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Der Bayerische Landtag hat den Verkauf der Alten Akademie in München an die Thiele-Familienstiftung beschlossen. Die milliardenschwere Stiftung zahlt 30 Millionen Euro für das Grundstück und 149 Millionen Euro für das Erbbaurecht der ehemaligen Benko-Immobilie, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Ein konkurrierender Investor kündigte rechtliche Schritte an.
Einsturzgefahr und Millionenkosten
Die Baustelle in der Neuhauser Straße stellt eine erhebliche Gefahr dar. Laut einem Bericht der Immobilienagentur des Freistaats (Imby), der dem Straubinger Tagblatt vorliegt, könnten ohne permanente Sicherungsmaßnahmen Teile des denkmalgeschützten Altbaus einstürzen. Dies könnte zur Sperrung der Fußgängerzone und zur Beschädigung der unterirdischen S-Bahn-Stammstrecke führen. Die monatlichen Sicherungskosten belaufen sich auf bis zu eine Million Euro, finanziert durch Massekredite der Bayerischen Landesbank, Stadtsparkasse München und Deutschen Pfandbriefbank – den Hauptgläubigern der insolventen Signa-Gesellschaft
Lange Suche nach Investor
Das 6.000 Quadratmeter große Grundstück war 2013 im Erbbaurecht für 65 Jahre zum Preis von 230 Millionen Euro an René Benkos Signa-Gruppe vergeben worden. Nach dem Zusammenbruch von Signa Ende 2023 ging auch die zuständige Tochterfirma in die Insolvenz. Der Insolvenzverwalter startete im April 2024 einen internationalen Bieterprozess, der jedoch bis Frühjahr 2025 ergebnislos blieb, wie die Süddeutsche Zeitung schreibt. Das Hauptproblem: Niemand wollte nur das noch 52 Jahre laufende Erbbaurecht übernehmen.
Daraufhin beschloss der Haushaltsausschuss im Frühjahr 2025 auch den Verkauf des Grundstücks zu ermöglichen. Drei Investoren gaben demnach Angebote über 203 bis 208 Millionen Euro ab, zogen sich aber wieder zurück.
„Immobilien-Phantom“ bietet mehr – und geht leer aus
Der Münchner Immobilienunternehmer Erich Schwaiger bot über seine Concept Real Holding insgesamt 195 Millionen Euro – davon 40 Millionen für das Grundstück, wie aus dem Imby-Bericht hervorgeht. Damit lag sein Angebot 16 Millionen über jenem der Thiele-Stiftung. Der Insolvenzverwalter berücksichtigte Schwaigers Angebot jedoch nicht und erteilte der Thiele-Stiftung Exklusivität bis zum 19. Dezember.
Schwaigers Anwalt Aribert Wolf kündigte gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung rechtliche Schritte an: „Hier wird ein Filetgrundstück ohne öffentliche Ausschreibung einem Investor 'zugeschustert'", sagte er. Das sei haushaltsrechtlich und europarechtlich unzulässig. Wolf wirft dem Freistaat vor, mit der Direktvergabe gegen sein eigenes Haushaltsrecht und gegen EU-Beihilferecht zu verstoßen, da er nicht das lukrativste Angebot berücksichtige.
Die Imby weist die Vorwürfe laut Süddeutscher Zeitung zurück: Der Verkauf ohne Ausschreibung sei zulässig, da Ausnahmeregeln griffen. Zwei Gutachten hätten den Restwert des Grundstücks auf 28,9 bis 29 Millionen Euro beziffert. Der von der Thiele-Stiftung gebotene Preis von 30 Millionen Euro liege darüber, damit entfalle der Vorwurf einer Begünstigung.
Die Imby schildert zudem, dass Erich Schwaigers Concept Real Holding ein Angebot über 195 Millionen Euro abgegeben habe, davon 40 Millionen Euro als Kaufpreis für den Freistaat. Der Insolvenzverwalter und die Gläubigerbanken hätten „dieses Angebot insbesondere mit Blick auf einen belastbaren Finanzierungsnachweis geprüft“. Letztlich habe der Insolvenzverwalter
es aber „nicht berücksichtigt“.
Schwaiger, der in der Branche den Spitznamen "Phantom" trägt, hatte 2024 bereits das frühere Kaut-Bullinger-Haus sowie die Immobilien von Sport Schuster und das Hirmer-Stammhaus erworben – allesamt ehemalige Signa-Objekte, berichtet das Straubinger Tagblatt.
Käufer und Zeitplan
Als Käufer tritt die Projektgesellschaft Proteus Gewerbe Immobilien mit Sitz in Oberhaching auf. Sie will das Projekt mit Unterstützung der Hammer AG, einem Unternehmen des CSU-Stadtrats Hans Hammer, entwickeln. Die Fertigstellung des Umbaus soll binnen fünf Jahren erfolgen.
Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung stimmten CSU, Freie Wähler und AfD für den Verkauf, die Grünen dagegen, die SPD enthielt sich. Die insolvente Signa-Gesellschaft "München alte Akademie Immobilien GmbH & Co. KG" hinterließ laut Straubinger Tagblatt 371 Millionen Euro Grundschulden.
Die Thiele Familienstiftung wurde 2023 gegründet. Die Stiftung verwaltet das Vermögen des 2021 verstorbenen Industriellen Heinz Herrmann Thiele, dessen Höhe im niedrigen zweistelligen Milliardenbereich liegen soll. Bevor die Stiftung ihre Arbeit aufnehmen konnte, mussten diverse juristische Fragen geklärt werden.