditioneller Ur-Hass. Die Lager sind nicht zuletzt aufgrund der Franco-Zeit gepalten. Wenn es drauf ankommt, sind sie jedoch fast immer in der Lage, einen Konsens zu finden.

Das würde mich allerdings nicht davon abhalten, in Spanien zu investieren. Man muss natürlich auch unterscheiden, ob sie in gewerblich geprägte Immobilien oder in Immobilien, die ein Zweitwohnsitz werden sollen investieren.

Wenn sie in gewerbliche Immobilien investieren wollen, dann war das vor ein paar Jahren noch etwas schwierig. Bedingt durch die extremen Arbeitnehmerschutzgesetze. Die sind jedoch inzwischen etwas abgemildert worden.

Weiter sind die Rahmenbedingungen in Spanien gut. Die wurden auch unter dem Druck der EU in den vergangenen Jahren angeglichen. Die Steuergesetze scheinen ebenfalls in die richtige Richtung zu laufen. Wenn man in eine Ferienimmobilie, Zweitimmobilie, oder sei es ein Hotel oder Golfplatz investieren möchte, da ist Spanien unschlagbar gut.

DIE IMMOBILIE: Wie unterscheidet sich der Markt auf Mallorca von dem auf dem Festland?
Wirth: Mallorca ist eine Insel, die nur ein beschränktes Bauland hat. Die Regierung ist eher darauf bedacht, dieses Ambiente zu schützen. In der zweiten Hälfte der sechziger Jahre und in den siebziger Jahren gab es einige Auswüchse, wo man Hotelburgen aus den Boden gestampft hat. Aber das gab es überall in Spanien – auch auf dem Festland. Auf Mallorca gab es diese Entwicklung jedoch nur punktuell – kein Vergleich zu den Entwicklungen auf dem Festland. Die Regierung hat schließlich erkannt, dass Mallorca davon lebt, dass die Umwelt geschützt wird. Wenn sie hingegen an die Costa Blanca fahren, die Costa Sol – ist das eine Bebauungsgebiet erschlossen, machen sie das nächste auf. Sowas geht auf Mallorca nicht.