Thiam geht, Gottstein übernimmt Credit Suisse zieht Konsequenzen aus Beschattungsskandal

Vorgänger und Nachfolger: Tidjane Thiam (l.) und Thomas Gottstein.  | © Credit Suisse

Vorgänger und Nachfolger: Tidjane Thiam (l.) und Thomas Gottstein. Foto: Credit Suisse

Die Credit Suisse und Tidjane Thiam gehen getrennte Wege: Nach knapp fünf Jahren an der Spitze der Schweizer Großbank räumt der bisherige Chef des Instituts seinen Posten. Der Verwaltungsrat habe sein Rücktrittsangebot einstimmig angenommen, teilte die Credit Suisse mit.

Der ehemalige Hoffnungsträger wird die Bank nach der Präsentation der Ergebnisse für das Gesamtjahr und das vierte Quartal 2019 kommende Woche verlassen. Zum Abschied gibt es warme Worte: Thiam habe einen enormen Beitrag geleistet, es sei klar sein Verdienst, dass die Credit Suisse wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt sei, so Verwaltungsratspräsident Urs Rohner.  

Hintergrund von Thiams Rückzug ist ein Überwachungsskandal, der vergangenen Herbst an die Öffentlichkeit gelangt war: So hat die Bank ihren vormaligen Chef des Vermögensverwaltungsgeschäfts, Iqbal Khan, beschatten lassen. Nach Bekanntwerden eines weiteren Obervierungsfalls war der als Verantwortlicher benannte Stabschef Thiams, Olivier Bouée, fristlos entlassen worden.

Thiam beharrt indes unverändert darauf, nichts von den Vorgängen gewusst zu haben: „Ich hatte keinerlei Kenntnisse von der Beschattung zweier ehemaliger Kollegen“, so der scheidende CEO. „Zweifellos hat dies der Credit Suisse geschadet und zu Verunsicherung und Leid geführt.“ Er bedauere das Vorgefallene, das nie hätte passieren dürfen.

Thiams Nachfolger steht bereits fest: Chef der Bank wird das Eigengewächs Thomas Gottstein, zuvor seit 2015 verantwortlich für das Schweiz-Geschäft. Von seinen insgesamt 30 Jahren Bankerfahrung hat Gottstein mehr als 20 Jahre bei der Credit Suisse verbracht, sowohl in leitenden Funktionen im Investment- als auch im Private Banking.

Rohner selbst geht gestärkt aus dem Ringen hervor: Er habe den Verwaltungsrat während dieser turbulenten Zeit in anerkennenswerter Weise geführt, alle Schritte des Verwaltungsrates seien einstimmig und nach sorgfältigen Beratungen erfolgt, so der Vizepräsident des Gremiums,  Severin Schwan. Der Verwaltungsrat spreche Rohner sein volles Vertrauen aus, und erwarte, dass dieser sein Amt bis April 2021 ausübe.